Seltsame Heilige: Antonius

von Christof Beckmann

Dienstag, 17.01.2017

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Heute wünschen sie sich in der Bauerschaft Gemen „Frohe Ostern“ – wirklich wahr - und das seit fast 400 Jahren. Ein eigenartiger Brauch, der mit einem Mann zusammenhängt, der in Ägypten das Mönchstum erfunden hat und heute auf dem Kalender steht ...

INFO: Antonius der Große (Antonius Abbas oder Antonius Eremita, *um 251, † 356), war Mönch, Asket und Einsiedler. Sein Leben ist bereits in der Vita Antonii (ca. 360) von Athanasios (um 300–373), Bischof von Alexandria, überliefert. Er stammte aus Mittelägypten und folgte dem Bibelwort „Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“ (Mt 19,21) und verschenkte sein Eigentum, um sich während der Diokletianischen Christenverfolgungen in die Einsamkeit zurückzuziehen. Der von vielen als Ratgeber geschätzte Einsiedler lebte in einer ehemaligen ägyptischen Grabkammer, später in der Wüste am Golf von Suez und wurde nach der Überlieferung oft von quälenden Visionen heimgesucht. Viele Schüler wählten ebenfalls das Eremitenleben, darum gilt Antonius als Begründer des christlichen Mönchtums. Seine Verehrung breitet sich seit dem 5. Jahrhundert auch im Abendland aus und nahm seit der Übertragung der Reliquien nach Frankreich weiter zu.
Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts wurde er zum Namensgeber für das „Antoniusfeuer“, einer Seuche, die sich durch einen vorwiegend im Roggen wachsenden giftigen Getreidepilz (Mutterkorn) verbreitete: Die Vergiftungen führten zu Wahnvorstellungen, Krämpfen, absterbenden Finger und Zehen, Atemlähmung und Kreislaufversagen. Der zur Pflege der Kranken 1059 in Frankreich gegründete Antoniter-Orden verbreitete sich in ganz Europa, baute rund 370 Hospitäler und hatte als Gegenleistung für die Krankenpflege das Recht, das „Antoniusschwein“ auf Kosten der Allgemeinheit frei laufen zu lassen. Im Süddeutschen wurde der Heilige darum zum Sau- oder Fackentoni, in Nord- und Westdeutschland zum Swinetünnes. Der Orden wurde 1777 mit dem Malteserorden vereinigt, in Folge der Französischen Revolution wurden auch die letzten deutschen Ordenshäuser in Köln und Höchst geschlossen.

Das Thema der Versuchungen und Peinigungen des heiligen Antonius ist ein wichtiges Motiv in der Kunst, auch in der Literatur wurden die Versuchungen des heiligen Antonius bearbeitet. Dargestellt wird er zumeist mit Schriftrolle, einem Schwein, einer Glocke, dem T-förmigen Antoniuskreuz und Krückstock. Er gilt als Schutzpatron der Haustiere, vor allem der Schweine, der Metzger und Bauern, gegen Geschwüre, Lepra, und Viehseuchen. Gedenk- und Namenstag des Heiligen ist der 17. Januar.

Antoniusfest Schöppingen Gemen: Das Fest des hl. Abtes Antonius wird seit 1636 in der Filialgemeinde St. Antonius in der Schöppinger Bauernschaft Gemen besonders festlich begangen. Im Dreißigjährigen Krieg herrschte dort eine massive Pestepidemie, besonders heftig in der Bauernschaft Gemen. Täglich wurden Pesttote auf Leiterwagen zum Schöppinger Friedhof gebracht, der bald nicht mehr ausreichte, so dass ein heute noch existierender eigener Pestfriedhof angelegt werden musste. Um Fürsprache riefen die Gemener Bauern den hl. Antonius als Schutzpatron gegen Krankheiten an und gelobten, zu seiner Ehre eine Kapelle zu bauen, dort zu seinem Festtag am 17. Januar die große Antonius-Betstunde abzuhalten und den Tag vorher als strengen Fast- und Abstinenztag wie Karfreitag zu begehen. Der Festtag selbst sollte dann alljährlich „wie Ostern“ gefeiert werden – ein Gelübde, an dem sie seitdem Jahr für Jahr festgehalten haben.

1923 wurde etwa 500 m von der Pestkapelle entfernt an der Straße von Schöppingen nach Ahaus die Antoniuskirche in Gemen. Seitdem wird das Antoniusfest als Patronats- und Kirchweihfest mit dem Ewigen Gebet begangen. Die Gottesdienste in der St. Antonius-Kirche beginnen heute um 8.30 mit der Schulmesse für die 4. Klassen der Brictius-Grundschule von Schöppingen und Eggerode und um mit 9.15 Betstunde der Nachbarn. Dem um 10.00 Uhr beginnenden Festhochamt folgt um 11.00 Uhr die Betstunde der Männer, nach der Mittagpause um 14.00 Uhr die Große Antonius-Betstunde, die traditionsgemäß vom Pfarrer der Nachbargemeine Heek gehalten wird, anschließend folgen Betstunden für die Kinder, die Frauen, die Landjugend, und um 18.00 Uhr das feierliche Festhochamt mit Prozession durch die Kirche mit sakramentalem Segen. Jeder Gemener, heißt es, hält sich diesen Tag frei und geht an ihm mindestens zweimal, wenn nicht dreimal zur Kirche. Und man begrüßt sich an dem Tag allen Ernstes mit „Frohe Ostern!“ Zur Mitfeier des Antoniustages in Gemen sind alle herzlich eingeladen.

Kontakt: Pfarrei St. Brictius, Kirchplatz 7, 48624 Schöppingen, Tel. 02555 / 99 79 870, E-Mail: stbrictius-schoeppingen@bistum-muenster.de, Öffnungszeiten Pfarrbüro: Mo-Mi 8.30-10.30 Uhr, Do 16.30-18.30 Uhr, Internet: http://www.st-brictius.de/  

Dienstag, 17.01.2017