Europa - mehr als Wirtschaftsgemeinschaft

von Dr. Christof M. Beckmann

Montag, 08.05.2017

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Wenn Christian Poplutz an Europa denkt, denkt er auch an Robert Schuman: Für ihn und seinen katholischen Studentenverband Unitas ist das ehemalige Mitglied mehr als nur der „Vater Europas”. Morgen wird daran bei einem europaweiten Gedenktag erinnert ...

INFO: Für die meisten Nachbarn in Europa hat der Tag eine größere Bedeutung als bei uns: Er ist Gedenktag für das Ende des Zweiten Weltkriegs, denn am 8. Mai 1945 schwiegen die Waffen. Nur fünf Jahre später machte der französische Politiker Robert Schuman einen unerhörten Vorschlag, der als Gründungsdatum der Europäischen Union gilt. „Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen“, heißt es in der von Robert Schuman am 9. Mai 1950 in Paris vorgestellten „Historischen Erklärung“. Mit nüchternem Blick sah er eine Entwicklung zu einem föderalen Europa als Prozess in kleinen Schritten: „Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung. Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.“

Robert Schuman, am 29. Juni 1886 in Luxemburg geboren, wuchs in Lothringen auf, das damals zu Deutschland gehörte, besuchte 1896-1903 das Athenäum in Luxemburg, machte Abitur am kaiserlichen Gymnasium in Metz und begann 1904 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn, das er in München, Berlin und Straßburg fortsetzte. In den Universitätsstädten schloss er sich dem katholischen Studentenverband Unitas an, dem er bis zu seinem Tod verbunden blieb.

In Metz absolvierte er sein Referendariat, wurde 1910 in Berlin „summa cum laude” zum Doktor jur. promoviert, wurde Rechtsanwalt in Metz und übernahm dort 1913 den Vorsitz der Organisation des Deutschen Katholikentages. Im wieder französischen Elsaß-Lothringen nahm Schuman 1919 die französische Staatsangehörigkeit an, ging als Abgeordneter Lothringens in der französischen Nationalversammlung und war zeitweilig Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Verhaftet durch die Gestapo 1941 und inhaftiert in Neustadt an der Weinstraße, konnte er fliehen und hielt sich in einem Kloster versteckt. Nach dem Krieg wurde Robert Schuman erneut Abgeordneter der französischen Nationalversammlung, Präsident des Finanzausschusses, 1946 Finanzminister und 1947 Ministerpräsident von Frankreich.

Als Außenminister Frankreichs (1948-1952) legte Schuman am 9. Mai 1950 die historische Erklärung für die Neukonstruktion Europas vor. Sie sollte nach einer Idee von Jean Monnet zunächst eine Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl schaffen, um rüstungsrelevante Güter gemeinsam zu kontrollieren und einer gemeinsamen europäischen Behörde zu unterstellen. Sein Vorschlag sollte über die Montanunion zur politischen Föderation Europas führen. 26 europäischen Staaten unterzeichneten 1953 die von Schuman maßgeblich mitgestaltete Straßburger Konvention für Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten. Zwischen 1953 und 1958 warb er bei zahllosen Vortragsreisen für die Idee eines geeinten Europas. 1955 wurde er zum Justizminister berufen und ein Jahr nach der Annahme der Römischen Verträge 1957 zum ersten Präsidenten des Europäischen Parlaments ernannt. Im selben Jahr wurde er mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet, 1959 zusammen mit Karl Jaspers mit dem Erasmus-Kulturpreis. Am 4. September 1963 starb Robert Schuman in Scy-Chazelles bei Metz. Sein diözesaner Seligsprechungsprozess im Bistum Metz ist abgeschlossen, die Prüfung und Entscheidung liegt nun in Rom.

Zur Erinnerung an die „Historische Erklärung” vom 9. Mai 1950 beschloss das Mailänder Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs 1985, am 9. Mai jedes Jahres den Europatag der Europäischen Union zu begehen. Als Europatag werden zwei Tage des Jahres bezeichnet: Am 9. Mai jedes Jahres gedenkt man der Schuman-Erklärung, der 5. Mai jedes Jahres erinnert seit 1964 an die Gründung des Europarates.

LINKS: http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/SchumanRobert/, http://www.robert-schuman.com/#, http://europa.eu/european-union/about-eu/history/founding-fathers_de. Zur Schumanerklärung im Wortlaut: http://europa.eu/about-eu/basic-information/symbols/europe-day/schuman-declaration/index_de.htm.

Verband der Wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS (UV): Der 1855 gegründete älteste katholische Studenten- und Akademikerverband in Deutschland versammelt sich vom 25.-28. Mai zu seiner 140. Generalversammlung in Bonn. Anlass ist das 170-jährige Bestehen des Gründungsvereins W.K.St.V. Unitas-Salia. Der 5.000 Mitglieder zählende Einheitsverband ist an über 30 deutschen Universitäten mit gemeinsamen Statut und den lateinischen Prinzipien „virtus, scientia, amicitia“ (Tugend, Wissenschaft, Freundschaft) vertreten. Jeder örtliche Verein führt ein eigenes Semesterprogramm mit religiösen, wissenschaftlichen und geselligen Veranstaltungen durch. Gegenwärtig bestehen 46 UNITAS-Studenten- und Studentinnen-Vereine mit Studierenden aller Fakultäten. Im Mittelpunkt des 140. Bundestreffens unter dem Leitwort „VISION EINES GEMEINSAMEN EUROPA“ stehen aktuelle „Entwicklungen und Krisen der europäischen Wertegemeinschaft“. Neben Plenarsitzungen im Bonner Haus Venusberg werden sich auch das Begleitprogramm, eine große Festveranstaltung und ein Podium dem Thema Europa und Robert Schuman widmen. Festredner beim Kommers ist Alexander Graf Lambsdorff (Vizepräsident des Europäischen Parlaments). Diskussionspartner bei dem von Johannes Schröer (stv. Chef
redakteur Domradio Köln) moderierten Podium zur Rolle der Religionen für das künftige Europa sind: Prof. Dr. Dr. Claude 
Ozankom (Lehrstuhl für Fun
damentaltheologie, Religionsphilosophie
 und Theologie der Religionen an der Uni
versität Bonn), Dr. Timo Günzelmansur (Geschäftsführer der Christlich-Islami
schen Begegnungs- und Dokumentationsstelle, CIBEDO), Samir Bouaissa (Vor
sitzender des Zentralrats der Muslime in
 NRW). Beim Festakt wird der Paderborner Theologe Prof. Dr. Dr. Bernd Irlenborn der Frage „Europa als christliches Abendland?“ nachgehen. Das Pontifikalhochamt im Bonner Münster am Sonntag wird vom Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, zelebriert.

Unser Gesprächspartner: Regierungsdirektor Christian Poplutz, Vorsitzender des Gesellschaftspolitischen Beirats, Kontakt: Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS e.V., Jan-van-Werth-Straße 1, 41564 Kaarst (Büttgen),
 Tel. 02131 / 271725, Fax 02131 / 275960, E-Mail: vgs@unitas.org, stiftung@unitas.org, Internet: www.unitas.org; Vorort: W.K.St.V. Unitas Sugambria Osnabrück, Natruper Str. 4 49076 Osnabrück, Internet: www.sugambria.com, Vorortspräsident: Niklas Bensiek, Tel. 01573 / 7746303,
 E-Mail: vop@unitas.org, niklasbensiek@gmx.de.

Montag, 08.05.2017