Syrische Christen und Don Bosco

von Christof Beckmann

Mittwoch, 11.10.2017

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Heimat für syrische Studenten: Das Johannesstift der Salesianer Don Boscos in Essen, Foto: KIP

Sie kamen mit einem Koffer aus Syrien und fanden sich in einer Top-WG wieder: Knapp ein Dutzend junge Studenten, die bei den Salesianern Don Boscos in Essen eine neue Heimat fanden. Ein Ortsbesuch bei "Herbergsvater" Pater Otto Nosbisch SDB ....

INFO: Die an vielen Orten in Deutschland besonders in der Jugendpastoral tätigen Salesianer Don Boscos haben auf die Migration aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens in den letzten Jahren in vielfältiger Weise reagiert. So entstand vor knapp zwei Jahren in der Essener Niederlassung mit dem Don Bosco-Gymnasium auch ein „Studentenwohnhaus“, in dem derzeit 10 Studenten aus Syrien leben. Im alten Wohnhaus der Patres an der Theodor-Hartz-Straße in Essen-Borbeck wurde November 2015 eine gemeinsame Küche und im Mai 2016 ein neues Wohnzimmer eingebaut, die ehemaligen Appartements der Patres sowie Büros der Haus- und Schulverwaltung wurden geräumt und als Studentenräume hergerichtet. Derzeit werden in Kooperation mit dem aktuellen Sozialen Projekt des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas e.V. die Zimmer umgebaut, damit die Studenten bald in Einzelzimmern leben können. Im laufenden Betrieb werden durch einen besseren Zuschnitt der Wohnungen insgesamt 10 Einzelzimmer hergestellt, dazu entsteht im Erdgeschoss ein größeres Einzelappartement.

Die Essener Salesianer bieten den bislang dort wohnenden Studenten nicht nur eine neue Heimat und spirituelle Betreuung: Sie begannen am 5. Februar 2017 als Gastgeber eines großen deutschlandweiten Treffens von ehemaligen syrischen Salesianer-Schülern und Mitarbeitern des Ordens mit dem Aufbau eines größeren Netzwerks. Es führt mit regelmäßigen Treffen im St. Johannesstift alle 6-8 Wochen viele Jugendliche und junge Familien zusammen, die gemeinsame Messen vorbereiten und feiern, Katechesen halten und gesellige Aktivitäten teilen. Ansprechpartner für das Projekt ist Pater Otto Nosbisch SDB, Direktor des St. Johannesstifts und Mitglied des Deutschen Provinzrates. Kontakt: Theodor-Hartz-Str. 15, 45355 Essen, Tel. 0201 / 68 50 30, Fax 0201 / 68 50 324, E-Mail: nosbisch@donbosco.de.

Don Giovanni Bosco: Der Turiner Priester, Ordensgründer, Erzieher und „Sozialarbeiter” Giovanni Don Bosco (*16. August 1815 in Becchi bei Turin, † 31. Januar 1888 in Turin) gehört neben Adolph Kolping, Paul Josef Nardini und vielen anderen zu den großen Sozialaposteln des 19. Jahrhunderts. In dem Spruch „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen” – spiegelt sich die Grundhaltung seines Lebens und seiner erzieherischen und pastoralen Tätigkeit. Er sammelte in Turin hilfsbedürftige Mädchen und Jungen und bemühte sich um ihre schulische, berufliche und religiöse Bildung. Trotz großer Schwierigkeiten mit kirchlicher und staatlicher Obrigkeit gewann Don Bosco dazu viele Mitarbeiter und gründete 1859 die Salesianer Don Boscos (lat. Societas Sancti Francisci Salesii, Abk. SDB, „Gesellschaft des heiligen Franz von Sales“) und gab seinen Priestern und Brüdern eine 1874 von Papst Pius IX. anerkannte Lebensregel. Seine neu gegründete Ordensgemeinschaft nannte er „Salesianer“, denn zeitlebens war Don Bosco von Franz von Sales fasziniert. Schon 1875 gab es eine erste Missionsexpedition nach Argentinien, 1876 eine zweite, bei der dritten Expedition 1877 gingen auch Don-Bosco-Schwestern in das Land. Ab 1876 bestanden Stützpunkte in Uruguay, 1883 in Brasilien und 1887 in Chile. Bis heute sind die Salesianer Don Boscos besonders in Südamerika breit vertreten. Schwerpunkt der Tätigkeit der Ordensgemeinschaft ist bis heute Jugendarbeit und Jugendhilfe. 1934 wurde Don Bosco von Papst Pius XI. (1922–1939) heilig gesprochen. Sein Gedenkfest ist am 31. Januar. Als zweitgrößter Männerorden und drittgrößte Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche engagiert sich die Gemeinschaft heute mit über 16.000 Mitgliedern, über 1.700 Niederlassungen in ca. 85 Provinzen, in weltweit etwa 130 Ländern für rund 16 Millionen benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Die Salesianer in Deutschland: Nach Deutschland kamen die ersten Salesianer 1916 und gründeten in Würzburg ihre erste Niederlassung. Derzeit sind rund 400 Ordensangehörige in der Deutschen Provinz mit Sitz in München zusammengeschlossen. Der Orden unterhält bundesweit 35 Einrichtungen der Erziehungshilfe und Berufsbildung, Schulen, Jugendwohnheime und Einrichtungen der offenen Jugendarbeit in Brennpunktgebieten. Im oberbayerischen Benediktbeuern befindet sich ein Aktionszentrum, eine Jugendherberge sowie das Zentrum für Umwelt und Kultur, in Bonn arbeitet die Missionsprokur. Die Salesianer beschäftigen in Deutschland rund 1.600 Mitarbeiter.

