Der Skandal der Skandale

von Christof Beckmann

Dienstag, 10.04.2018

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Bild: Buchtitel, Ausschnitt / HERDER

Hexenverbrennungen, Heilige Kriege, Inquisition oder Unterdrückung der Frauen - nur einige Skandale, die der katholischen Kirche angelastet werden. Moment mal, sagt der Psychiater, Theologe und Buchautor Dr. Manfred Lütz. Wie war das genau? …

INFO: Bestseller-Autor Manfred Lütz, einer der erfolgreichsten deutschen Sachbuchautoren, präsentiert in seinem aktuellen Buch „Der Skandal der Skandale“ nichts anderes als „die geheime Geschichte des Christentums“: Obwohl ständig vom christlichen Menschenbild, von christlichen Werten oder gar vom christlichen Abendland geredet wird, konstatiert der Kölner Arzt ein groteskes Unwissen.

Zwar schätze man durchaus den aktuellen Papst und verehre auch Mutter Teresa – allerdings „trotz der Tatsache, dass sie Christen sind“, so Lütz in seinem Vorwort. Auch das karitative Engagement christlicher Institutionen werde geachtet, doch den christlichen Glauben, die Geschichte der christlichen Kirchen, das Christentum selbst halte man „bestenfalls für peinlich“. Ein christliches Bekenntnis gelte in intellektuellen Debatten gewöhnlich „unausgesprochen als indiskutabel“ und jedem religiösen Bekenntnis werde inzwischen der Ausdruck „Fundamentalismus“ angehängt - für Lütz „das Ende des realen Christentums als kulturprägende Kraft“. Damit gehe es bei den Falschinformationen über das Christentum nicht „um irgendwelche kleinen Irrtümer, amateurhafte Fälschungen oder harmlose Schummeleien“, unterstreicht er: „Diese Falschinformationen haben das Christentum in seinem Kern nachhaltig erschüttert und absolut unglaubwürdig gemacht.“ Sein Fazit: „Die Skandalisierung der Geschichte von Christentum und Kirche ist ein Skandal.“

Das am 28. Februar in der Berliner Bundespressekonferenz vorgestellte Buch greift auf 286 Seiten alle Standard-Themen auf, mit denen das Christentum selbst als reine 2000-jährige Skandalgeschichte beschreiben wird: Hexenverfolgung, Inquisition, Kreuzzüge, Sexualmoral, Kirche gegen Menschenrechte und Aufklärung – es gehe im wesentlichen meist um nichts als um „Fake-News“, wie der Autor unterstreicht – denn kaum ein Klischee über das Christentum halte einer genaueren wissenschaftlichen Überprüfung stand. Sein Buch sei für Christen, heißt es, „die keine Angst vor der Wahrheit haben, und für all die anderen, damit sie besser verstehen, woher sie kommen.“ Inspiriert durch das bereits 2007 aufgelegte 800-Seiten-Werk „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“ des Münsteraner Kirchenhistorikers Arnold Angenendt, der an diesem Buch wissenschaftlich mitarbeitete, bringt Manfred Lütz die Erkenntnisse der neuesten, internationalen Forschung locker, allgemein verständlich und doch seriös auf den Punkt.

Das Buch: Manfred Lütz
, Der Skandal der Skandale
, Die geheime Geschichte des Christentums, 288 Seiten, gebunden
 22 Euro, 
ISBN 978-3-451-37915-4, HERDER 2018; als eBook:
 16,99 Euro, ISBN 978-3-451-81175-3, HERDER 2018, als Hörbuch: 
8 CDs in Capbox, Ca. 645 Minuten
, 24 Euro, ISBN 978-3-451-35194-5, HERDER 2018

Lesungen, Seminare und Veranstaltungen u.a.:
Mo, 23.04.2018, 19:30 Uhr, 33098 Paderborn
Di, 15.05.2018, 20:00 Uhr, 56653 Maria Laach
Di, 25.09.2018, 20:00 Uhr, 52062 Aachen
Di, 09.10.2018, 19:00 Uhr, 50667 Köln

Unser Gesprächspartner: Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz, geboren 1954, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Nervenarzt und Theologe, studierte Humanmedizin, Philosophie und katholische Theologie in Bonn und Rom. 1981 gründete er die integrative Jugendgruppe „Brücke-Krücke“ behinderter und nichtbehinderter Jugendlicher in Bonn. 1989 wurde er Oberarzt der psychiatrischen Abteilung am Marienhospital in Euskirchen und zugleich Leitender Arzt der Klinik Sankt Martin in Euskirchen-Stotzheim, einer Fachklinik für alkohol- und medikamentenabhängige Männer. Seit 1997 ist er Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln, einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie. Er ist ausgebildet unter anderem in systemisch-lösungsorientierter, verhaltenstherapeutischer und psychoanalytischer Psychotherapie. Dr. Manfred Lütz ist Mitglied im Päpstlichen Laienrat, Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben und Berater der Vatikanischen Kleruskongregation. Umfangreiche Vortrags- und Publikationstätigkeit, seit 2006 vereinzelte Kabarettauftritte. Dr. Lütz, verheiratet und Vater von zwei Töchtern, lebt in Bornheim bei Bonn.
Bekannt wurde Lütz durch mehrere Bestseller, darunter „Der blockierte Riese. Psycho-Analyse der katholischen Kirche“ (Pattloch, 1999), „Lebenslust – Wider die Diätsadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult“ (2002) und „Gott – Eine kleine Geschichte des Größten“ (2007, Internationaler Corine-Buchpreis 2008), „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“ und „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden, Eine Psychologie des Gelingens“ (Gütersloher Verlagshaus, 17,99 Euro). Zuletzt erschien: Jehuda Bacon, Manfred Lütz, „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden." Leben nach Auschwitz, gebundene Ausgabe, 16,99 Euro, ISBN 978-3-579-07089-6.

Prof. em. Arnold Angenendt: Das aktuelle Buch entstand unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Prof. Dr. Dr. h.c. Arnold Angenendt, Autor des Bestsellers „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“. Der 1934 geborene Theologe und international renommierte Kirchenhistoriker stammt aus Goch, studierte nach dem Abitur am Collegium Augustinianum Gaesdonck Katholische Theologie und Geschichte in Münster, wurde 1963 zum Priester geweiht und war als Kaplan in Vreden tätig. Nach weiteren Studien in Bonn, Rom und Paris folgte 1971 die Promotion und 1975 die Habilitation in Katholischer Theologie. Über Lehrverpflichtungen am Pontificial Institute of Toronto und an der Ruhr-Universität Bochum ging er an die Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und übernahm dort von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1999 den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte. Angenendt lehrte als Gastprofessor in Princeton und in Paris, ist Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Historischen Kommission für Westfalen, und Autor zahlreicher Bücher, die als Standardwerke gelten.
Mehrere Auflagen erfuhr sein Werk „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“ (800 Seiten, Aschendorff, Münster 2007, ISBN 978-3-402-00215-5 (5., aktualisierte Auflage. 2018).

Dienstag, 10.04.2018