Ignatius: Feuer und Flamme

von Christof Beckmann

Montag, 31.07.2017

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Bild: Das Logo der Jesuiten und Pater Stefan Dartmann SJ / KIP

Die Jesuiten, seit 1549 in Lateinamerika, waren dort bald missionarisch wie wirtschaftlich so erfolgreich, dass sie massive Probleme bekamen. Die Folge war sogar das Verbot durch den Papst. Heute steht ihr Gründer Ignatius von Loyola auf dem Kalender ...

INFO: Gibt es Jesuiten auf dem Mond? Scheint so – allein 35 Krater auf dem Mond sind nach den Mitgliedern des katholischen Ordens benannt. Sie guckten aber nicht nur durchs Fernglas und erforschten die Planeten. Sie berechneten auch Grundlagenforschung für die Mathematik, Biologie, Optik oder Geographie bis zur Atomtheorie - alles nach dem Motto des Gründers, der heute auf dem Kalender steht: „Gott suchen und finden in allen Dingen“, das schrieb Ex-Militär Ignatius von Loyola seinen Ordensbrüdern in die Stammbücher. Sie wurden mit ihren derzeit rund 17.500 Mitgliedern in 125 Ländern zur größten männlichen Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Über 200 von ihnen sind heilig- oder seliggesprochen worden.

Die „Gesellschaft Jesu“: Der Jesuitenorden ist die größte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Gründer der „Gesellschaft Jesu“, so die offizielle Bezeichnung in Anlehnung an den lateinischen Namen „Societas Jesu“ (SJ), ist der Spanier Ignatius von Loyola (1491-1556). Unter der Devise „Alles zur größeren Ehre Gottes / Omnia ad majorem Dei gloriam” beschloss er, eine religiöse Gesellschaft zu gründen. Nach einer Pilgerfahrt ins Heilige Land besuchte er die Hochschulen von Barcelona, Alcala und Salamanca, zuletzt in Paris und gründete hier mit Gesinnungsgenossen den Jesuitenorden, den er bedingungslos dem Papst unterstellte.
Nach seiner Priesterweihe in Venedig wurde Ignatius zum Generaloberen der durch Papst Paul II. am 27. September 1540 mit der Bulle „Regimini militantis ecclesiae" („Der Leitung der streitenden Kirche") bestätigten Ordensgemeinschaft. Charakteristisch war eine für damalige Verhältnisse hochkarätige Ausbildung, die über das Studium der Theologie hinausging. Ignatius selbst musste sich dafür mehrfach vor der spanischen Inquisition rechtfertigen, verbrachte mehrere Monate im Gefängnis. Umstritten von Anfang an, expandierte der im Zeitalter der Gegenreformation wichtige Orden (Motto: „Gott in allem finden) auch nach Südamerika und Asien. Beim Tod von Ignatius am 31. Juli 1556 zählte der Orden bereits mehr als 1.000 Mitglieder in über 100 Niederlassungen. Ignatius wurde in der Kirche II Gesù in Rom begraben und 1622 heilig gesprochen; sein Fest wird am 31. Juli gefeiert.
Der einflussreiche Orden wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts aus immer mehr europäischen Ländern gewaltsam vertrieben. Papst Klemens XIV. veröffentlichte 1773 das Aufhebungsdekret. 1814 erfolgte die Wiedergründung der Gesellschaft Jesu mit der päpstlichen Bulle „Sollicitudo omnium ecclesiarum” durch Papst Pius VII.. Jesuiten sind keine Mönche; sie führen kein Klosterleben und tragen keine Ordenskleidung. Neben Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichten sie sich in einem vierten Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Zudem legen sie ein Zusatzversprechen ab, nicht nach kirchlichen Ämtern zu streben. An der Spitze der Gesellschaft Jesu, die in 125 Ländern vertreten ist, steht ein Ordensgeneral mit Sitz in Rom. Der Orden ist in 85 Provinzen eingeteilt, die jeweils von einem Provinzoberen, dem Provinzial, geleitet werden. Im Interesse einer hohen Mobilität leben die Jesuiten nicht ortsgebunden in Klöstern, sondern entsprechend ihrer Aufgaben und Einsatzgebiete in ordenseigenen Einrichtungen und Häusern, die wiederum einen Hausoberen haben. Ihre römische Hochschule, die „Gregoriana“, ist die renommierteste unter den Päpstlichen Universitäten. Der derzeitige Papst Franziskus ist der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. 2016 wurde der Politikwissenschaftler Pater Arturo Sosa Abascal SJ (67) aus Venezuela zum 31. Generaloberen des Ordens gewählt. Internet: www.jesuiten.de.

