Neu im Kino: Maria Magdalena

von Christof Beckmann

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Foto: Szenenfoto, Filmplakat, © Universal Pictures International Germany

Heute ist Kinostart – ein Film wie für die Fastenzeit gemacht: „Maria Magdalena“. Regisseur Garth Davis zeigt sie als moderne, junge Frau, die selbstbewusst und mutig gegen die Geschlechterrollen und Hierarchien ihrer Zeit rebelliert. ...

INFO: Maria aus Magdala am See Genezareth gehörte zum Jüngerkreis Jesu. Sie zog mit nach Jerusalem und blieb, als die anderen schon geflüchtet waren, wie die Evangelien im Neuen Testament berichtet. Jesus trieb ihr sieben Dämonen aus, heißt es bei Lukas und Markus (Lk 8,2 EU; Mk 16,9 EU), sie folgte Jesus mit anderen Frauen und sorgte für seinen Unterhalt und den der Jünger (Lk 8,3 EU). Sie waren Zeuginnen der Kreuzigung, halfen beim Begräbnis und waren als erste am leeren Grab (Mk 16,1–5 EU, Joh 20,1 EU). Der auferstandene Jesus begegnete Maria Magdalena als erster und trug ihr die Auferstehungsbotschaft an die Jünger auf (Joh 20,11–18 EU). Sie erscheint in vielen außerbiblische Überlieferungen, doch ihr Bild wird vor allem von der seit dem Spätmitelalter in Europa weit verbreiteten Legenda aurea des Jacobus de Voragine geprägt. Danach landete sie in Südfrankreich mit der Maria des Kleophas, der Martha von Bethanien und Lazarus in Saintes-Maries-de-la-Mer bei Marseille. Reliquien werden in dem am Jakobsweg gelegenen zentralfranzösischen Wallfahrtsort Vézelay und in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence verehrt. Einer anderen Überlieferung nach hat Maria Magdalena nach der Auferstehung Jesu seine Mutter Maria und den Apostel Johannes nach Ephesus begleitet, wo sie gestorben sein soll. Als erste Zeugin der Auferstehung wurde sie seit der Alten Kirche als „Apostelgleiche“ und seit dem 3. Jahrhundert als „Apostelin der Apostel“ verehrt – eine Bezeichnung, die auch der Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274) wieder aufnahm. Ihr Gedenktag am 22. Juli wurde durch Papst Franziskus per Dekret am 3. Juni 2016 in den Rang eines Festes im Calendarium Romanum Generale erhoben.

Maria Magdalena im Film: Regisseur Garth Davis zeigt Maria aus Magdala als junge, selbstbewusste Frau, die sich ihrer Familie wiedersetzt und dem charismatischen Jesus von Nazareth und seinen Jüngern folgt. Das moderne Portrait dieser in der christlichen Überlieferung sehr widersprüchlichen Figur geht über ihre Rolle in Filmen von Martin Scorsese (Die letzte Versuchung Christi) bis zu Mel Gibson (Die Passion Christi) weit hinaus – hier rückt sie vom Rand ins Zentrum. Besetzt ist ihre Rolle mit Rooney Mara (A Ghost Story, Lion – Der lange Weg nach Hause), Jesus wird von Joaquin Phoenix (Gladiator, Walk the Line, The Master, Her,) verkörpert. In weiteren wichtigen Rollen treten Tahar Rahim (Ein Prophet, The Cut, Die Lebenden reparieren) als Judas und Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave, Der Marsianer, Dr. Strange) als Peter auf.

Facebook-Page zum Film: www.facebook.com/MariaMagdalena.Film/

Buchtipp: Christoph Wrembek SJ, Die so genannte Magdalenerin. Maria Magdalena - die namenlose Sünderin und die Schwester der Marta und des Lazarus, 532 Seiten, Bonifatius; Überarbeitete Neuausgabe (17. Juni 2013), ISBN-10: 3897105128, ISBN-13: 978-3897105126.
Dem wahren Gesicht von Maria Magdalena spürt P. Christoph Wrembek SJ in einem 530 Seiten starken und lebendig geschriebenen Buch nach. Nach jahrelangen Recherchen legte der Theologe, Priesterseelsorger und Jesuit seine Ergebnisse in einer fundierten Gesamtdarstellung vor. Wrembeck, geboren 1942 und aufgewachsen in Berlin, ist seit 1961 Mitglied der Gesellschaft Jesu und seit 1971 Priester. Er machte Filmstudien in Los Angeles, war ab 1974 Studentenpfarrer in Berlin, ab 1983 Priesterseelsorger im norddeutschen Raum und Exerzitienmeister. Der Autor zahlreicher Artikel und Bücher geht in ständiger Auseinandersetzung mit der Bibelwissenschaft zu den historischen Anfängen zurück. Dabei möchte er aufzeigen, dass Maria Magdalena, die namenlose Sünderin im Lukasevangelium und die Schwester Marta ein und dieselbe Person sind. Sie sieht er als Leiterin des aus Frauen damaliger Oberschicht gebildeten „Organisationsstabes“ der Jesusbewegung.