Zwischen Tanz und Andacht: Der Mai

von Johanna Risse

Mittwoch, 13.05.2015

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Bild: Marienaltar aus St. Martin in Bad Lippspringe / Foto: KIP

Der Mai ist der katholische Marienmonat: Mal nachgefragt, warum. Und was es da alles an Feiern rund um die Gottesmutter gibt, interessiert nicht nur die Historiker. Der Vorname hält sich jedenfalls seit Jahren derzeit mit an der Spitze ....

INFO: Nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden blieben Sophie und Maximilian wieder die beliebtesten Vornamen bei Neugeborenen in Deutschland. Auf dem zweiten Platz folgen – ebenfalls wie schon 2013 - Marie und Alexander. Die vier Namen liegen seit Jahren statistisch an der Spitze, weil sie auch oft als Zweitnamen vergeben werden. Der Gesamt-Vornamensrangliste von fast 56.000 verschiedenen Namen lagen die Daten von bundesweit rund 650 Standesämtern zugrunde. Erfasst wurden mehr als 600.000 Kinder - etwa neun von zehn Geburten 2014. wurden gezählt.

Namenspatronin ist die im Mai besonders gefeierte Maria, Tochter von Joachim und Anna, Mutter Jesu, geboren um 20 v. Chr., gestorben am 15. August 48 (?) in Jerusalem oder in Ephesus, heutiges Ruinenfeld bei Selçuk. Sie war im Leben Jesu bei allen wichtigen Situationen gegenwärtig. Nach Jesu Tod und Auferstehung ging Maria der Überlieferung nach zwischen den Jahren 37 und 48 mit Johannes, dem „Lieblingsjünger“ Jesu, nach Ephesus. Ihr dortiges Grab wird erstmals 431 beim Konzil von Ephesus benannt. In der Kirche auf dem heutigen Ruinenfeld fand 431 das Konzil von Ephesus statt, das den Titel Marias als „theotokos“, „Gottesgebärerin“, bestätigte.

Maria gilt als Vorbild des Glaubens und als „Mutter“ der katholischen Kirche. Dogmatische Aussagen der katholischen Kirche über Maria, die im Laufe der Kirchengeschichte formuliert wurden, sind: Maria ist wahre Gottesmutter; sie hat Jesus jungfräulich durch den Heiligen Geist empfangen; sie ist auch bei und nach der Geburt Jungfrau geblieben; Maria wurde ohne Erbsünde empfangen und blieb in ihrem Leben ohne Sünde; sie ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Vom 12. Jahrhundert an wird Maria mit dem Kind als „Madonna“ verehrt; dem tritt eine Vorstellung aus der Apokalypse (Offenbarung 12) zur Seite: die vom Drachen verfolgte Frau, die das Kind zur Welt bringt, das der Erzengel Michael rettete, und die „von der Sonne bekleidet, von Sternen bekrönt auf dem Monde steht.“ Auch Muslimen gilt sie als „Mutter des Propheten“. Mit dem Kind dargestellt, gilt sie als Patronin der (katholischen) Kirche und der ganzen (katholischen) Christenheit.

Marienwallfahrtsstätten existieren in vielen Teilen der Welt: Im 19. Jahrhundert kam es vielen Visionen, die zur Entstehung neuer Wallfahrtszentren führten, so in Paris seit 1830, in Lourdes seit 1858, im irischen Knock seit 1879, in Fatima in Portugal seit 1917. Allein im Bistum Münster machen sich mit dem traditionsgemäßen Beginn der Wallfahrtssaison am 1. Mai wieder rund 1,5 Millionen Pilger auf den Weg zu 28 Wallfahrtsorten. Die meisten davon – rund 800.000- besuchen das niederrheinische Kevelaer mit dem Gnadenbild von Maria als der ,Trösterin der Betrübten‘. Auf dem Wallfahrtskalender des niederrheinischen Ortes stehen 2015 unter anderem die Motorradwallfahrt am 18./19. Juli, sowie die Wallfahrt der Tamilen am 8. August. Vorgesehen ist in der diesjährigen Saison außerdem eine Interreligiöse Friedenswallfahrt am 28. August. Weitere Infos: www.wallfahrt-kevelaer.de.

Mit rund 100.000 Pilgern rechnet 2015 wieder der Wallfahrtsort Telgte im Kreis Warendorf. Zu der Pietà in der Wallfahrtskapelle kommen jährlich etwa 8.000 bis 9.000 Menschen allein bei der Osnabrücker Wallfahrt am 11./12. Juni. Ein Höhepunkt der Wallfahrtssaison ist die 28. Kutschenwallfahrt an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, mit Festmesse um 11.30 Uhr, die von Weihbischof Wilfried Theising auf der Planwiese gefeiert wird. Für den 21. Juni ist die 37. Krankenwallfahrt des Malteser Hilfsdienstes mit Krankensegnung und mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn vorgesehen. Im Internet findet sich alles Wissenswerte zur Wallfahrt in Telgte unter www.st-marien-telgte.de in der Rubrik ,Telgter Wallfahrt‘. Im oldenburgischen Teil des Bistums ist vor allem der Wallfahrtsort Bethen von Bedeutung. Auch dort werden rund 100.000 Pilger erwartet. Auftakt war am 3. Mai, als gleich drei Wallfahrten den Ort besuchten: die Wallfahrt der KKV-Bezirksgemeinschaft Oldenburg, die 100. Emsteker Gemeindewallfahrt und die Wallfahrt für Reiter und Kutschfahrer. Mehr: www.stmarien.bethen.de

In Haltern am See, wo das ,Halterner Kreuz‘ und auf dem Annaberg das Gnadenbild der ,Mutter Anna‘ verehrt werden, gehen die Verantwortlichen von etwa 70.000 Wallfahrern aus. Das westmünsterländische Schöppingen-Eggerode mit dem Gnadenbild ,Unserer Lieben Frau vom Himmelreich‘ rechnet für diese Saison mit bis zu 80.000 Pilgern. Vor allem Einzelpilger streben nach Warendorf zum Marienbildnis in der Laurentiuskirche. Besonders viele Menschen sind allerdings alljährlich im Rahmen der traditionsreichen Festwoche zu Mariä Himmelfahrt im August vor Ort. Neben den genannten gibt es im Bistum Münster viele weitere kleinere Wallfahrtsorte, beispielsweise Herzfeld bei Lippetal, Marienbaum bei Xanten, Stromberg bei Oelde, Südlohne bei Lohne, Kranenburg, Heek und Goch.

Eine derzeit laufende Sonderausstellung „Pilgerwelten im Religio-Museum für westfälische Kultur in Telgte (Herrenstraße 1-2) ist täglich (außer montags) von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 5,60 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist er frei. Mehr im Internet unter: (http://www.museum-telgte.de/)

Unsere Gesprächspartnerin: Dr. Dagmar Hänel, Leiterin der Abteilung Volkskunde beim LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte. Kontakt: LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Abteilung Volkskunde, Endenicher Str. 133, 53115 Bonn, Tel. 0228 / 98 34 261, E-Mail: dagmar.haenel@lvr.de.

Mittwoch, 13.05.2015