Palmbrezel: Morgen ist Palmsonntag

von Johanna Risse

Samstag, 04.04.2020

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Palmbrezel, Foto: thekitchenlioness.com

So lecker kann Fasten sein, sagt unsere Küchenlöwin Andrea Mohr aus Bonn. Bei der Rezeptebloggerin läuft auch zu Palmsonntag der Backofen auf Hochtouren. Denn mit dem letzten Sonntag der Fastenzeit morgen geht’s in die österliche Karwoche...

INFO: Unsere „Küchenlöwin“ Andrea Mohr aus Bonn kennt viele fromme Rezepte und weil alles, was sie in Küche und Ofen zaubert, so lecker ist, veröffentlichen wir immer wieder gerne Rezepte von ihr, die gut ins Kirchenjahr passen. Kontakt: N. Andrea Mohr, E-Mail: nclndrmhr@gmail.com, Internet: http://kitchenlioness.blogspot.de.

„Palmbrezeln: Der Palmsonntag ist der Gedenktag des Einzugs Jesu in Jerusalem, welcher seit dem frühen Mittelalter mit Prozessionen gefeiert wird. Besonders in den katholischen Gegenden Schwabens werden am Palmsonntag die Palmsträuße mit Palmbrezeln geschmückt und durch die Straßen des Ortes zur Kirche getragen, um sie dort segnen zu lassen. Palmenbrezel wurden nach der Palmprozession früher gerne von den Paten an die Patenkinder verteilt und im Ulmer Raum schenkten junge Männer ihren Freundinnen am Palmsonntag eine solche Brezel; dafür bekamen sie von ihnen am Ostersonntag Ostereier. In manchen katholischen Gegenden von Schwaben werden bis heute solche Brezeln als Palmbrezeln zum Palmsonntag gebacken, als Geschenk nach dem Gottesdienst für die Kinder. Palmbrezel - vor allem im Westen Schwabens ist das salz- und laugenlose Fastengebäck beliebt - ist sie doch eine süße Alternative in der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karfreitag. In Ostschwaben dagegen sind die Palmbrezeln kaum bekannt

Palmbrezel (für ca. 6 Palmbrezel)

Zutaten
1000g Weizenmehl (Type 550)
140g feinster Backzucker
100g Butter
30g Schweineschmalz (kann auch durch Butter ersetzt werden)
10g Salz
42g frische Hefe
2 Eier (L), Bio-oder Freilandhaltung
400 bis 450 ml lauwarme Milch
abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone (kann auch durch Vanillemark oder -pulver ersetzt werden)

Zusätzlich
1 Ei (L), Bio-oder Freilandhaltung
etwas Milch
Mandelblättchen und etwas Hagelzucker

Zubereitung
Alle Zutaten 7 bis 10 Minuten in der Teigknetmaschine zu einem Hefeteig verkneten.
Den Teig zugedeckt an einem warmen Ort zirka 1 Stunde ruhen lassen bis er gut aufgegangen ist.
Aus der Schüssel nehmen und auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche geben.
Anschließend sechs Portionen mit je zirka 300g abstechen und jede Portion nochmal in 3 gleich große Stücke teilen (ergibt 18 gleich große Stücke à zirka 100g).
Alle Stücke zu Strängen vorrollen. Dann jeden Strang zu einer Länge von zirka 35cm lang ausrollen, dabei darauf achten, dass alle Stränge gleich stark sind.
Dann jeweils 3 Stränge in der Mitte zu einem 3-Strang-Zopf flechten, die Enden gut zusammendrücken und dann zusammen ausrollen.
Die Enden über Kreuz legen, dann einmal verdrehen und Links und Rechts das Ende festdrücken.
Jeweils zwei Palmbrezelteiglinge auf ein Backblech legen, mit Eistreiche (Ei mit Milch) bepinseln, zudecken und nochmals zirka 20 bis 30 Minuten aufgehen lassen.
Dann nochmals mit Eistreiche einpinseln, mit Mandelblättchen und Hagelzucker verzieren und im vorgeheizten Ofen bei 180° C zirka 20 bis 25 Minuten backen.“