Die Deutsche Provinz: 1540 kam Peter Faber als erster Jesuit nach Deutschland, der erste deutsche Jesuit war Petrus Canisius. 1544 gründete sich in Köln die erste Jesuitenkommunität und 1556 entstanden die ersten beiden deutschen Provinzen. 1872 wurden die Ordensangehörigen durch das Jesuitengesetz aus dem Deutschen Reich vertrieben, gründeten jedoch Ausbildungshäuser in den Niederlanden und Großbritannien oder gingen in Missionen in die skandinavischen Ländern, die USA, nach Südbrasilien, Indien, Rhodesien und Japan. 1917 wurde das Verbot in Deutschland aufgehoben. Die bereits durch den Ordensgründer erkannte Bedeutung der Bildung setzten sie wieder in der Gründung von Schulen um. Heute sind in der Deutschen Provinz (Bundesrepublik sowie Dänemark und Schweden) rund 450 Mitglieder vor allem als Lehrer und Hochschullehrer, Schriftsteller, Seelsorger oder Publizisten tätig (Österreichische Provinz: 100, Schweizer Provinz: 80). Sie arbeiten an den Kollegien in Berlin, Bad Godesberg und St. Blasien, den Hochschulen in Frankfurt (Main), München und Innsbruck, in der Jugend und Studentenseelsorge, Gemeindepastoral, Bildungs-, in Beratungs- und Exerzitientätigkeit und als Herausgeber mehrerer Zeitschriften. Klaus Schatz, emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Ordenshochschule Sankt Georgen in Frankfurt, hat eine umfassende „Geschichte der deutschen Jesuiten“ vorgelegt: Schatz, Klaus: Geschichte der deutschen Jesuiten, 5 Bände, Aschendorff Verlag, Münster 2013, zus. ca. 2.140 Seiten, gebunden, 335 Euro.
Kontakt: Provinzialat Deutsche Provinz der Jesuiten,
Seestraße 14, 80802 München, E-Mail: provinzialat.ger@jesuiten.org, Tel. 089 / 38185-241, Internet: www.jesuiten.org. Mehr: Jesuiten in Deutschland, Jesuit werden

Unser Gesprächspartner: P. Stefan Dartmann SJ, Jg. 1956, nahm nach dem Abitur 1975 in Gelsenkirchen-Buer das Studium der Katholischen Theologie als Priesteramtskandidat des Bistums Münster an der Westfälischen Wilhelms-Universität auf und setzte es nach dem Vordiplom für zwei Semester in Jerusalem fort. 1978 trat er in die Norddeutsche Provinz der Jesuiten ein und legte 1980 nach zweijährigem Noviziat in Münster die ersten Gelübde ab. 1980-82 absolvierte er ein Philosophiestudium an der Hochschule für Philosophie München und kehrte nach zweijährigem Praktikum in der kirchlichen Jugendarbeit und Sozialarbeit in Schweden zur Erlangung des Theologiediploms (1986) nach Sankt Georgen in Frankfurt zurück. Nach der Priesterweihe in Stockholm (1986), Lizentiatsstudium an der Religionswissenschaftlichen Fakultät der Universität Uppsala, Kaplansjahren in der Stockholmer Jesuitenpfarrei St. Eugenia und dem Abschluss der ordensinternen Ausbildung in Salamanca legte er 1994 in Schweden seine Feierlichen Ordensgelübde ab.
1993-2004 war Pater Dartmann Pfarrer in Stockholm. 2004 ging er als erster Provinzial der vereinigten deutschen Provinz des Jesuitenordens (Deutschland, Dänemark, Schweden) für sechs Jahre nach München. 2010 schließlich wurde Pater Dartmann von den deutschen Bischöfen bis 2015 zum Hauptgeschäftsführer von Renovabis nach Freising berufen. Im Juli 2015 übernahm er die Leitung des Collegiums Germanicum (Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum de Urbe) in Rom, dessen Gründung auf das Jahr 1552 zurückgeht. Es wurde 1580 von Ignatius von Loyola eröffnet. In dem Priesterseminar werden derzeit rund 70 Priesteramtskandidaten aus 50 Diözesen ausgebildet, die zumeist an der Päpstlichen Universität Gregoriana studieren.
Kontakt: Pontificio Collegio Germanico Ungarico, Via San Nicola da Tolentino 13, 00187 – Roma, Tel. (0039) 06 421199, Fax 06 42119125, E-Mail: santo.stefano.rotondo@cgu.it, Internet: www.santo-stefano-rotondo.it, http://www.cgu.it/index.php/de/,

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