Norbert und die Prämonstratenser

von Christof Beckmann

Mittwoch, 06.06.2018

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Bild: Pater Oliver Potschien vom Prämonstratenserkloster Duisburg-Hamborn, Foto: KIP

Duisburg-Hamborn scheint nicht gerade der Ort für einen frommen Orden. Doch gerade dort sind sie im Einsatz - Prämonstratenser wie Pater Oliver Potschien. Mit Mut und Gottvertrauen geht es für alle Jünger des Hl. Norbert von Xanten in den Tag...

INFO: Norbert von Xanten (1080-1133), Ordensgründer, Bischof von Magdeburg, Erzkanzler für Italien, wurde in Gennep oder Xanten geboren und trat schon als Kind in das St. Viktor-Stift in Xanten ein. Sein Leben in Reichtum und Ansehen stand vor ihm, begleitete als Hofkaplan Kaiser Heinrich V. nach Rom zu dessen Krönung und hatte einen reichen Bischofsposten in Frankreich in Aussicht. Ein Bekehrungserlebnis – er soll 1115 beim Ritt zu einem Damenstift nach Vreden von einem Blitz getroffen worden sein - veränderte sein Leben radikal. Er verzichtete auf alle Stellungen und Pfründe, verteilte sein Vermögen an die Armen, ging ins strenge Benediktinerkloster St. Michael nach Siegburg und später nach Rolduc in Kerkrade, um das Ordensleben kennenzulernen. Er wurde Eremit in Xanten, zog nach dem Vorbild des Urchristentums als Wanderprediger umher, musste sich wegen Ketzerei verteidigen, zog durch ganz Frankreich und wählte das abgelegene Tal von Prémontré. Dort gründete er mit Kanonikern, Laienbrüdern und Laienschwestern ein Kloster nach der Augustinusregel, die sich neben dem kontemplativen Gebet auch der praktischen sozialen Arbeit widmeten. Als Habit wählte Norbert ungebleichte Wolle, die zum charakteristischen Ordenskleid wurde. Schnell entstanden weitere Ableger der ersten Gründung und am 16. Februar 1126 wurde der neue Orden von Papst Honorius II. bestätigt. Beim Reichstag zu Speyer übernahm er das Amt des Erzbischofs von Magdeburg und begann mit unnachgiebigen Reformen in Klerus und Kirche. Aus dem asketischen Wanderprediger und Weltverächter wurde ein Reichsfürst, dessen Missionspläne weitgehend scheiterten. Norbert starb nach einer Romreise am 6. Juni 1134 in Magdeburg, wurde in der Kirche des Klosters Unser Lieben Frauen feierlich beigesetzt und 1626 während des Dreißigjährigen Krieges in das Prämonstratenserkloster Strahov nach Prag überführt.

Seine Gemeinschaft der nach dem ersten Kloster benannten Prämonstratenser (Ordo Praemonstratensis, abgekürzt: OPraem) breitete sich schon während seinen Lebzeiten mit mehreren hundert Niederlassungen in ganz Westeuropa aus. Von den um die Mitte des 14. Jahrhunderts mehr als 1.300 Männer- und 400 Frauenklöstern, die vielfache Reformen und Enteignungen erlebten, waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch acht Häuser in Österreich-Ungarn übrig. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es wieder 20 Ordenshäuser mit etwa 1.000 Priestern. Heute hat der Orden etwa 100 Niederlassungen auf allen Kontinenten mit weltweit rund 1.300 katholischen Priestern, die gemäß der Regel des Hl. Augustinus im Dienst an Kirche und Welt zusammen leben, beten und arbeiten.

Kontakt: Der Prämonstratenserorden in Deutschland: www.opraem.de, alle heutigen und ehemaligen Prämonstratenserklöster im deutschen Sprachgebiet: www.praemonstratenser.de, alle heutigen und ehemaligen Prämonstratenserklöster weltweit: www.premontre.org, Heilige und Selige des Ordens: www.postulatio.info

