Weihrauch – da scheiden sich die Geister

von Peter Becker

Freitag, 07.11.2014

Weihrauch
Das Verbrennen von Weihrauch hat kultische und heilkundliche Bedeutung.

Hätten Sie vor zweieinhalbtausend Jahren gelebt, und wären mit einer schlimmen Wunde zu Dr. Hippokrates gegangen, hätte er Ihnen bestimmt Weihrauchsalbe verordnet. Die heilende Kraft des Weihrauchs wird heute in der Naturheilkunde wieder hochgeschätzt.

Seit altersher ungebrochen ist sein Einsatz als Räuchermittel. Im Altertum waren Medizin und Religion eng verbunden. Spuren davon sind noch heute in der Sprache zu finden: Wenn etwas heilt, dann ist es heil-ig. Erste Hinweise auf die Verwendung von Weihrauch finden sich in dreieinhalbtausend Jahre alten Texten aus dem Niltal. Die Ägypter nutzten Weihrauch für den guten Geruch der Luft, für Salben und zur Wundbehandlung. Vor dreitausend Jahren gab es bereits feste Handelswege, die Weihrauchstraßen, die das kostbare Harz einerseits aus Somalia und Äthiopien, andererseits aus Indien und den Ländern am Roten Meer nach Ägypten und Mesopotamien brachten.

Manch einem kommen bei dem Wort Weihrauch auch die Heiligen Drei Könige in den Sinn. Früher war Weihrauch so wertvoll wie Gold und daher als Geschenk für den kleinen Jesus gerade gut genug. "Nimm mein Gebet an wie den Duft geopferten Weihrauchs", heißt es in Psalm 141. Für viele katholische Christen verbindet sich deshalb der Weihrauchgeruch mit der Hoffnung, dass ihr Gebet bei Gott ankommt.

Damit Gebete bei Gott ankommen, braucht es keinen Weihrauch. Davon war der Reformator Martin Luther überzeugt. Er erlebte, wie damals Weihrauch und Weihwasser eingesetzt wurden, um den Teufel und sonstige schädliche Einflüsse abzuwehren. Luther hingegen meinte, Gottes Wort reicht, und schrieb 1529 im großen Katechismus:

Ohne Zweifel wirst du mit keinem Weihrauch oder anderem Räucherwerk etwas Wirksameres gegen den Teufel ausrichten können, als wenn du mit Gottes Geboten und Worten umgehst, über sie redest, singst oder nachdenkst. Das ist sicherlich das wahre Weihwasser und Zeichen, vor dem er flieht und womit er sich verjagen lässt.

Freitag, 07.11.2014