Kölner Dom: Start in die Karwoche

von Elvis Katticaren

Montag, 25.03.2024

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Der Kölner Dom- und Stadtdechant Robert Kleine, Collage: KIP

Montag - Start in die Karwoche, die letzte vor Ostern. Und in allen großen und kleinen Kirchen wird das Geschehen in der Bibel in Szene gesetzt – auch am Rhein. Was am und im Kölner Dom diese Woche geschieht – mehr mit Dom- und Stadtdechant Robert Kleine.

INFO: Den Start in die Heilige Woche im Kölner Dom markiert um 15 Uhr die „Geistliche Stunde“ für Priester, Diakone, Seminaristen und Priesteramtskandidaten des Erzbistums Köln, die in der Minoritenkirche stattfindet. Den geistlichen Vortrag hält Prof. em. Pater Dr. Michael Schneider SJ, Spiritual am Bischöflichen Seminar Collegium Willibaldinum im Bistum Eichstätt, zum Thema: „… und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes! Das Lebensprojekt unseres Dienstes aus der Sicht des Triduum Paschale“. In der anschließenden Chrisam-Messe um 16.30 Uhr im Kölner Dom gedenken die teilnehmenden Geistlichen ihrer Priesterweihe und erklären ihre Bereitschaft, weiterhin treu ihren Dienst als Priester zu tun. Da nach dem Glauben der Kirche Christus im Rahmen der Abendmahlsfeier am Gründonnerstag die Kirche und die Eucharistie stiftete, wird die Chrisam-Messe gewöhnlich am Gründonnerstag gefeiert. Um möglichst vielen Geistlichen, die in der Karwoche dienstlich gebunden sind, die Teilnahme an der Chrisam-Messe zu ermöglichen, wird diese im Erzbistum Köln seit mehreren Jahren am Karmontag gefeiert. Traditionell werden in der Chrisam-Messe die drei Heiligen Öle – Chrisam, Katechumenen- und Krankenöl – geweiht. Diese werden dann beispielsweise bei der Spendung von Taufe, Krankensalbung oder auch der Priester- und Diakonenweihe verwendet.

OSTERN: Ostern ist das wichtigste, größte und älteste Fest der Christenheit: Seit dem Konzil von Nizäa im Jahr 325 wird es am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Da die orthodoxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. 1582 nicht folgte und beim Julianischen Kalender blieb, feiern Ost und West in den meisten Jahren an unterschiedlichen Terminen. Diesmal feiert die Orthodoxie um eine Woche versetzt am 24. April 2022. Regelmäßig fallen das östliche und das westliche Osterdatum aber auch zusammen; 2025 ist das wieder der Fall.

Palmsonntag und die Karwoche: Am Palmsonntag beginnt eine Woche vor Ostern die „Karwoche“ (Große Woche/Heilige Woche/Karwoche). Das Wort „Kar” stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Trauer”, „Klage” oder „Kummer”. Der Palmsonntag vollzieht den in allen vier Evangelien beschriebenen triumphalen Einzug Jesu Christi nach Jerusalem nach. An sein dortiges Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung wird im Lauf der nun beginnenden Woche erinnert. Der Evangelist Matthäus schreibt über den Ritt Jesu auf einem Esel vom Ölberg hinunter in die Stadt: „Viele Menschen breiteten auf dem Weg ihre Kleider aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf die Straße.”

Seit dem 4./5. Jahrhundert werden die biblischen Berichte über Leiden, Tod und Auferstehung Jesu immer mehr chronologisch nachvollzogen. Seit dem Beginn des 7. Jahrhunderts setzte sich in Spanien, Gallien und im deutschen Sprachraum seit dem 8. Jahrhundert der Brauch durch, das Einzugsgeschehen dramaturgisch-liturgisch nachzuahmen. Statt Palmen oder Ölbaumzweige führten die Gläubigen andere grüne Zweige mit. Im 11./12. Jahrhundert war die Palmsonntags-Prozession in vielen Teilen des Abendlandes Tradition. Im Mittelalter ritt ein Christus-Darsteller auf einem hölzernen Esel (Palmesel) in der Prozession mit.

