Papst und Kurie: Fit für die Zukunft ...

von Gabriele Höfling

Mittwoch, 28.02.2018

Platzhalterbild

Vor fünf Jahren erklärte Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt. Sein Nachfolger Franziskus - der erste seines Namens - arbeitet seitdem an einem neuen Weltkirchen-Masterplan. Nicht zuletzt für die „Kurie“, die Kirchenzentrale im Vatikan ...

INFO: „Kurie“ – von lat. „curia/Hof“ - wird sie genannt, die Kirchenzentrale im Vatikan - vor fast 1000 Jahren nach dem Vorbild eines Königshofes gestaltet, vor 430 Jahren neu begründet, Ort der Macht und aller Entscheidungen. Was lange so funktionierte, wurde als Folge des II. Vatikanischen Konzils spätestens vor genau einem halben Jahrhundert gründlich auf den Kopf gestellt und vor 30 Jahren machte sich Papst Johannes Paul II. an eine neue Struktur der bisherigen Ministerien - effizienter sollte sie werden und internationaler. Ein Projekt, das jetzt Papst Franziskus energisch vorantreibt, damit wirklich alle Ortskirchen weltweit vertreten sind und intensiver zusammenarbeiten - so der Plan für die Umgestaltung der vielfältigen Arbeitsbereiche des organisatorischen und multikulturellen Global Players.

Ende September 2013, sechs Monate nach seiner Wahl ins römische Bischofsamt, hatte Papst Franziskus dazu einen eigenen Kardinalsrat berufen. Das wegen seiner neun Mitglieder „K-9“ genannte Gremium berät auf dem Weg, die Finanzen transparenter zu machen, die Pflege der internationalen Beziehungen zu straffen und die Medienaktivitäten zusammenzuführen – ein Projekt, das unter http://www.vaticannews.va/ bereits abgeschlossen ist. Die Neuformulierung eines vatikanischen Grundgesetzes soll an die Stelle der bisher gültigen Apostolischen Konstitution „Pastor bonus“ treten. Damit soll die zentrale Verwaltung für eine immer weiter wachsende Weltkirche auf eine verbesserte Grundlage gestellt werden: Nach der derzeit noch aktuellen Statistik der katholischen Weltkirche („Annuarium Statisticum Ecclesiae“) von 2015 gab es zum Zeitpunkt der Erhebung 1,285 Milliarden Katholiken weltweit. Damit ist ein knappes Fünftel der Erdbevölkerung (17,7 Prozent) katholisch. Verglichen mit den Ergebnissen des Jahres 2010 wuchs die Gesamtzahl der Katholiken insgesamt um 7,4 Prozent, allein in Afrika um 19,4 Prozent. Die meisten getauften Katholiken, nämlich fast die Hälfte aller Katholiken weltweit, lebt nach wie vor auf dem amerikanischen Kontinent.

Unser Gesprächspartner: DDr. Norbert Lüdecke, Jg.1959, studierte 1977-1983 Katholische Theologie, Germanistik und Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und wurde 1989 mit einer kirchenrechtlichen Arbeit zum Dr. theol. promoviert. 1986-1991 setzte er das Studium am Kirchenrechtlichen Institut der Universität Strasbourg mit dem Lizentiat und der weiteren Promotion 1991 im kanonischen Recht fort, war Diözesanrichter in Limburg und 1993-1997 in Mainz. Ab 1992 wirkte er als Lehrbeauftragter für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Universität Frankfurt am Main, ab 1996 als Honorarprofessor. Er habilitierte sich im Fach Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg, war 1996-2009 Lehrbeauftragter für Kanonisches Lehrrecht am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster und wurde 1998 auf den Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn berufen. Internet: https://www.ktf.uni-bonn.de/Einrichtungen/kirchenrecht/mitarbeiter-innen/prof.-dr.-norbert-luedecke

Fünf Jahre Papst Franziskus: Nach dem Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. im Februar 2013 wählten die Kardinäle im Konklave am 13. März 2013 den Argentinier Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst. Der Erzbischof von Buenos Aires wählte als erster in der Geschichte den Papstnamen Franziskus. Schon beim Konklave 2005 nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. spielte Bergoglio eine wichtige Rolle, zog sich jedoch zurück, um den Weg für die Wahl von Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) frei zu machen.

