Maria und die Zisterzienser

von Johanna Risse

Freitag, 08.12.2017

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Die vier Ur-Väter des Zisterzienser-Ordens am Altenberger Dom (Foto: KiP)

Zum Hochfest Maria Immaculata wird Papst Franziskus heute wieder Blumen an der Marien-Säule in Rom an der Spanischen Treppe platzieren. Ein Orden, der in besonderer Weise mit Maria verbunden ist, wird derzeit in einer Bonner Ausstellung gezeigt.

INFO: Der 8. Dezember ist Feiertag in vielen Ländern – so in Argentinien, Italien, Spanien, Portugal, Österreich und Teilen der Schweiz. Das in der Katholischen Kirche weltweit begangene „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ (Immaculata Conceptio Beatae Mariae Virginis) hat unter den vielen Marien-Festtagen eine oft missverstandene Bedeutung. Es geht auf das früh gefeierte „Fest der Empfängnis Mariens“ zurück, das im 9. Jahrhundert von Konstantinopel aus Süditalien und Sizilien erreichte und sich auf dem Kontinent besonders von England aus durchsetzte. Papst Sixtus IV. (1471-1484) führte das liturgische Fest der „Immaculata“ für die gesamte katholische Kirche ein, das Konzil von Trient (1545-1565) stellte fest, dass Maria von den Aussagen der Erbsündenlehre ausgenommen ist. Unter Papst Clemens XI. weitete sich das Fest ab 1708 auf die gesamte katholische Kirche aus. Papst Pius IX. unterstrich mit der Bulle „Ineffabilis Deus“ („Der über alle Worte erhabene Gott“) vom 8. Dezember 1854 die seit frühester Zeit überlieferte Ausnahmestellung Marias. Das Dogma deutet die gesamte irdische Existenz der Mutter Jesu, nach der sie unter allen Menschen vom Augenblick ihrer Empfängnis an eine besondere Stellung einnimmt. Impulse für die Volksfrömmigkeit kamen aus den Marienerscheinungen im südfranzösischen Lourdes, wo sich die Muttergottes der Seherin Bernadette Soubirous 1858 als die „unbefleckt Empfangene“ offenbarte.

Maria, Tochter von Joachim und Anna, Mutter Jesu (* um 20 v. Chr., † 15. August 48 in Jerusalem oder in Ephesus), ging nach Jesu Tod und Auferstehung der Überlieferung nach mit Johannes, dem „Lieblingsjünger“ Jesu, nach Ephesus. Dort wird erstmals 431 ihr Grab beim Konzil von Ephesus benannt, das den Titel Marias als „theotokos”, „Gottesgebärerin”, bestätigte. Ihr angebliches Sterbehaus, das Meryemana (Marien-Haus) liegt am Bülbül-Dag, dem „Nachtigallenberg" bei Selçuk - auch viele Muslime verehren dort die „Mutter des Propheten".
Maria gilt als Vorbild des Glaubens und als „Mutter” der katholischen Kirche. Nach den dogmatischen Aussagen der katholischen Kirche ist Maria wahre Gottesmutter; sie hat Jesus jungfräulich durch den Heiligen Geist empfangen; sie wurde ohne Erbsünde empfangen, blieb in ihrem Leben ohne Sünde und ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Vom 12. Jahrhundert an wird Maria mit dem Kind als „Madonna” verehrt; nach der Apokalypse (Offenbarung 12) ist sie die vom Drachen verfolgte Frau, die das Kind zur Welt bringt und die „von der Sonne bekleidet, von Sternen bekrönt auf dem Monde steht.” Die Monate Mai und Oktober gelten im Kirchenjahr als „Marienmonate“, die mit speziellen Andachten begangen werden.

Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“: Noch bis zum 28.1.2018 zeigt das LVR-LandesMuseum Bonn über 200 kostbare Objekte, die an die lange Geschichte der Zisterzienser erinnern. Der „Konzern der weißen Mönche“ überzog seit dem späten 11. Jahrhundert den europäischen Kontinent mit einem Netzwerk an Niederlassungen. Allein im Rheinland, in der Eifel und im Westerwald errichtete der Orden in nur 150 Jahren 650 Klöster: Die Abteien Kamp (1123), Altenberg (1133), Himmerod (1134), Heisterbach (1192) und Marienstatt (1212) gehören zu den frühesten Gründungen außerhalb Frankreichs. Nach der Regel des Hl. Benedikt (um 480-547) fanden die Zisterzienser und Zisterzienserinnen in einem zurückgezogenen Leben fernab der Städte zu einer tiefen Religiosität und wurden auch zu einem innovativen und sehr erfolgreichen Wirtschaftskonzern. Ihr für alle Klöster verbindliches Regelwerk, die „Carta caritatis“, die „Urkunde der Liebe“, forderte eine Reduktion auf das Wesentliche in Lebensführung, Kunst und Architektur. Die mittelalterliche Blütezeit des Ordens illustrieren zahlreiche Objekte, Modelle, CAD-Rekonstruktionen, Medien- und Mitmachstationen. Neben dem Hochaltar des ehemaligen Zisterzienserklosters Kamp sind Bildtafeln und Skulpturen erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Anordnung zu sehen. Mit der Madonna aus Kloster Eberbach wird eines der mittelalterlichen Hauptwerke des Louvre aus Paris gezeigt, ein lebensgroßes und figürlich besticktes Grabtuch aus dem Nationalmuseum Stockholm ist erstmals außerhalb Schwedens zu sehen. Das Scriptorium, die Schreibwerkstatt präsentiert aufwändig geschmückten Handschriften im Original. Das Begleitbuch mit 300 farbigen und meist großformatigen Abbildungen kostet im Museumshop 24,95 Euro (Buchhandel 29,95 Euro).

Zisterzienser: Der Zisterzienserorden entstand durch Reformen im Benediktinerorden. Die Mitglieder führen in der Tradition der Gründer des 1098 gegründeten strengen Reformklosters in Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit. Für ihren Aufstieg sorgte vor allem der heilige Bernhard von Clairvaux, der 1112 mit 30 Gefährten nach Cîteaux kam. Mit 25 Jahren wurde er zum Abt des neuen Klosters in Clairvaux gewählt, das bald 700 Mönche zählte. Zeitlebens war er ein großer Verehrer Marias, die er als „Mutter des Ordens“ bezeichnete. Bis heute sind alle Klosterkirchen der Gemeinschaft Maria geweiht, die besonders zum Hauptfest des Ordens zum Himmelfahrtsfest am 15. August gefeiert wird. Bis zu Bernhards Tod 1153 wurden allein von Clairvaux aus 67 Klöster in ganz Europa gegründet. Um 1300 war der Orden in allen wichtigen Ländern Europas vertreten und zählte ca. 700 Niederlassungen. Auf dem Gebiet des späteren Deutschlands entstanden insgesamt 91 Männerklöster und ca. 160 Frauenklöster des Ordens. Heute zählt die Ordensgemeinschaft weltweit rd. 2.800 Mitglieder. Mehr: http://www.ocist.org.

Freitag, 08.12.2017