Aloisius von Gonzaga

von Christof Beckmann

Mittwoch, 21.06.2017

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Im Wappen des AKO: Die Lilie des Hl. Aloisius von Gonzaga, der Marienstern und der Rhein

Bald sind sie nun wirklich rum, die Tage der letzten Prüfungen für über 80.000, die sich auf die Abi-Feiern freuen. Auch im Aloisiuskolleg der Jesuiten in Bonn, dessen Eingangshalle eine blütenweiße Marmorfigur des Namensgebers ziert ...

INFO: Seine Marmorfigur ziert die Eingangshalle und Tausende Schüler gehen in der jeder Woche an ihm vorbei: Aloisius von Gonzaga ist der Namenspatron des Bonner Aloisiuskollegs. Geboren am 9. März 1568 als Sohn der Grafen von Gonzaga auf dem Familienschloss Castiglione in der Nähe von Mantua in Oberitalien, diente er als Page an den Höfen von Mantua, Florenz und Madrid. Mit 17 Jahren trat Aloisius gegen den Willen seines Vaters in Rom der Gesellschaft Jesu bei und kümmerte sich um Arme und Kranke. Bei der Pflege von Pestkranken steckte er sich selbst an, starb am 21. Juni 1591 im Alter von 23 Jahren und wurde bald nach seinem Tod als Heiliger betrachtet. Seine sterblichen Überreste liegen in der Kirche Sant’Ignazio di Loyola in Rom in einer Urne aus Lapislazuli. 1605 wurde er durch Papst Paul V. seliggesprochen, 1726 mit einem weiteren Jesuiten-Novizen, Stanislaus Kostka, durch Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen: Er erklärte Aloisius 1729 zum Schutzheiligen für junge Studenten und 1926 rief ihn Pius XI. zum Schutzheiligen der christlichen Jugend aus. Der Schutzheilige der Pestopfer gilt auch als Patron der an AIDS Erkrankten und ihrer Pfleger. Dargestellt wird er als junger Mann in Soutane, seine Attribute sind eine Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit, Kruzifix und Rosenkranz. Der Jugendpatron ziert als Fußballer in den Schalker Farben ein Fenster in der St. Josephskirche in Gelsenkirchen-Schalke. Seine Lilie ist das Wappensymbol des Bonner Aloisiuskollegs, sein Gedenktag ist der 21. Juni.

