Stadt mit X: Spektakel voraus

von Christof Beckmann

Samstag, 14.04.2018

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Bild: Weihbischof Rolf Lohmann ist für die Region Niederrhein im Bistum Münster zuständig Foto: K!P-NRW

Im Juni werden Hunderte junge alte Römer am Niederrhein einfallen: Xanten rüstet sich für Brot und Spiele. Ein Besuch lohnt immer, sagt Weihbischof Rolf Lohmann und lädt herzlich in den Viktor-Dom mit seinen jahrtausendealten Schätzen ein ....

INFO: Die Stadt Xanten ist Standort eines um 13/12 vor Christus errichteten ersten Militärlagers „Vetera“, das den Vorstoß der römischen Expansion in das rechtsrheinische Germanien sichern sollte. Obwohl die Niederlage in der berühmten Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus den Rhein zur Ostgrenze des Reichs machte, blieben die Römer. Die wohl um 69/70 n. Chr. Im Zuge des Bataver-Aufstandes vernichtete Siedlung wurde neu errichtet, zum größten Legionslager nördlich der Alpen ausgebaut und erhielt um 98 den Status einer Colonia. Die „Colonia Ulpia Traiana“ erreichte ihre Blütezeit im 2. Jahrhundert. Nach der Zerstörung durch die Franken im Jahr 275 wurde das Stadtgebiet reduziert, doch konnte sie nach den Überfällen germanischer Stämme ab dem Beginn des 5. Jahrhunderts nicht mehr gehalten werden. Die Siedlung, die sich auf dem ehemaligen Friedhof der Colonia an frühchristlichen Märtyrergräbern entwickelte, erhielt zur Mitte des 8. Jahrhunderts eine Kapelle, aus dem ein dem Hl. Viktor geweihtes Stift „ad sanctos“ wurde. Die daran entstehende Siedlung fränkischer und friesischer Händler erhielt den Namen „Sanctos“, das zu „Xanten“ wurde. Trotz der Einfälle der Wikinger konnte sich das unter kurkölnischer Herrschaft stehende Stift zur Stadt entwickeln. 1228 erhielt der Ort vom Kölner Erzbischof die Stadtrechte, 1263 wurde der Grundstein für den heutigen St.Viktor-Dom gelegt, der 1936 durch Papst Pius XI. 1936 zur „Basilica Minor“ erhoben wurde. Die Stadt blieb über Jahrhunderte geistliches und wirtschaftliches Zentrum der Region. Obwohl 1614 preußisch geworden, blieb Xanten - anders als die anderen Städte der Region - katholisch geprägt.

Archäologisches Freilichtmuseum APX: Der LVR-Archäologische Park auf dem Gelände der antiken Provinzstadt Colonia Ulpia Traiana ist das größte archäologische Freilichtmuseums Deutschlands. Zu den Rekonstruktionen römischer Bauwerke zählen das Amphitheater, der Hafentempel, eine Herberge und die Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen. Noch immer sind hier Archäologen bei Grabungen zu sehen. „Römische Wochenenden“ locken von Mai bis September. Das größte aller Römerfeste zählt bis zu 500 Mitwirkende, die das Leben in der römischen Stadt lebendig inszenieren. Bei der kommenden Ausgabe von „Schwerter, Brot und Spiele" am 23. und 24. Juni 2018 zeigen Gladiatoren, viele Handwerker, Köche und Händler ihr Können, mehrere große Militärgruppen schlagen ihre Zelte auf, viele Gruppen bieten spezielle Mitmachaktionen und Spiele an.

Das LVR-RömerMuseum auf dem Gelände bietet mit über 2.500 Ausstellungsstücken und modernen Medien ein lebendiges Bild des römischen Alltags in Germanien: Der 1999 eröffnete Bau aus Stahl und Glas über dem Originalstandort der Eingangshalle der 275 nach Christus zerstörten und seit 1880 ausgegrabenen Großen Thermen zeigt Größe und Gestalt des antiken Vorbilds. An einigen Punkten der Ausstellung gibt es besondere Hinguck- und Mitmach-Angebote für Kinder.

Eintritt zum Römerfest „Schwerter, Brot und Spiele": 23.–24. Juni 2018, täglich 10–18 Uhr, Eintrittspreise: Erwachsene Tageskarte: 13 €, Erwachsene Zweitageskarte: 19 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten im APX immer freien Eintritt, Vorverkauf per Tel. unter 02801 9889213 oder per E-Mail an xanten@kulturinfo-rheinland.de bis zum 8. Juni; Veranstaltungen Januar bis Juni 2018 (PDF, 1,44 MB).