Prämonstratenser in Duisburg-Hamborn: Die Geschichte des Prämonstratenserklosters St. Johann, Abtei Hamborn, geht bis 1136 zurück. Nach der Besiedlung durch das Kloster Steinfeld in der Eifel wurde die Pfarrkirche zur Klosterkirche, es entstanden der Kreuzgang und die notwendigen Klostergebäude. Nach der Weihe 1170 durch den Erzbischof von Köln wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Sie bestand bis zur Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen und der Aufhebung 1806. Die Klostergüter fielen an den Staat, die Klosterkirche blieb der Hamborner Bevölkerung als Pfarrkirche erhalten. Die Chorherren wurden gezwungen, ihr Kloster zu verlassen und nach 670 Jahren ihr gemeinsames Leben aufzugeben. Im Zuge der Gründung des Bistums Essen 1958 wurde das Kloster am 24. August 1959 wurde durch Prämonstratenser aus Österreich von der Kanonie Windberg aus wiederbesiedelt und vom Generalkapitel 1994 wieder zur Abtei erhoben. 1995 gründeten die Hamborner Prämonstratenser ein Priorat in Magdeburg mit fünf Mitbrüdern.
Neben der pastoralen Arbeit in der Hamborner Pfarrgemeinde Propstei St. Johann mit den Filialkirchen St. Joseph, St. Franziskus und Liebfrauen versehen die rund 30 Mitglieder auch die Seelsorge in der Gemeinde St. Maximilian und Ewaldi, am Hamborner St.-Johannes-Hospital und anderen Krankenhäusern, in der Pfarrei St. Johannes in Cappenberg (Bistum Münster), in den Pfarreien St. Andreas und St. Petri sowie in der katholischen Studentengemeinde St. Augustinus in Magdeburg und in der Pfarrei Heilig Kreuz in Biederitz (alle Bistum Magdeburg), dazu in den Pfarreien St. Mariä Himmelfahrt in Bendorf-Sayn und St. Clemens Maria Hofbauer in Bendorf-Mülhofen (Bistum Trier). Zudem nehmen sie Aufgaben in der bischöflichen Verwaltung wahr, in der Hochschularbeit und Studentenseelsorge, der Leitung des Hilfswerks SUBSIDIARIS (Magdeburg), in der Unternehmensberatung, im schulischen Unterricht, in der geistlichen Betreuung von Ordensschwestern, kirchlichen Vereinen und Verbänden sowie in Lehre und Wissenschaft an den Universitäten Salzburg, Erfurt, Münster und Bochum sowie in der Kranken- und Altenseelsorge.
Das Abteizentrum umfasst ein Seminar- und Tagungshaus sowie ein Kultur- und Tourismuszentrum mit Gaststätte sowie Besprechungsräumen und Sälen bis zu 350 Personen. Im gleichen Haus ist die Katholische Familienbildungsstätte untergebracht. Für einzelne Interessenten besteht die Möglichkeit, auch mehrtägige Gastaufenthalte im Kloster zu verabreden, Gruppen können zu seelsorgliche Begleitung (ohne Übernachtung) für Seminar- und Besinnungstagungen kommen. Bei den Gebetszeiten des Konventes ist jeder Beter willkommen. Die drei gemeinsamen täglichen Gebetszeiten werden unterschiedlich gestaltet: Das Morgenoffizium und die Mittags-Hore werden deutsch und das Abendoffizium wird durchweg lateinisch gesungen.
Auf dem Gelände der Abtei Hamborn im sozialen Brennpunkt des Duisburger Nordens befinden sich das Abtei-Gymnasium, das mit einem Tourismusbüro ausgestattete Abteizentrum für Tagungen und Kulturveranstaltungen und das St. Johannes-Hospital. Interessenten können mehrtägige Gastaufenthalte im Kloster verabreden, für Gruppen gibt es seelsorgliche Begleitung (ohne Übernachtung) für Seminar- und Besinnungstagungen.
Kontakt: Prämonstratenser-Abtei St. Johann Hamborn, An der Abtei 4-6, 47166 Duisburg-Hamborn, Tel. 0203 / 57890-0, Fax 0203 / 57890-111, E-Mail: info@abtei-hamborn.de, Internet: www.abtei-hamborn.de, www.abteizentrum.de.

Sozialpastorales Zentrum Petershof: Der im September 2012 eingerichtete Petershof an der St. Peters-Kirche liegt als Sozialpastorales Zentrum mitten in Duisburg-Marxloh, einem Stadtteil „mit besonderem Erneuerungsbedarf“. Hier bietet und bündelt der Petershof soziale Hilfsangebote und Projekte in Vernetzung unterschiedlicher Träger und einem lebendigen Gemeindeleben. In Spitzenzeiten nehmen wöchentlich gut 1.000 Menschen die verschiedenen Angebote rund um St. Peter in Anspruch - von der Gesundheitssprechstunde über die Lebensmittelausgabe, Deutschkurse und Sozialberatung bis hin zu Jugendgruppen und Netzwerktreffen. Dafür sorgen etwa 30 angestellte Mitarbeiter und rund 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus einem guten Dutzend verschiedener Nationen. Im Projekt „Infirmarium“, der gesundheitlichen Versorgung in der Sprechstunde, die seit Januar 2017 von der MalteserMigrantenMedizin übernommen wurde, liegt ein Arbeitsschwerpunkt in der Prävention und der Ausbildung von Menschen in verschiedenen Gesundheitsbereichen: Von der Schwangerschaftsberatung über Hygieneschulungen bis zur Ersten Hilfe. Auch werden Jugendliche mit dem Georgswerk als Stadtteilsanitäter ausgebildet. Für ihr enges Engagement mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften vor Ort haben Pater Oliver Potschien und sein Team im Jahr 2015 den „Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ erhalten.

Kontakt: P. Oliver Potschien O.Praem., Petershof Marxloh, Sozialpastorales Zentrum an der kath. Kirche St. Peter, Mittelstr. 2,  47169 Duisburg-Marxloh, Tel. 0203 / 40 07 56, Internet: www.peter-und-paul-marxloh.de

Video: Petershof Marxloh. Ein Film anlässlich der Verleihung des 2015 erstmals vergebenen „Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ der Deutschen Bischofskonferenz an den Petershof

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