Die Salesianer in Essen: In Essen begannen die ersten vier Salesianer 1921 mit einer Offenen Tür („Oratorium“) und einer Wohnstätte für junge, mittellose Bergleute. Doch auch Bildung stand auf dem Plan der „Padders“ wie sie hier genannt werden – für junge Männer, die ihre Zukunft im Orden sahen. Daraus entstand 1966 das Don-Bosco-Gymnasium, zunächst als reine Jungenschule. Die staatlich anerkannte Schule in Trägerschaft der Salesianer war bis 1999 als letzte höhere Schule in Nordrhein-Westfalen nicht für Mädchen zugänglich. Mittlerweile besuchen etwa 40 Prozent Mädchen die Anfangsklassen und immer noch übersteigt die Nachfrage nach Plätzen das Angebot des Gymnasiums, das 2016 mit rund 1000 Schülern in sein Jubiläumsjahr ging. Die vor 25 Jahren aus einer Initiative des Schülerrates entstandene Aktion „Werkzeug für Haiti“, gilt als Beispiel für das Prinzip des Ordens, nach dem durch den Einsatz für junge Menschen auch diese später für soziales Engagement gewonnen werden sollen. Das Engagement der Salesianer in Essen geht auch über die Schule hinaus: 1977 entstand auf dem Gelände an der Theodor-Hatz-Straße zum Beispiel Jugendtreff „Don-Bosco-Club“, später die Jugendberufshilfe-Einrichtung „Die Boje“. Die örtliche Don-Bosco-Familie hat 75 Mitglieder plus etwa 50 ehrenamtliche Mitarbeiter im „Don Bosco Club“ und 30 Ehrenamtliche am Gymnasium. Mehr zu Don Bosco und den Salesianern (SDB): www.salesianer.de, www.donbosco.de.

Unser Gesprächspartner: Pater Otto Nosbisch, Jahrgang 1959, stammt aus der Eifel und machte nach der Hauptschule zuerst eine Lehre bei der Post, bevor er 1977 die Beamtenlaufbahn aufgab und zu den Kölner Salesianern im Stadtteil Mülheim ging. Nach der Priesterweihe 1991 wurde er Leiter der dortigen Offenen Tür, wechselte dann an das St. Johannes-Stift in Essen-Borbeck. Seit 2008 leitete er das Haus Don Bosco in Calhorn und kehrte 2015 als Direktor nach Essen zurück. Der Berufungsbeauftragte für die Deutsche Provinz des Ordens gehört auch der Deutschen Ordensleitung an.

Kontakt: Don Bosco-Gymnasium Essen-Borbeck, Privates Gymnasium für Jungen und Mädchen in der Trägerschaft der Salesianer Don Boscos, Theodor-Hartz-Str. 15, 45355 Essen, Tel. 0201 / 6 85 03-43, Fax: 0201 / 6 85 03-66, E-Mail: schulverwaltung@dbgessen.de, Homepage des Gymnasiums im Internet: www.dbgessen.de. St. Johannesstift, Theodor-Hartz-Straße 15, 45355 Essen. Adressen: Gymnasium, Tel. 0201 / 68503–43, Fax 0201 / 68503–66; Pfarrei St. Johannes Bosco: Theodor-Hartz-Str. 8-10, 45355 Essen, Tel. 0201 / 610607, Fax 0201 / 6144324.

Mittwoch, 11.10.2017