Die „Gesellschaft Jesu“: Der Jesuitenorden ist die größte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Gründer der „Gesellschaft Jesu“, so die offizielle Bezeichnung in Anlehnung an den lateinischen Namen „Societas Jesu“ (SJ), ist der Spanier Ignatius von Loyola (1491-1556). Unter der Devise „Alles zur größeren Ehre Gottes / Omnia ad majorem Dei gloriam” beschloss er, eine religiöse Gesellschaft zu gründen. Nach einer Pilgerfahrt ins Heilige Land besuchte er die Hochschulen von Barcelona, Alcala und Salamanca, zuletzt in Paris und gründete hier mit Gesinnungsgenossen den Jesuitenorden, den er bedingungslos dem Papst unterstellte. Nach seiner Priesterweihe in Venedig wurde Ignatius zum Generaloberen der durch Papst Paul II. am 27. September 1540 mit der Bulle „Regimini militantis ecclesiae" (dt. „Der Leitung der streitenden Kirche") bestätigten Ordensgemeinschaft. Neu war, dass sie keine Klöster besaß und dass die Mönche keinen Habit trugen. Charakteristisch dagegen war eine für damalige Verhältnisse hochkarätige Ausbildung, die über das Studium der Theologie hinausging. Ignatius selbst musste sich dafür mehrfach vor der spanischen Inquisition rechtfertigen und verbrachte mehrere Monate im Gefängnis. Umstritten von Anfang an, expandierte der im Zeitalter der Gegenreformation wichtige Orden (Motto: „Gott in allem finden) von Europa aus auch nach Südamerika und Asien. Beim Tod von Ignatius am 31. Juli 1556 zählte der Orden bereits mehr als 1.000 Mitglieder und besaß über 100 Niederlassungen. Ignatius wurde in der Kirche II Gesù in Rom begraben und 1622 heilig gesprochen; sein Fest wird am 31. Juli gefeiert.
Der einflussreiche Orden wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts aus immer mehr europäischen Ländern gewaltsam vertrieben. Papst Klemens XIV. wies 1773 auf frühere Verdienste des Ordens hin, veröffentlichte aber trotzdem ein Aufhebungsdekret. 1814 erfolgte die Wiedergründung der Gesellschaft Jesu mit der päpstlichen Bulle „Sollicitudo omnium ecclesiarum” durch Papst Pius VII..
Jesuiten sind keine Mönche; sie führen kein Klosterleben und tragen keine Ordenskleidung. Neben Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichten sie sich in einem vierten Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Zudem legen sie ein Zusatzversprechen ab, nicht nach kirchlichen Ämtern zu streben.
An der Spitze der Gesellschaft Jesu, die in 125 Ländern vertreten ist, steht ein Ordensgeneral mit Sitz in Rom. Der Orden ist in 85 Provinzen eingeteilt, die jeweils von einem Provinzoberen, dem Provinzial, geleitet werden. Im Interesse einer hohen Mobilität leben die Jesuiten nicht ortsgebunden in Klöstern, sondern entsprechend ihrer Aufgaben und Einsatzgebiete in ordenseigenen Einrichtungen und Häusern, die wiederum einen Hausoberen haben. Ihre römische Hochschule, die „Gregoriana“, ist die renommierteste unter den Päpstlichen Universitäten. Der derzeitige Papst Franziskus ist der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. 2016 wurde der Politikwissenschaftler Pater Arturo Sosa Abascal SJ (67) aus Venezuela zum 31. Generaloberen des Ordens gewählt. Internetwww.jesuiten.de.

Die Deutsche Provinz: Peter Faber kam 1540 als erster Jesuit nach Deutschland, Petrus Canisius war der erste deutsche Jesuit. 1544 gründete sich in Köln die erste Jesuitenkommunität und 1556 entstanden die ersten beiden deutschen Provinzen. 1872 wurden die Ordensangehörigen durch das Jesuitengesetz aus dem Deutschen Reich vertrieben, gründeten Ausbildungshäuser in den Niederlanden und Großbritannien oder gingen in Missionen in den skandinavischen Ländern, den USA, Südbrasilien, Indien, Rhodesien und Japan. 1917 wurde das Verbot in Deutschland aufgehoben. Die bereits durch den Ordensgründer erkannte Bedeutung der Bildung setzten sie wieder in der Gründung von Schulen um. Heute sind in der Deutschen Provinz (Bundesrepublik sowie Dänemark und Schweden) rund 450 Mitglieder vor allem als Lehrer und Hochschullehrer, Schriftsteller, Seelsorger oder Publizisten tätig (Österreichische Provinz: 100 Mitglieder, Schweizer Provinz: 80 Mitglieder). Sie arbeiten an den Kollegien in Berlin, Bad Godesberg und St. Blasien, den Hochschulen in Frankfurt (Main), München und Innsbruck, in der Jugend und Studentenseelsorge, Gemeindepastoral, Bildungs-, Beratungs- und Exerzitientätigkeit und als Herausgeber mehrerer Zeitschriften. Mehr: Jesuiten in Deutschland, Jesuit werden