Palmsonntag: Am letzten Sonntag der Fastenzeit eine Woche vor Ostern feiert die Kirche den Einzug Jesu Christi nach Jerusalem, wo er seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung entgegen ging, woran im Lauf der nun beginnenden Woche (Große Woche / Heilige Woche / Karwoche) gedacht wird. Die öffentlichen Feiern sind stark eingeschränkt bzw. finden in diesem Jahr nicht öffentlich statt.
Der Palmsonntag vollzieht den in allen vier Evangelien beschriebenen triumphalen Einzug Jesu Christi in Jerusalem nach, bei dem die Menschen Christus als Retter begrüßen. Der Evangelist Matthäus schreibt über den Ritt Jesu auf einem Esel vom Ölberg hinunter in die Stadt: „Viele Menschen breiteten auf dem Weg ihre Kleider aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf die Straße.” Seit dem 4./5. Jahrhundert werden die biblischen Berichte über Leiden, Tod und Auferstehung Jesu immer mehr chronologisch nachvollzogen. Seit dem Beginn des 7. Jahrhunderts setzte sich in Spanien, Gallien und im deutschen Sprachraum seit dem 8. Jahrhundert der Brauch durch, das Einzugsgeschehen dramaturgisch-liturgisch nachzuahmen. Statt Palmen oder Ölbaumzweige führten die Gläubigen andere grüne Zweige mit. Im 11./12. Jahrhundert war die Palmsonntags-Prozession in vielen Teilen des Abendlandes Tradition. Im Mittelalter ritt ein Christus-Darsteller auf einem hölzernen Esel (Palmesel) in der Prozession mit. Die übliche Palmsonntagsliturgie beginnt mit der Palmweihe außerhalb der Kirche: Im Wortgottesdienst der heiligen Messe wird dort erstmals der Bericht vom Leiden und Sterben Jesu („Passion”) gelesen. Es ist Brauch, die Palm-, Oliven- oder Buchsbaumzweige zuhause als segenbringende Zeichen am Kreuz zu befestigen.

Ablauf der Kar- und Ostertage: Am Palmsonntag beginnt eine Woche vor Ostern die „Karwoche“. Das Wort „Kar” stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Trauer”, „Klage” oder „Kummer” und bezieht sich auf das Leiden Jesu, seinen Tod und seine Auferstehung.

Am Gründonnerstag (von althochdeutsch „greinen” = weinen) gedenkt die Kirche des letzten Abendmahles, das Jesus mit seinen Jüngern hielt, und damit der Einsetzung der Eucharistie. Nach dem Gloria-Gesang im Gottesdienst verstummten Orgel und Glocken. Das mit der Fußwaschung gesetzte Zeichen Jesu wird normalerweise in vielen Gemeinden mit jungen und älteren Gemeindemitgliedern nachempfunden. Nach der letzten Messfeier vor Ostern werden Blumenschmuck und Kerzen abgeräumt. In besonders gestalteten Betstunden oder im stillen Gebet gedenken die Gläubigen des Ölberggeschehens mit der Gefangennahme Jesu und dem beginnenden Leiden.

Der Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung. Er wird als Fasttag und als Zeichen der Trauer in Stille begangen. Am Nachmittag – meist zur „6.Stunde“ um 15 Uhr - versammeln sich die Christen üblicherweise zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte und zur Kreuzverehrung: Das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird nach und nach enthüllt und durch Kniebeugen verehrt. Anschließend folgt eine Kommunionfeier. In vielen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitags Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen statt.

Am Karsamstag, dem Gedächtnistag der Grabesruhe des Herrn, finden niemals Gottesdienst statt; die Altäre in den Kirchen sind dann ohne Kerzen und Blumen. Da der nächste Tag nach der Überlieferung immer schon am Vorabend beginnt, beginnt die feierliche Liturgie der „Feier der hochheiligen Osternacht“ am Abend nach Sonnenuntergang (Vigil / Nachtwache) oder vor der Morgendämmerung am frühen Ostermorgen zwischen 4 und 6 Uhr. Sie gliedert sich in die Lichtfeier (Segnung des Osterfeuers, Verzieren und Entzündung der Osterkerze (geschmückt mit Keuz, fünf Weihrauchkörner als Zeichen der Wundmale und Jahreszahl), Einzug in die dunkle Kirche unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ oder „Christus, das Licht“, Exsultet/Osterlob), in den anschließenden Wortgottesdienst mit den Lesungen (drei bis sieben Texte aus dem Alten Testament), Antwortgesängen und Gloria, bei dem alle Glocken läuten und die Orgel wieder erklingt, zwei Lesungen aus dem Neuen Testament, Osterevangelium und Predigt, Allerheiligenlitanei, Taufe und Taufgedächtnis und die Feier der Eucharistie mit Kommunion in beiden Gestalten von Brot und Wein. Die Messe vollzieht so den Durchgang durch den Tod zum Leben sakramental nach.

Den Ostersonntag feiert Papst Franziskus im Petersdom ab 10.15 Uhr mit der Ostermesse und erteilt anschließend um 12 Uhr auf der Loggia den traditionellen Segen „Urbi et orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“). Am Ostermontag erinnern die liturgischen Texte an das Zusammentreffen der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Christus.

Samstag, 04.04.2020