525 Jahre „Entdeckung“ Amerikas

von Stefan Klinkhammer

Donnerstag, 12.10.2017

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Porträt eines Mannes, der als Christoph Kolumbus bezeichnet wird, Gemälde von Sebastiano del Piombo (1485–1547), um 1519, Metropolitan Museum of Art / New York

Der 12. Oktober 1492 gilt als der Tag der Entdeckung Amerikas. Für die einheimische Bevölkerung nicht unbedingt ein Freudentag: Gerade konnten sie in Brasilien mit Hilfe des Hilfswerks Adveniat aus Essen Erfolge gegen neue Eindringlinge verzeichnen...

INFOS: Am heutigen Welttag der spanischen Sprache (UN-Website), UN Department of Public Information OBV/853 (PI/1926), UNESCO-Exekutivrat 190 EX/48) wird in Lateinamerika, Spanien und Portugal der „Columbus-Tag / Día de la Hispanidad“ begangen. An ihm jährt sich die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 – heute vor 525 Jahren. Der um 1451 geborene und aus Genua stammende italienischer Seefahrer stach am 3. August 1492 von Palos de la Frontera in Andalusien mit 90 Mann auf den drei Schiffen Niña, Pinta und Santa Maria in See. Im Auftrag und mit Ausrüstung der katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon suchte er die Westpassage nach Indien, wurde in den erblichen Adelsstand eines Vizeadmirals erhoben und zum Vizekönig aller von ihm entdeckten Gebiete ernannt. Bei seinen ersten Reisen kam er bis in die Karibik, bei seiner vierten und letzten Reise in Honduras stieß er auf Festland. Er hielt es für Indien, die Einwohner wurden zu „Indios“. Kolumbus starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im Alter von 55 Jahren, wurde zunächst in Sevilla bestattet, 1542 nach Santo Domingo in der heutigen Dominikanischen Republik überführt, 1795 nach Havanna/Kuba, 1898 wieder in die Kathedrale von Sevilla. Amerigo Vespucci aus Florenz gelang nach seinen Reisen an den Küsten Mittel- und Südamerikas (1497-1504) der Nachweis, dass die entdeckten Gebiete nicht „Indien“, sondern ein neuer Kontinent sein mussten. Nach „Amerigo“ wurde dieser 1507 erstmals auf den Weltkarten des deutschen Kartographen Martin Waldseemüller als „America“ bezeichnet.

Bischöfliches Hilfswerk ADVENIAT: Das in Essen ansässige Hilfswerk wurde 1961 von der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufen. Der Name der Aktion Adveniat stammt von der zweiten Vaterunser-Bitte „Adveniat regnum tuum (dein Reich komme)”. Adveniat unterstützt die Kirche in Lateinamerika und der Karibik bei ihrem Einsatz für die arme Bevölkerung. Seit der Gründung erhielt das Hilfswerk rund 2,5 Milliarden Euro an Spenden und fördert jährlich rund 2.000 Projekte mit mehr als 30 Millionen Euro.
Die Adveniat-Weihnachtsaktion stand im Vorjahr unter dem Motto „Schützt unser gemeinsames Haus“ und war inspiriert durch die von Papst Franziskus vorgelegte Enzyklika Laudato si‘. Die Kirchen der neun Amazonasstaaten engagieren sich gemeinsam mit vielen kirchlichen Organisationen – unter ihnen auch Adveniat – gegen die fortschreitende Umweltzerstörung und für das Überleben der indigenen Völker. In den wenigen verbliebenen unberührten Regenwaldgebieten bedrohen staatliche und internationale Erdölfirmen, das Agrobusiness mit Palmöl-, Zuckerrohr- und Sojaplantagen, illegale Goldsucher oder gigantische staatlich Infrastrukturprojekte das Leben der indigenen Völker. Ihre Forderungen will das kirchliche Netzwerk Repam („Red Eclesial PanAmazónica”) im gesamten Amazonasgebiet in die Tat umsetzen und bildet mit finanzieller Unterstützung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat Angehörige indigener Völker und kirchliche Mitarbeiter aus, gegen Menschenrechtsverletzung vorzugehen und die Rechte der Indigenen einzuklagen. Zahlreiche Bildungs- und Ausbildungsprojekte in den Amazonas-Staaten unterstützen indigene Völker dabei, sich innerhalb der westlich geprägten Mehrheitskultur zurechtzufinden und gleichzeitig die eigene Identität und Kultur selbstbewusst zu leben. Die traditionelle Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember 2016 in allen katholischen Kirchen Deutschlands war für diese Arbeit bestimmt. Adveniat, das sich zu 95 Prozent aus Spenden finanziert förderte vergangenen Jahr rund 2.500 Projekte mit 40 Millionen Euro. Das Lateinamerika-Hilfswerk hat die diesjährige Weihnachtsaktion der Katholischen Kirche unter das Motto „Faire Arbeit. Würde. Helfen.“ Mehr: www.adveniat.de/weihnachtsaktion

Erfolg für Adveniat und seine Partner: Adveniat warf Ende August dem brasilianischen Präsidenten vor, die Lebenswelt der indigenen Völker den Interessen der Bergbau-Konzerne zu opfern. Ende September nahm Brasiliens Präsident Michel Temer nach internationalem Protest Bergbaugenehmigungen im nationalen Schutzgebiet RENCA zurück. Mit der Entscheidung der Regierung sei die generelle Bedrohung des Amazonasgebiets und seiner Völker aber nicht gebannt, so Adveniat, da im brasilianischen Kongress zahlreiche Vertreter der Agrar- und Bergbaulobby sitzen. Bei dem 46.000 Quadratkilometer großen Gebiet handelt es sich um eine von der damaligen Militärdiktatur 1984 eingerichtete Rohstoff-Schutzzone. Es sollte verhindert werden, dass internationale Unternehmen das dort lagernde Kupfer, Gold und Eisen fördern.
Große Hoffnungen setzt das kirchliche Netzwerk „Red Eclesial PanAmazónica” (Repam) auf die Amazonassynode, die Papst Franziskus beim Besuch der ecuadorianischen Bischöfe im Vatikan erneut angekündigt hat. Den mit den Vorbereitungen des Bischofstreffens beauftragten Bischöfen aus Ecuador zufolge liegt die Region dem Papst sehr am Herzen. Franziskus habe sich für eine glaubwürdige Verkündigung des Evangeliums dort ausgesprochen, ohne die Rechte der indigenen Völker mit Füßen zu treten.

Unser Gesprächspartner: Thomas Wieland, Religionspädagoge, Jg. 1966, Leiter der Auslandsabteilung beim katholischen Hilfswerk Adveniat in Essen. Vor seiner Tätigkeit bei Adveniat arbeitete er mehrere Jahre in Kolumbien. Bischöfliche Aktion Adveniat e.V., Gildehofstraße 2, 45127 Essen, Tel. 0201 / 1756-0, Fax 0201 / 1756-222, E-Mail: thomas.wieland@adveniat.de. Kontakt: Bischöfliche Aktion Adveniat, Gildehofstr. 2, 45127 Essen, Tel. 0201 /1756–203, Fax 0201 / 1756–222, Internet: www.adveniat.de, www.blickpunkt-lateinamerika.de. Spendenkonto zur Unterstützung der Arbeit des Amazonasnetzwerks Repam für die Zukunft der indigenen Völker am Amazonas (Stichwort: „Zukunft Amazonas“): 17345 bei der Bank im Bistum Essen (BLZ 360 602 95), IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45, SWIFT/BIC: GENODED1BBE.

Donnerstag, 12.10.2017