Öffnungszeiten von Park und LVR-RömerMuseum: März bis Oktober: täglich 9 bis 18 Uhr, Eingang Stadtzentrum (neuer Haupteingang): Am Amphitheater, 46509 Xanten, Eingang LVR-RömerMuseum: Siegfriedstraße 39, 46509 Xanten, Internet: http://www.apx.lvr.de, www.apx.de

Viktor von Xanten und sein Dom: Der Patron von Stadt und Dom gilt als christlicher Legionär, der nach der Legende mit 330 weiteren Angehörigen der Thebäischen Legion im 4. Jahrhundert im Amphitheater Veteras hingerichtet worden sein soll. Er ist Schutzpatron des über seiner Grabstätte errichteten St.-Viktor-Doms. Weitere Heilige, die im Rheinland mit der Legion in Verbindung gebracht werden sind der Hl. Gereon von Köln, Mallosus in Xanten, Gerebernus in Sonsbeck, Cassius und Florentius in Bonn und Mauritius in der Schweiz.
Nach mehreren Vorgängerkirchen legte Propst Friedrich von Hochstaden 1263 den Grundstein für den gotischen Dom und das Grab des Hl. Viktor wurde Ziel von Wallfahrten. Öffentliche Umtragungen seiner Gebeine gehen wohl auf das 12. Jahrhundert zurück und sind für die Jahre 1315, 1376, 1400 und 1421 bezeugt. Die „Großen Viktortrachten“ mit dem rund 100 Kilo schweren Viktorschrein aus dem 12. Jahrhundert führten im zeitlichen Turnus von etwa 25 Jahren zu einer Zisterzienserinnenkloster an der legendenhaften Stätte des Martyriums am Fürstenberg. Zum jährlichen Patronatsfest werden die Reliquien des Hl. Viktor in einem kleinen Reliquiengefäß bei der „Kleinen Viktortracht“ durch die Stadt getragen.
Drei „Große Viktortrachten“ fanden im 20. Jahrhundert statt: Bischof Clemens August Graf von Galen predigte 1936 hier öffentlich gegen den Nationalsozialismus. Die Viktortracht von 1966 galt der Danksagung für den Wiederaufbau nach dem Krieg, die nächste folgte 1991 zur 25. Wiederkehr der Erweiterung der Krypta mit den Gedenkstätten für die Nazi-Opfer Karl Leisner, Gerhard Storm und Heinz Bello. Das Motto des laufenden Festjahres stammt aus dem Ersten Petrusbrief und lautet „Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein“. Internet: http://www.xantener-dom.de

Unser Gesprächspartner: Weihbischof Rolf Lohmann, geboren 1963 in Hamm, wuchs in Westtünnen auf und machte am Beisenkamp-Gymnasium in Hamm das Abitur. Er studierte Philosophie und Katholische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach der 1989 durch den Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, gespendeten Priesterweihe im St.-Paulus-Dom in Münster, war er Kaplan in St. Laurentius Coesfeld und Vikar in St. Johannes Billerbeck. 1997 wurde er Pfarrer und Rektor der Wallfahrt in St. Ida Lippetal-Herzfeld, die zu den ältesten Wallfahrten im Bistum Münster zählt. 2003 übernahm er zudem die Pfarrei Ss. Cornelius und Cyprianus in Lippborg. 2007 wurde Lohmann zum nichtresidierenden Domkapitular des Münsteraner Domkapitels ernannt, 2011 zum Wallfahrtsrektor und Pfarrer an der Marienbasilika im niederrheinischen Kevelaer und 2012 zum Dechanten des Dekanats Goch. Am 25. April 2017 wurde er von Papst Franziskus zum Titularbischof des untergegangenen Bistums Gor im heutigen Tunesien und zum Weihbischof in Münster ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm der Bischof von Münster, Felix Genn, am 8. Juli 2017 im St.-Paulus-Dom in Münster. Lohmann ist als Regionalbischof für die Region Niederrhein mit Sitz in Xanten zuständig. Sein Wahlspruch lautet: Vos estis lux mundi („Ihr seid das Licht der Welt“, Mt 5,14 EU). In der Deutschen Bischofskonferenz gehört er der Pastoralkommission und der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen an. Rolf Lohmann, seit 2010 Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, engagiert sich als Mitglied im Deutschen Verein vom Heiligen Lande dort für zahlreiche Projekte.
Kontakt: Bischöfliches Büro, Kapitel 3, 46509 Xanten, Tel. 02801 / 986932-0, E-Mail: fischediek@bistum-muenster.de. Internet: www.bistum-muenster.de

Samstag, 14.04.2018