Die heutige Palmsonntagsliturgie am Eingang der Karwoche beginnt mit der Palmweihe außerhalb der Kirche: Im Wortgottesdienst der heiligen Messe wird dort erstmals der Bericht vom Leiden und Sterben Jesu („Passion”) gelesen. Es ist Brauch, die Palm-, Oliven- oder Buchsbaumzweige zuhause als segenbringende Zeichen am Kreuz zu befestigen. Der traditionelle Ablauf der Kar- und Ostertage:

  • Am Gründonnerstag (von althochdeutsch „greinen” = weinen) gedenkt die Kirche des letzten Abendmahles, das Jesus mit seinen Jüngern am Vorabend der Kreuzigung hielt - und damit der Einsetzung der Eucharistie. In diesem Mahl nimmt Jesus seinen Tod bereits voraus und trägt seinen Jüngern auf, das Mahl in diesem Sinne zu seinem Gedächtnis immer wieder zu feiern. Auch erinnert der Gründonnerstag an die Nacht, in der Jesus verraten und gefangen genommen wurde. Nach dem Gloria-Gesang im Gottesdienst verstummten Orgel und Glocken. Das mit der Fußwaschung gesetzte Zeichen Jesu wird in vielen Gemeinden mit jungen und älteren Gemeindemitgliedern nachempfunden. Nach der letzten Messfeier vor Ostern werden Blumenschmuck und Kerzen abgeräumt. In besonders gestalteten Betstunden oder im stillen Gebet gedenken die Gläubigen des Ölberggeschehens mit der Gefangennahme Jesu und dem beginnenden Leiden.
  • Der Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung. In vielen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitags Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen statt. Er wird als Fasttag und als Zeichen der Trauer in Stille begangen. Am Nachmittag – meist zur „6. Stunde“, der überlieferten Todesstunde Jesu um 15 Uhr - versammeln sich die Christen zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte und zur Kreuzverehrung: Das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird nach und nach enthüllt und durch Kniebeugen verehrt. Statt Glocken werden Klappern benutzt. Anschließend folgt eine Kommunionfeier.
  • Am Karsamstag, dem Gedächtnistag der Grabesruhe des Herrn, finden keine Gottesdienste statt; die Altäre in den Kirchen sind ohne Kerzen und Blumen. Da der nächste Tag nach der Überlieferung immer schon am Vorabend beginnt, beginnt die feierliche Liturgie der „Feier der hochheiligen Osternacht“ am Abend nach Sonnenuntergang (Vigil / Nachtwache) oder vor der Morgendämmerung am frühen Ostermorgen zwischen 4 und 6 Uhr. Sie gliedert sich in die Lichtfeier (Segnung des Osterfeuers, Verzieren und Entzündung der Osterkerze (geschmückt mit Kreuz, fünf Weihrauchkörnern als Zeichen der Wundmale und Jahreszahl), Einzug in die dunkle Kirche unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ oder „Christus, das Licht“, Exsultet/Osterlob), in den anschließenden Wortgottesdienst mit den Lesungen (drei bis sieben Texte aus dem Alten Testament), Antwortgesängen und Gloria, bei dem alle Glocken läuten und die Orgel wieder erklingt, zwei Lesungen aus dem Neuen Testament, Osterevangelium und Predigt, Allerheiligenlitanei, Taufe und Taufgedächtnis und die Feier der Eucharistie mit Kommunion in beiden Gestalten von Brot und Wein. Die Messe vollzieht so den Durchgang durch den Tod zum Leben sakramental nach. Vielfach schließt sich nach dem Segen eine Agape als gemeinsames Ostermahl an.
  • Den Ostersonntag feiert Papst Franziskus im Petersdom und erteilt anschließend um 12 Uhr den traditionellen Segen „Urbi et orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“). Am Ostermontag erinnern die liturgischen Texte an das Zusammentreffen der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Christus.

 

Unser Gesprächspartner: Monsignore Robert Kleine, Kölner Stadt- und Domdechant, 1967 in Neuss geboren, seit 1993 Priester, 1997-2004 Domvikar und Schulseelsorger an der Domsingschule. 2004 Leiter der Abteilung Erwachsenenseelsorge im Erzbischöflichen Generalvikariat, Diözesanfrauen- und Diözesanmännerseelsorger sowie Präses des Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Seit 2006 Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbischöflichen Generalvikariat, 2012 Vorsitzender des Bildungswerks der Erzdiözese Köln und Domdechant, seit dem 1. September 2012 Kölner Stadtdechant und Vorsitzender des Caritasrates. Kontakt: Domkloster 3, 50667 Köln, Tel. 0221 / 92 58 47-70, E-Mail: presse@katholisches.koeln.

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