Malteser: „Am Rad der Geschichte gedreht“

von Stefan Klinkhammer

Donnerstag, 03.10.2019

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Zeitzeugen (v. l.): Die Paderborner Malteser Wolfgang Röver, Wilfried Schild und Wolfgang Triller betreuten 1989 in Budapest ausreisewillige DDR-Bürger. Foto: Frank Kaiser / Malteser in der Erzdiözese Paderborn.

Heute ist Tag der Deutschen Einheit. Und er wäre nicht denkbar ohne den 11.9.1989: Damals öffnete Ungarn für DDR-Flüchtlinge seine Grenze zu Österreich. Auch Paderborner Malteser waren als Helfer vor Ort. Der wohl ungewöhnlichste Einsatz ihres Lebens.

INFO: Der 3. Oktober, als Tag der Deutschen Einheit im Einigungsvertrag 1990 zum arbeitsfreien gesetzlichen Feiertag in Deutschland bestimmt, erinnert an die deutsche Wiedervereinigung, die durch den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 vollendet wurde. Die offizielle zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit findet seit 1990 in der Landeshauptstadt des Landes statt, das aktuell den Vorsitz im Bundesrat hat. 2019 ist Kiel, Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, Schauplatz des Tages. Dort findet um 10.00 Uhr in Kiel ein ökumenischer Gottesdienst statt. An der Feier in der Kirche Sankt Nikolai nehmen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Predigt halten die Schweriner Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Der Gottesdienst steht unter dem Motto „Gottes Kraft erneuert“ und wird von ARD und ZDF live übertragen. Die zentrale Feier zum Tag der deutschen Einheit am 2. und 3. Oktober in Kiel steht unter dem Motto „Mut verbindet“. Zu einem großen Bürgerfest werden in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gut 500.000 Gäste erwartet. Mehr: https://mut-verbindet.de/

Bereits ein gutes Jahr vor dem ersten Einheits-Fest fiel die Mauer: Am 9. November 1989 war der „Eiserne Vorhang“ Geschichte. Was häufig in Vergessenheit gerät: Schon einige Wochen vorher, heute vor 30 Jahren, öffnete Ungarn seine Grenze zu Österreich. Die Arnsberger Malteserin Csilla von Boeselager erfuhr von der Lage der DDR-Flüchtlinge in der Deutschen Botschaft in Budapest und handelte: Sie stellte den Kontakt zu den Paderborner Maltesern her, die dann dort gemeinsam mit ungarischen Maltesern die Betreuung der Flüchtlinge übernahmen. Mit dabei als Helfer vor Ort: Wolfgang Röver (51), Wilfried Schild (68) und Wolfgang Triller (67). Mehr unter: https://www.malteser.de/budapest1989

Bei einer Feierstunde der Malteser wird heute in Berlin daran erinnert. Seit dem 11. September würdigt dort die Ausstellung „Erinnerungen an Budapest 1989 – Zeitzeugen berichten“ das Engagement der Malteser. Die Ausstellung erzählt zum 30. Jahrestag komprimiert die Geschichte der Hilfsaktion der Malteser und ordnet das Ereignis ein in den großen Umbruch von 1989. Insgesamt flohen im Sommer und Herbst 1989 mehr als 55.000 DDR-Bürger über das Zeltlager in der Zugliget-Kirche und über weitere Zeltlager im Umfeld in die Bundesrepublik Deutschland. Wenig später fiel auch in Deutschland die Grenze.Für die Malteser war der Einsatz in Budapest die verbandliche Initialzündung für den Aufbau ihres Auslandsdiensts. Bis heute arbeiten die Malteser partnerschaftlich mit karitativen Organisationen in den ehemaligen Ostblockstaaten zusammen.
Adresse: Malteser in der Erzdiözese Paderborn, Kamp 22, 33098 Paderborn, Tel. (05251) 13550, Fax 05251 / 135566, E-Mail paderborn(at)malteser(dot)org, Internet: https://www.malteser-paderborn.de. Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V., Pax-Bank, IBAN: DE43370601201201216393 | BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7

Die Malteser: Der bis heute gültige Ordensleitsatz „Tuitio fidei et obsequium pauperum / Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen” des „Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta” geht auf die ersten Regel der 1048 ins Leben gerufenen Hospitalbrüderschaft des Hl. Johannes zu Jerusalem zurück. Papst Paschalis II. stellte ihr Hospital 1113 unter den Schutz des Hl. Stuhles und der Orden wurde rechtlich eigenständig. Als Zeichen nahm er das achtspitzige weiße Kreuz an, dem die acht Seligpreisungen der Bergpredigt zugeordnet sind. Im 12. und 13. Jahrhundert entstand in Deutschland ein Großpriorat und im heutigen NRW, Dutzende „Kommenden” wurden nach der ersten Niederlassung in Duisburg von der Eifel übers Bergische Land bis nach Ostwestfalen gegründet. Nach den Kreuzzügen ging die Ordensleitung nach Zypern, 1310 nach Rhodos. 1530 siedelten sich die vertriebenen Ordensritter in Malta an. Nach der Vertreibung durch Napoleon Bonaparte ist der Orden seit 1834 in Rom ansässig. Der Malteserorden unterhält diplomatische Beziehungen zu 104 Staaten und hat ständige Beobachter Vertretungen bei den Vereinten Nationen und seinen Sonderorganisationen.
Die Deutsche Assoziation des Souveränen Malteser Ritterordens entstand 1993 durch den Zusammenschluss der 1859 gegründeten Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser-Devotionsritter und des 1866 gegründeten Vereins Schlesischer Malteserritter. Sie hat rund 550 Mitglieder und ist Initiatorin und Trägerin verschiedener Ordenswerke in Deutschland, vor allem der Deutschen Malteser gGmbH mit ihren Tochtergesellschaften und des Malteser-Hilfsdienstes e.V. (MHD). Die Sanitäts- und Katastrophenschutz-Organisation der Katholischen Kirche in Deutschland wurde 1953 durch den Malteserorden und den Deutschen Caritasverband gegründet, ist bundesweit an mehr als 700 Orten vertreten und zählt über eine Million Mitglieder und Förderer. Der ehrenamtlich geprägte Malteser Hilfsdienst e.V. ist entsprechend den Strukturen der katholischen Kirche in Diözesen gegliedert. Seine Helferinnen und Helfer engagieren sich im Katastrophenschutz und Sanitätsdienst genauso wie in der Erste-Hilfe-Ausbildung oder in den ehrenamtlichen Sozialdiensten. In der Hospizarbeit begleiten die Malteser unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen. Spiele, Sport und soziales Engagement verbinden die 8.000 Mitglieder der Malteser Jugend. Internet: www.malteser.de

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