Stoppt die Verschwendung!

von Christof Beckmann

Samstag, 11.11.2017

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Sankt Martins Mantelspende. Julius Paul Junghanns, 1930. Stadtmuseum Düsseldorf / Collage: KIP

Wäre St. Martin nicht durchgedreht:? Heute steht er auf dem Kalender und würde kaum verstehen, dass jedes Jahr in Deutschland weit über 10 Millionen Tonnen essbare Lebensmittel im Müll landen. Mehr mit Joachim von Braun, Vizepräsident der Welthungerhilfe.

INFO: 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel landen Jahr für Jahr auf dem Müll – ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel, - während weltweit 795 Millionen Menschen hungern. Gehen Lebensmittel in Entwicklungsländern oft wegen schlechter Lagerhaltung, Schädlingsbefall oder Fäulnisbakterien verloren, werden allein in Europa und Nordamerika pro Jahr rund 222 Millionen Tonnen Nahrungsmittel vernichtet. Die Folgen der Lebensmittelverschwendung wirken sich massiv auf die Belastung von Klima und landwirtschaftlicher Fläche aus, aber auch Produktionsorte in Entwicklungsländern sind nachteilig für die dortige Landwirtschaft. Allein in Deutschland werden laut der WWF Studie „Das große Wegschmeißen“ 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich weggeworfen - fast ein Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs von 54,5 Millionen Tonnen.

Verantwortlich sind dafür nicht nur die Großverbraucher, sondern auch der Endkunde. Gründe hierfür sind eine schlechte oder fehlende Planung des Einkaufs oder der Mahlzeiten, ein mangelnder Überblick über den Vorrat oder eine falsche Lagerung. So könnten mehr als die Hälfte davon gerettet werden – durch verbessertes Management und nachhaltigere Marketingstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten, bewusstes einkaufen und verwerten von Resten. Vor allem mit Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum: Denn es ist kein Verfallsdatum, sondern sagt nur aus, wie lange ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine Farbe, seinen Geruch, Konsistenz und Geschmack behält.

Zahlreiche Informationen und Tipps zum Thema bündelt das am 1.2.2017 gegründete Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) als Kompetenz- und Kommunikationszentrum für Ernährungsfragen in Deutschland. Eingerichtet wurde es vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Als neu geschaffene Abteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ist es bundesweiten Vernetzungsstellen für Schulverpflegung oder der Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung „Zu gut für die Tonne!“. Danach können bewusstere Planung, vernünftiges Einkaufen und Kochen auch bares Geld sparen: Jeder deutsche Vier-Personen-Haushalt wirft derzeit jedes Jahr Lebensmittel im Wert von etwa 940 Euro weg.

Links: Welthungerhilfe: Thema Lebensmittelverschwendung, WWF-Studie: Das große Wegschmeißen Vom Acker bis zum Verbraucher: Ausmaß und Umwelteffekte der Lebensmittelverschwendung in Deutschland, Download: WWF Positionspapier Lebensmittelverschwendung [PDF, 141 KB]

VIDEO: WASTE - Gegen den Wahnsinn der Nahrungsmittelverschwendung
Am 16.10.2014 veröffentlicht: 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel werden pro Jahr verschwendet: Durch Nachernteverluste oder weil sie einfach weggeschmissen werden. Das ist eine globale Verschwendung von unfassbarem Ausmaß.

Unser Gesprächspartner: Joachim von Braun, geboren 1950 in Brakel, Westfalen, ist Agrarwissenschaftler und Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Neben zahlreichen Situationsberichten zur Welternährungslage veröffentlichte er Studien zur Ernährungssicherung und zur Ökonomie von Hungersnöten, zum technischen Fortschritt, zur Agrarhandelspolitik, zu ländlichen Finanzsystemen und zur Umweltpolitik. Ab 2002 war von Braun Leiter des Internationalen Instituts für Ernährungspolitik (International Food Policy Research Institute, IFPRI) in Washington und ist seit 2012 Vize-Präsident der Welthungerhilfe. Er ist u.a. Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, des Internationalen Beirats der Chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften (CAAS), Fellow der American Association for the Advancement of Science (AAAS) und Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech). 2012 wurde er durch Papst Benedikt XVI. in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften berufen, Papst Franziskus ernannte ihn am 21. Juni 2017 zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften.

Samstag, 11.11.2017