Ein Mann und der Kampf um die Wahrheit

von Reinhard Ellsel

Mittwoch, 16.11.2016

Jan Hus: Denkmal in Prag
Jan Hus: Denkmal in Prag

Wenn jemand von etwas überzeugt ist und dafür kämpft – beeindruckend. Respekt! Aber dafür auch sein Leben aufs Spiel setzen? Jan Hus hat es getan.

Predigt in der Sprache des Volkes

Schon 100 Jahre vor Martin Luther gab es den Ruf nach einer Reformation der Kirche. Jan Hus war ein tschechischer Reformator, der um 1370 in Südböhmen geboren wurde. Hus lehrte an der Prager Universität Theologie und predigte auch, allerdings nicht auf Latein, sondern in der Sprache seines Volkes: dem Tschechischen. Wie Luther wollte auch Hus, dass das Volk die Bibel in seiner Sprache lesen konnte. Tausende hörten ihm zu; seine Anhänger rekrutierten sich vor allem aus der tschechischen Bevölkerung, während die deutsche Oberschicht sich weiter an die traditionelle katholische Kirche hielt.

Kritik an der Kirche

Jan Hus übte heftige Kritik am weltlichen Besitz der Kirche, an Korruption und Ablasshandel, trat für die Autorität des Gewissens ein und versuchte, durch seine Predigten die Kirche dem Volk näherzubringen. Er betrachtete allein die Bibel als letzte religiöse Autorität und sah allein in Christus das wahre Oberhaupt der Kirche.

Predigtverbot

1408 gingen beim Bischof Beschwerden über Hus' Predigten ein. Darauf wurde ihm die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen untersagt. Hus wurde 1410 verbannt, daraufhin brachen in Prag Unruhen aus. Die Demonstrationen des Volkes ermöglichten es Hus trotz des 1412 ausgesprochenen Verbots, seine Predigten fortzusetzen.

Verhaftung

1414 wurde Hus aufgefordert, sich dem Konstanzer Konzil zu stellen. Auf der Anreise wurde er in vielen Gemeinden auch in Deutschland begeistert begrüßt, auch viele Geistliche stimmten mit seiner Kritik überein. Nachdem König Siegmund ihm freies Geleit zugesagt hatte, hoffte Hus, seine Lehren erfolgreich verteidigen zu können; er wurde jedoch gleich bei seiner Ankunft festgenommen und in der Burg des Konstanzer Bischofs inhaftiert.

Da Hus die Aufforderung zum Widerruf seiner Lehren und zur Unterlassung der Predigertätigkeiten kategorisch ablehnte, wurde er schließlich verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Auf dem Scheiterhaufen

Vor seiner Verbrennung soll Hus gesagt haben: „Heute bratet Ihr eine Gans” - „Hus” heißt auf Deutsch „Gans” - „aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen” - was später oft auf Luther gedeutet wurde, der deshalb mit einem Schwan dargestellt wurde

Konsequenzen bis heute

Für die Reformation wurde Jan Hus ein wichtiger Wegbereiter. Schon 1485 wurde ein Traktat von Hus zum ersten Mal in Deutschland übersetzt und gedruckt. Martin Luther bekannte 1520: „Wir sind alle Hussiten.”

Papst Franziskus würdigte Hus 2015 im Vorfeld des 600. Todestages als „renommierten Prediger”, drückte sein „tiefes Bedauern über den grausamen Tod von Jan Hus” aus und würdigte ihn als Kirchenreformer.

Mittwoch, 16.11.2016