Flüchtlingsboot kommt ins Haus der Geschichte

von Johanna Risse

Montag, 06.11.2017

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Bild: Das Flüchtlingsboot vor dem Kölner Dom, © Pia Modanese, „Kölner Dom - Das Flüchtlingsboot 2016“, Erzbistum Köln, Some rights reserved., Quelle: http://bilder.erzbistum-koeln.de.

Vor gut 500 Tagen hat das Erzbistum ein ehemaliges Flüchtlingsboot erworben und durch die Gemeinden des Erzbistums geschickt. Gestern war der letzte Tag, bevor es seinen endgültigen Platz findet: In der Dauerausstellung im Haus der Geschichte in Bonn...

INFO: Nach dem am Donnerstag in Berlin vorgelegten Weltrisikobericht des „Bündnis Entwicklung Hilft“ ist die Gefahr extremer Naturereignisse im Vergleich der Weltregionen in Ozeanien am höchsten, in Europa am niedrigsten. Aus der ausgewerteten Analyse des Weltrisikoindex der Jahre 2012 bis 2016 geht hervor, dass viele Länder aus früheren Katastrophen gelernt und die Katastrophenprävention verbessert haben. Doch extreme Wetterereignisse wie Stürme und Starkregen haben auffallend zugenommen, auch werden für die Zukunft häufiger Klimaextreme wie langanhaltende Dürren erwartet. Der Index des „Bündnisses Entwicklung Hilft“ ist Teil des seit 2011 erstellten Weltrisikoberichts. Zu dem nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 gegründeten Bündnis gehören die beiden kirchlichen Hilfswerke Misereor und „Brot für die Welt“. Auch die im vergangenen Jahr verursachten Schäden durch die extremen Naturereignisse treffen besonders arme Menschen, von denen sich viele auf die Suche nach einer neuen Heimat machen. Klimatische Veränderungen treffen mit Armut, unsicheren politischen Lagen und Kriegsereignissen zusammen – wie am Beispiel der Flüchtlingsroute über das Mittelmeer deutlich wird.

Kölner Flüchtlingsboot: Ein Symbol für die Flucht von Hunderttausenden ist das Kölner Flüchtlingsboot, das gestern von Kardinal Rainer Maria Woelki an das Bonner „Haus der Geschichte“ übergeben wurde. Das sieben Meter lange Holzboot soll Teil der Dauerausstellung werden, in der die Themen Flucht und Migration künftig eine größere Rolle spielen sollen. Kardinal Woelki hatte das von der maltesischen Armee bei einem Rettungseinsatz beschlagnahmte Flüchtlingsboot im Mai 2016 von Malta nach Köln bringen lassen. Bei der Fronleichnamsmesse 2016 diente es auf dem Roncalliplatz neben dem Dom als Altar. Danach wurde das Fahrzeug zunächst im Kölner Dom aufgestellt, um als „Mahnzeichen“ an die im Mittelmeer Ertrunkenen zu erinnern. Anschließend warb es in Gemeinden des Erzbistums unter dem Motto „Alle in einem Boot“ um Solidarität mit Flüchtlingen. Bis Sonntag war das Boot in der Elisabethkirche in Bonn zu sehen, wo der Kardinal die Aktion mit einem Gottesdienst beendete.

Weltklimakonferenz in Bonn: Die Aktion spielt auch im Zusammenhang der in Bonn begonnenen Weltklimakonferenz in Bonn (COP 23) eine Rolle. Bis 17. November tagen unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln am Hauptsitz des Klimasekretariats der Vereinten Nationen rund 25.000 Delegierte, Vertreter von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Industrie, Städten und Kommunen aus allen Ländern der Welt, um Details zur Anwendung des Pariser Abkommens von 2015 auszuarbeiten. Denn der Klimawandel und die steigende globale Temperatur bringt die Gefahr von Hitzewellen, Wasserknappheit, Ernteausfällen und Waldbränden, das Auftauen von Permafrostböden setzt weitere Treibhausgase frei, schmelzendes Festlandeises und wärmere Ozeane lassen den Meeresspiegel ansteigen. Als Folge werden eine langfristige Wetterveränderung sowie damit zusammenhängende globale Flucht- und Wanderungsbewegungen erwartet.
Wie in den letzten Jahren stellen viele Akteure ihre Klimaschutzinitiativen und -projekte zur Treibhausgas-Minderung vor, zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zur Umlenkung von Investitionen in kohlenstoffarmes Wirtschaften und in die Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels. Daran sich engagierte Christen beteiligt: Ein breites Bündnis evangelischer und katholischer Partner plant zahlreiche Veranstaltungen: In Workshops, Seminaren und Vorträgen wird dem Klimaschutz und den spürbaren Folgen des Klimawandels nachgegangen. Ebenso stehen Gottesdienste und weitere spirituelle Angebote allen Menschen in Bonn und allen Beteiligten an der Weltklimakonferenz offen.
Mehr unter: http://www.klimapilgern.de/, Blogeinträge vom Weg, KIRCHEN UND KLIMA - Veranstaltungen zur UN-Klimakonferenz COP 23 unter http://www.klimapilgern.de/wp-content/uploads/2017/10/Kirchen_und_Klima2017.pdf

Kirche und Umwelt: Unter dem Stichwort „Bewahrung der Schöpfung" sind die christlichen Kirchen, kirchliche Organisationen und Verbände, Institutionen, Bistümer und Gemeinden seit Jahrzehnten aktiv. Bereits 1980 haben sich die deutschen Bischöfe in ihrer Erklärung „Zukunft der Schöpfung. Zukunft der Menschheit" für den Arten- und Tierschutz sowie für einen verantworteten Umgang mit Energie ausgesprochen. Viele Publikation zum Thema folgten.
Ebenfalls engagiert sind Hilfswerke wie Misereor, das Hilfswerk der deutschen Katholiken für die Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt, missio, der deutsche Zweig des Päpstlichen Missionswerks, Renovabis, das Hilfswerk der katholischen Kirche für Mittelamerika, Caritas, das Hilfswerk für die internationale Not- und Katastrophenhilfe, das Missionswerk der Kinder („Sternsinger-Aktion“), Deutscher Katholischer Missionsrat (DKMR), die „Bischöfliche Aktion ADVENIAT" und die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe AGEH als Fachdienst der deutschen Katholiken für internationale Zusammenarbeit.
Zuletzt hatte „Laudato si", die so genannte „Umweltenzyklika“ von Papst Franziskus, eine ganzheitliche Ökologie gefordert, die sich nicht nur auf Natur- und Klimaschutz beschränkt. Die gesamte Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus" auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz zum Download, das Internetportal www.katholisch.de bietet dazu eine komplette Themenseite.

Montag, 06.11.2017