Papst Benedikt XVI. wird 90

von Gabriele Höfling

Samstag, 15.04.2017

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Morgen begeht Papst em. Benedikt XVI. seinen 90. Geburtstag. Der frühere Bonner Theologieprofessor Josef Wohlmuth lernte vor fast 60 Jahren den damals erst 32-jährigen Professor Joseph Ratzinger in Bonn kennen, von dem die Studenten begeistert waren ...

INFO: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (2005-2013) wird seinen 90. Geburtstag im Vatikan am Ostermontag mit bis zu 50 geladenen Gästen aus Bayern und aus Rom feiern. Er wird am 16. April 90 Jahre alt. Dazu reist auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit seiner Gattin Karin an. Offizielle Feierlichkeiten sind aus diesem Anlass im Vatikan nicht geplant.
Der 16.04.1927, an dem Joseph Ratzinger als drittes Kind des Gendarmen Joseph Ratzinger und seiner Frau Maria in Marktl am Inn zur Welt kam, war ein Karsamstag. Noch am selben Tag wurde er mit dem eben geweihten Osterwasser in der Pfarrkirche Sankt Oswald getauft. Kindheit und Jugend verbrachte er in Traunstein im Chiemgau nahe der österreichischen Grenze und wurde gegen Kriegsende als Flakhelfer eingezogen. Die weiteren Stationen: 1946-1951 Studium der Philosophie und Theologie in Freising und München, 1951 Priesterweihe am 29. Juni, 1953 Dozent für Dogmatik und Fundamentaltheologie in Freising und Dissertation über das Thema „Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche“, 1957 Habilitation in München über „Die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura“. Ab 1959 lehrte er als Professor in Bonn (1959-1963), Münster (1963-1966), Tübingen (1966-1969) und Regensburg (1969-1977), war 1962-1965 beim Zweiten Vatikanischen Konzil theologischer Berater des Kölner Kardinals Josef Frings, wurde 1977 zum Erzbischof von München und Freising berufen und zum Kardinal erhoben. 1981 machte ihn Johannes Paul II. zum Leiter der Römischen Glaubenskongregation, zum Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission. 2002 wird er Dekan des Kardinalskollegiums und leitet nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. am 2. April 2005 das Konklave zur Papstwahl. Am 19. April wird er in einem der kürzesten Konklave der Geschichte zum Papst gewählt und nennt sich Benedikt XVI. - in Erinnerung an den Friedenspapst Benedikt XV. und an den Europa-Patron und Ordensgründer Benedikt von Nursia.
Bei seiner ersten Auslandsreise bereitet der Weltjugendtag in Köln dem „deutschen Papst“ einen begeisterten Empfang, 2006 erscheint seine erste Enzyklika „Deus caritas est“ (Gott ist die Liebe), er reiste nach Polen, in seine bayerische Heimat und in die Türkei. 2007 erscheint „Jesus von Nazareth“, der erste von drei Teilen von Joseph Ratzingers Deutung der Gestalt Jesu, er erleichtert die Feier der alten lateinischen Messe in der vorkonziliaren Form von 1962 als „außerordentliche Form der Liturgie der Kirche“. 2008 sorgt die Reform der Karfreitags-Fürbitte im vorkonziliaren Messritus von 1962 für Verstimmung in der jüdischen Welt, Auslandsreisen führen ihn in die USA zum Weltjugendtag in Sydney. 2009 nimmt Benedikt XVI. die Exkommunikation für vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X. zurück, um den Weg zu Gesprächen zu ebnen. Als zeitgleich einer der Bischöfe in einem TV-Interview den Holocaust leugnet, reagiert Papst Benedikt auf weltweite Empörung mit klaren Absagen an jede Form des Antisemitismus und der Relativierung der Schoah. Nach einer Pilgerfahrt ins Heilige Land, nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete veröffentlicht er die Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ zu Aspekten der Globalisierung und der Finanz- und Wirtschaftskrise. Überschattet wird sein Pontifikat 2010 von einer neuen Welle des Missbrauchsskandals, die die katholische Kirche in Deutschland und Österreich erfasst, eine Reise nach Schottland und England - der erste Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien – bringt ihm viel Sympathie ein.
2011 ist Benedikt zu Besuch beim Weltjugendtag in Madrid und im September ist er auf seiner dritten Deutschlandreise, 2012 ist er in Mexiko und Kuba, wo er mit Fidel Castro zusammentrifft. Im Libanon wirbt er für Religionsfreiheit und für einen Verbleib der Christen in der Region, er ruft eine Weltbischofssynode zum Thema Neuevangelisierung zusammen und eröffnet 50 Jahre nach Beginn des Konzils ein „Jahr des Glaubens“.
Nur kurz nach der Vollendung seiner „Jesus-Trilogie“ im November 2012 kündigt Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 überraschend seinen Amtsverzicht an und legt am 28. Februar nach sieben Jahren, zehn Monaten und neun Tagen sein Amt nieder - ein fast einmaliger Akt in der Geschichte. Von Castel Gandolfo zieht er am 2. Mai in das ehemalige Kloster „Mater Ecclesiae“ in den vatikanischen Gärten, führt seither ein weitgehend zurückgezogenes Leben und trifft immer wieder auch mit seinem Amtsnachfolger Franziskus zusammen.

