Ad fontes: Die Zisterzienser

von Johanna Risse

Montag, 19.06.2017

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Motiv der Ausstellung / LVR-LandesMuseum Bonn

Die Ausstellung „Das Europa der Klöster“ zeigt ab dem 29. Juni im LVR-LandesMuseum Bonn den „Konzern der weißen Mönche“. Auch im Siebengebirgsmuseum Königswinter erinnern sie seit dem 17. Mai an die Zisterzienser in der Abtei Heisterbach...

INFO: Der Zisterzienserorden zählt heute weltweit rd. 2.800 Mitgliedern und entstand durch Reformen im Benediktinerorden. Die Mitglieder führen in der Tradition der Gründer des 1098 gegründeten strengen Reformklosters in Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit. Für ihren Aufstieg sorgte vor allem der heilige Bernhard von Clairvaux - am 20. August auf dem Heiligen- und Namenstagskalender -, der 1112 mit 30 Gefährten nach Cîteaux kam und mit 25 Jahren zum Abt des neuen Klosters Clairvaux gewählt wurde. Es zählt bald 700 Mönche und bis zu Bernhards Tod 1153 wurden allein von Clairvaux aus 67 Klöster in ganz Europa gegründet. Um 1300 war der Orden in allen wichtigen Ländern Europas vertreten und zählte ca. 700 Niederlassungen. Auf dem Gebiet des späteren Deutschland entstanden insgesamt 91 Männerklöster. Das erste deutsche Zisterzienserkloster war das 1123 gegründete Kloster Kamp; im Jahre 1127 folgten Kloster Ebrach (Erzbistum Bamberg), kurz darauf Kloster Walkenried am Südrand des Harzes. Zwischen 1200 und 1250 entstanden auch ca. 160 Frauenklöster des Ordens im deutschen Sprachraum. Mehr: http://www.ocist.org/.

Die vom 29.6.2017-28.1.2018 im LVR-LandesMuseum Bonn gezeigte Ausstellung „Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“ präsentiert mit über 200 kostbaren Ausstellungsobjekten aus ganz Europa den „Konzern der weißen Mönche“, der vom späten 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts den europäischen Kontinent mit einem Netzwerk an Niederlassungen überzog. Allein im Rheinland, in der Eifel und im Westerwald errichtete der Orden in allein 150 Jahren 650 Klöster: Die Abteien Kamp (1123), Altenberg (1133), Himmerod (1134), Heisterbach (1192) und Marienstatt (1212) gehören zu den frühesten Gründungen außerhalb Frankreichs. Nach der Regel des heiligen Benedikt (um 480-547) fanden die Zisterzienser und Zisterzienserinnen in einem zurückgezogenen Leben fernab der Städte zu einer tiefen Religiosität und wurden auch zu einem innovativen und sehr erfolgreichen Wirtschaftskonzern. Ihr für alle Klöster verbindliches Regelwerk, die „Carta caritatis“, die „Urkunde der Liebe“, forderte eine Reduktion auf das Wesentliche in Lebensführung, Kunst und Architektur. Die mittelalterliche Blütezeit des Ordens illustrieren zahlreiche Objekte, Modellen, CAD-Rekonstruktionen, Medien- und Mitmachstationen. Neben dem Hochaltar des ehemaligen Zisterzienserklosters Kamp sind Bildtafeln und Skulpturen erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Anordnung zu sehen. Mit der Madonna aus Kloster Eberbach kommt eines der mittelalterlichen Hauptwerke des Louvre aus Paris, ein lebensgroßes und figürlich besticktes Grabtuch aus dem Nationalmuseum Stockholm ist erstmals außerhalb Schwedens zu sehen. Das Scriptorium, die Schreibwerkstatt präsentiert aufwändig geschmückten Handschriften im Original. Das Begleitbuch mit 300 farbigen und meist großformatigen Abbildungen kostet im Museumshop 24,95 Euro (Buchhandel 29,95 Euro). Die Ausstellung wird unterstützt durch die NRW-Stiftung, die Ernst von Siemens-Stiftung und die Renate-König-Stiftung.
Tickets für die Ausstellung im LVR-LandesMuseum Bonn bei BonnTicket.
Mehr: http://www.landesmuseum-bonn.lvr.de/de/ausstellungen/die_zisterzienser/die_zisterzienser.html

Zisterzienser in Heisterbach, Sonderausstellung 17.5. – 5.11.2017: Während im LVR-LandesMuseum Bonn die Zisterzienser in ihrem europaweiten Wirken präsentiert werden, widmet sich die Ausstellung „Was war – was ist – was bleibt“ im Siebengebirgsmuseum und vor Ort dem zisterziensischen Leben in Heisterbach (Stadtgebiet Königswinter). 1192 auf Betreiben des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg vom Kloster Himmerod aus im „Tal des heiligen Petrus“ gegründet, nannte sich das Kloster ab 1211 „Maria im Peterstal in Heisterbach“. 1237 wurde der Neubau der Abteikirche mit einer Länge von 88 Metern und einer Breite von 44 Metern geweiht, die an Größe nur vom Kölner Dom übertroffen wurde. 1327 war die komplette Klosteranlage fertiggestellt. Mit der Säkularisation wurde die Abtei Heisterbach 1803 aufgehoben und die Bergische Landesregierung bot 1804 das Kloster zum Verkauf an. Die Kirche wurde 1809 zum Abbruch an einen französischen Unternehmer verkauft, die Steine wurden zum Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss und für die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz verwendet. Die restlichen Gebäude kaufte ein Kölner Konsortium auf, weitere Sprengungen verhinderte eine Verfügung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz erst 1818, so dass die Chorruine erhalten werden konnte. Graf zu Lippe-Biesterfeld erwarb das Gelände und gestaltete das Gelände als englischen Landschaftspark. Internet: https://www.abtei-heisterbach.de/

Das Siebengebirgsmuseum Königswinter und das ehemalige Gelände lassen mit neuen archäologischen Funden und virtuellen Rekonstruktionen die Geschichte der Abtei Heisterbach bis in die Gegenwart lebendig werden. Vielseitige Konzerte, Vorträge und interaktive Führungen zeigen die Welt der Klöster aus immer wieder wechselnder und aktueller Perspektive. Jeden Sonntag um 11.15 Uhr gibt es eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung. Internet: www.siebengebirgsmuseum.de.

Zur Ausstellung „Die Zisterzienser“ in Bonn und der Ausstellung im Siebengebirgsmuseum gibt es ein vergünstigtes Kombiticket an den Museumskassen für 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Das Kombiticket ist auch inklusive VRS-Fahrausweis für 12,60 Euro, ermäßigt 10,30 Euro über www.bonnticket.de erhältlich.

 

Montag, 19.06.2017