Der am 19. März 2013 ins Amt eingeführte 76-jährige Jesuitenpater, geboren am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, entschied sich nach einer Ausbildung als Chemietechniker für die Priesterlaufbahn und begann 1958 ein Noviziat in der Gesellschaft Jesu. Nach humanistischen Studien in Chile und seiner Rückkehr nach Buenos Aires erlangte er 1963 einen Studienabschluss in Philosophie am Kollegium „San José” von San Miguel und war 1964-1966 Professor für Literatur und Psychologie in Santa Fe und Buenos Aires. 1967-1970 besuchte er am Kollegium „San José” die Fakultät für Theologie, schloss das Studium ab und wurde am 13. Dezember 1969 zum Priester geweiht. Nach seinem Terziat in Alcalá de Henares (Spanien) legte er 1973 die ewigen Gelübde ab, war für die Ausbildung der Novizen zuständig (1972-73) und wurde am 31. Juli 1973 mit erst 37 Jahren zum Provinzial für Argentinien gewählt. Während seiner sechsjährigen Amtszeit war er Theologieprofessor, Rektor des Kollegiums von San Miguel (1980-1986) und seiner Fakultäten für Philosophie und Theologie, zudem in der Pfarrei von San José (Diözese San Miguel) als Pfarrer tätig. 1986 kam er für seine nicht vollendete Doktorarbeit nach St. Georgen bei Frankfurt und war anschließend an der Jesuitenkirche von Cordoba als spiritueller Direktor und Beichtvater. 1992 durch Johannes Paul II. zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt, empfing er seine Bischofsweihe am 27. Juni durch Kardinal Antonio Quarracino, den Apostolischen Nuntius Ubaldo Calabresi und den Bischof von Mercedes-Luján, Emilio Ogñénovich. Am 3. Juni 1997 wurde er zum Koadiutor des Erzbischofs von Buenos Aires ernannt und wurde am 28. Februar 1998 nach dem Tod des Kardinals Quarracino selbst Erzbischof. 2001 von Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben, war Bergoglio Mitglied der Kongregationen für Gottesdienst und Sakramentenordnung, für den Klerus, sowie für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens, Generalrelator der 10. Weltbischofssynode, zudem Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie und der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. 2005-2011 war Bergoglio, auch als „Kardinal der Armen” bekannt, Präsident der Argentinischen Bischofskonferenz.

Seit 2005 lieferte er sich als Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz politische Auseinandersetzungen mit den Staatspräsidenten, wurde 2007 bei der Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM im brasilianischen Aparecida eine der prägenden Gestalten der Versammlung, bot Ende 2011 Papst Benedikt XVI. mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren seinen Amtsverzicht als Erzbischof von Buenos Aires an, blieb jedoch wie für Hauptstadtdiözesen üblich weiter im Amt.

Nach seiner Wahl zum Papst machte er in Anlehnung an den „Heiligen der Armen“ den Namen Franziskus seinen Namen zum Programm: Spontan besucht er die Mittelmeerinsel Lampedusa, weist auf das Flüchtlingselend in Afrika und auf dem Mittelmeer hin, ruft zu einer friedliche Lösung des Syrien-Konflikts auf und verurteilt in seinem ersten Lehrschreiben „Evangelii gaudium“ die „Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht“ und Verteilungsungerechtigkeit als „Wurzel der sozialen Übel“. 2014 ruft er wiederholt Russland und die Ukraine zu einer friedlichen Lösung des Krim-Konflikts auf. Die Syrien-Krise bleibt regelmäßig Gegenstand von Friedensappellen, er mahnt im Mai bei seiner Heilig-Land-Reise nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete zu Versöhnung im Nahen Osten. Er lädt Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und den damaligen israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres zum Gebet in die vatikanischen Gärten, entsendet einen Sonderbotschafter in den Irak, um Lösungen für die von den Terrormilizen des „Islamischen Staates“ bedrängten Minderheiten zu sondieren. In Südkorea ruft Franziskus zur Aussöhnung mit dem verfeindeten Nordkorea auf, bietet den kommunistischen Staaten China und Vietnam Gespräche an. Der Vatikan vermittelt nach über einem halben Jahrhundert politischer Eiszeit die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Kuba und den USA.

Weltweit Schlagzeilen macht 2015 seine Enzyklika „Laudato si“, in der er einen besseren Umgang mit der Umwelt und mit den Menschen anmahnt, die in ihr leben. Das verstärkt er im September zum Auftakt des UN-Nachhaltigkeitsgipfels in New York und fordert vor der UNO-Vollversammlung eine gerechtere Machtverteilung in der internationalen Gemeinschaft. Innerkirchlicher Schwerpunkt ist im Oktober die ordentlichen Synode zu Ehe und Familie in Rom, im November appelliert Franziskus zur Weltklimakonferenz in Paris erneut zu ernsthaften Verhandlungen und zu einem schonenderen Umgang mit den Ressourcen. Im Dezember spricht ihm das Karlspreisdirektorium in Aachen den Internationalen Karlspreis 2016 zu. Zum ersten Mal treffen sich Anfang 2016 auf Kuba die Oberhäupter der römisch-katholischen Kirche und der russischen Orthodoxie, beim anschließenden Besuch in Mexiko spricht der Papst über Armut, Drogenhandel, Migration und Unrecht gegenüber der indigenen Bevölkerung und besucht im April ein Flüchtlingslager auf Lesbos. Das im April vorgelegte Abschlusspapier zur Familiensynode „Amoris laetitia“ löst eine lebhafte innerkirchliche Debatte über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen aus. Im Oktober 2016 eröffnete der Papst im schwedischen Lund gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund das Gedenkjahr zum 500. Jahrestag der Reformation und beendete im November das von ihm ein Jahr zuvor ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit. In ihm absolvierte er Reisen nach Ost- und Zentralafrika, eine siebentägige Visite in Mexiko, der Weltjugendtag in Polen und die politisch nicht einfachen Besuche in Armenien sowie in Georgien und Aserbaidschan. 2018 besucht er Chile und Peru. Die Vorlieben seiner Jugend blieben Lesen, Religion - und Fußball. Er ist Fan von Atletico San Lorenzo de Almagro, dem Club seines Stadtteils Flores in Buenos Aires. Mehr: www.vatica.va

Mittwoch, 28.02.2018