Das Aloisiuskolleg der Gesellschaft Jesu (AKO): Nachdem 1872 der Staat Preußen die Aufsicht über alle Jesuitenschulen übernahm und alle Niederlassungen des Ordens im Kaiserreich verboten waren, übernahm die Deutsche Provinz der Gesellschaft Jesu im Jahr 1900 das Aloisiuskolleg in Sittard (Holland) als reine Jungenschule mit Internat. Als 1917 das „Jesuitengesetz“ außer Kraft gesetzt wurde, kehrten die Jesuiten zurück und das Aloisiuskolleg nahm in Bad Godesberg seinen Betrieb auf. Als Internatsgebäude diente die 1927 erworbene Villa „Stella Rheni“ des Bankiers August Freiherr von der Heydt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten wurde die Schule 1938 staatlich aufgelöst und 1946 wieder eröffnet. Die Jungenschule kooperierte seit den 1980er Jahren mit dem benachbarten Clara-Fey-Gymnasium für Mädchen und nahm seit dem Jahrgang 2002 auch in den unteren Jahrgängen Mädchen auf. Die Schule geriet spätestens seit 2004 und besonders seit 2010 wegen Vorwürfen zu sexuellem Missbrauch und Grenzüberschreitungen gegen Kinder und Jugendliche in die Schlagzeilen, denen sich Orden und Schulgemeinde offensiv stellen mussten. 2013-14 entstanden die nach Grundzügen jesuitischer Erziehung und ausgerichteten Grundsätze schulischer Bildung und Erziehung am Aloisiuskolleg in einem anderthalbjährigen Beratungs- und Diskussionsprozess, an dem Eltern, Schülerschaft, Lehrerinnen und Lehrer und Internatserzieher beteiligt waren. -> Flyer

Beim AKO-Fest zum 9. Juli 2017 wird Pater Martin Löwenstein SJ (55), seit Sommer 2009 Hamburger Seemannspastor und Pfarrer von Sankt Ansgar/Kleiner Michel, als neuer Rektor des Aloisiuskollegs in sein Amt eingeführt. Er löst Pater Johannes Siebner SJ (55) ab, der im Juni 2017 als Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz nach München wechselte. Kontakt: Aloisiuskolleg / Internat, Elisabethstraße 18, 53177 Bonn, Tel. 0228 / 8200392 (Internatssekretariat), Fax: 0228 / 8200324, Email: internat@aloisiuskolleg.www.de, Internet: http://www.aloisiuskolleg.de/

Unser Gesprächspartner: Pater Klaus Mertes SJ, Rektor des Jesuiten-Kollegs St. Blasien, 1954 in Bonn-Bad Godesberg geboren, verbrachte die ersten Lebensjahre in Marseille, Paris und Moskau. Nach Abitur 1973 am Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg trat er 1977 in den Jesuitenorden ein und studierte Philosophie und Theologie. Am 4. Oktober 1986 wurde er im Frankfurter Dom zum Priester geweiht, legte die 1. und 2. Staatsprüfung in den Fächern Latein und katholischer Religion in Frankfurt ab und begann 1990 als Lehrer in der St. Ansgar-Schule in Hamburg. 1993-2011 unterrichtete er am Canisius-Kolleg in Berlin, war dort ab dem Jahr 2000 Rektor und ist seit September 2011 Direktor des Kollegs St. Blasien im Südschwarzwald. Klaus Mertes wurde einer größeren Öffentlichkeit durch die Veröffentlichung eines Briefes bekannt, den er am 20. Januar 2010 an die Opfer von Missbrauch durch zwei Jesuiten in den 1980er-Jahren und 1970er-Jahren am Canisius-Kolleg schrieb. Pater Mertes ist Chefredakteur der Zeitschrift JESUITEN, Autor mehrerer Bücher und Artikel, Mitglied im Kuratorium der „Stiftung 20. Juli 1944“, Berater des Vorstandes der Katholischen Elternschaft Deutschlands und Redaktionsmitglied der „Stimmen der Zeit“. In mehreren Veröffentlichungen versuchte er eine katholisch geprägte Schulpädagogik von der Inspiration der jesuitischen Exerzitien her neu zu formulieren (Klaus Mertes: Verantwortung lernen. Schule im Geist der Exerzitien. Reihe Ignatianischer Impulse, Echter Verlag 2009)

Mittwoch, 21.06.2017