Unser Gesprächspartner: Der frühere Bonner Theologieprofessor Josef Wohlmuth lernte vor fast 60 Jahren den damals erst 32-jährigen Professor Joseph Ratzinger in Bonn kennen. Wohlmuth, geboren 1938 in Laibstadt, Bayern, ging nach dem Studium der katholischen Theologie in Eichstätt und Innsbruck, Priesterweihe und vier Jahren als Kaplan in Gunzenhausen zu Promotionsstudien an die Universitäten in Tübingen, Bologna, Nijmegen, Regensburg und Bonn. Er wurde bei seinem Doktorvater Josef Ratzinger promoviert und habilitierte 1980 er an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn im Fach Dogmatik und Dogmengeschichte. 1981 übernahm er Professur für Theologie und ihre Didaktik an der Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität in Köln berufen und wechselte 1986 als Professor für Dogmatik an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er bis zu seiner Emeritierung 2003 blieb. 2004-2011 war Josef Wohlmuth Leiter des Cusanuswerks. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Otto-Friedrich-Universität Bamberg verlieh ihm 2009 die Ehrendoktorwürde, ebenso die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt am 2014.

Sammelband zu Ehren von Benedikt XVI.
International renommierte Theologen, Bibelwissenschaftler und Philosophen erweisen dem emeritierten deutschen Papst die Ehre: Anlässlich des 90. Geburtstags von Benedikt XVI. am 16. April publiziert die Vatikanische Verlagsbuchhandlung (LEV) den Sammelband „Cooperatores Veritatis“, der auf Initiative der Stiftung Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zusammengestellt wurde. Sie versammelt die Beiträge der 13 bisherigen Preisträger des seit 2011 vergebenen Ratzinger-Preises. Unter den Autoren sind die jüngsten Ratzinger-Preisträger Inos Biffi, italienischer Bibelwissenschaftler, der orthodoxe Theologe Ioannis Kourempeles aus Griechenland, der libanesische Philosophie-Professor Nabil el-Khoury und die Ratzinger-Preisträgerin und französischen Bibelwisenschaftlerin Anne-Marie Pelletier, die von Papst Franziskus zur Autorin der Kreuzweg-Meditationen für den diesjährigen Karfreitag bestimmt worden ist. Weiter sind Essays von Richard Burridge, Waldemar Chrostowski, Manlio Simonetti, Brian E. Daley, Olegario González de Cardedal, Mario de França Miranda; Remi Brague; Maximilian Heim; Christian Schaller enthalten. Das Vorwort stammt von Giuseppe Costa, dem Direktor der Vatikan-Buchhandlung.
Der Ratzinger-Preis wird seit 2011 jährlich von der vatikanischen Stiftung nach Rücksprache mit Benedikt XVI. (2005-2013) verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Stiftung finanziert sich durch die Verkaufserlöse der Bücher des emeritierten Papstes sowie aus Spenden.

Karsamstag: Nach dem Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung und des Todes Jesu, ist der Karsamstag der Tag der Grabesruhe, an dem kein Gottesdienst gefeiert wird. Doch der nächste Tag beginnt nach der Überlieferung immer schon am Vorabend: Papst Franziskus hält heute Abend ab 20.30 Uhr die nächtliche Gebetswache im Petersdom und segnet die neue Osterkerze, die an einem Feuer entzündet und mit den Zeichen „Alpha“ und „Omega“, den Nägeln für die Wundmale Jesu sowie den Jahreszahlen 2015 versehen, in die Kirche getragen wird. Damit beginnt die feierliche Liturgie der Osternacht. In ihr bringen Christen aller Konfessionen rund um den Globus die Freude über die Auferstehung Christi und die Überwindung des Todes festlich zum Ausdruck.
Die Liturgie der „Feier der hochheiligen Osternacht“ am Abend nach Sonnenuntergang (Vigil / Nachtwache) oder vor der Morgendämmerung am frühen Ostermorgen zwischen 4 und 6 Uhr gliedert sich in die Lichtfeier (Segnung des Osterfeuers, Verzieren und Entzündung der Osterkerze (geschmückt mit Keuz, fünf Weihrauchkörner als Zeichen der Wundmale und Jahreszahl), Einzug in die dunkle Kirche unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ oder „Christus, das Licht“, Exsultet/Osterlob), den Wortgottesdienst mit den Lesungen (drei bis sieben Texte aus dem Alten Testament), Antwortgesängen und Gloria, bei dem alle Glocken läuten und die Orgel wieder erklingt, zwei Lesungen aus dem Neuen Testament, Osterevangelium und Predigt, Allerheiligenlitanei, Taufe und Taufgedächtnis und Feier der Eucharistie mit Kommunion in beiden Gestalten von Brot und Wein. Die Messe vollzieht den Durchgang durch den Tod zum Leben sakramental nach. Vielfach schließt sich nach dem Segen eine Agape als gemeinsames Ostermahl an.
Papst Franziskus feiert den Gottesdienst der Osternacht ab 20.30 Uhr am Karsamstag im Petersdom, die Liturgie des Ostersonntag beginnt im Petersdom ab 10.15 Uhr. Nach der Ostermesse und erteilt der Papst um 12 Uhr auf der Loggia den traditionellen Segen „Urbi et orbi“. Am Ostermontag erinnern die liturgischen Texte an das Zusammentreffen der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Christus.

Samstag, 15.04.2017