Mutter Teresa von Kalkutta

von Christof Beckmann

Donnerstag, 05.09.2019

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Vatikan-Briefmarke und Nobelpreismedaille, Montage: KIP

Heute steht sie auf dem Kalender: Mutter Teresa von Kalkutta. Den heutigen Todestag der energischen Frau haben aber auch die Vereinten Nationen aufgegriffen: Mit dem "Tag der Wohltätigkeit" wird dazu aufgerufen, sich ehrenamtlich für andere einzusetzen...

INFO: Mit dem 2012 durch die Vereinten Nationen (UN) initiierten „Internationalen Tag der Wohltätigkeit“ wird jeweils am 5. September 2019 dazu aufgerufen, sich ehrenamtlich und wohltätig einzusetzen und anderen zu helfen. Ziel ist es, humanitäre Krisen zu lindern, öffentliche Dienste wie das Gesundheits- und Bildungswesen zu verbessern und die kulturelle Entwicklung zu fördern. Dadurch sollen soziale Bindungen gestärkt und widerstandfähigere Gesellschaften entstehen. Mit der Wahl des Todestages von Mutter Teresa werden alle geehrt, die sich für diese Ziele einsetzen.

Mutter Teresa von Kalkutta: Die kleine, gebückte Frau in weißblauem Gewand wurde von vielen Menschen schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt. Mutter Teresa (1910-1997), der „Engel von Kalkutta“, wurde am 26. August 1910 mit bürgerlichen Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu im heute mazedonischen Skopje geboren und wollte schon früh Missionsschwester werden. Mit 18 Jahren trat sie bei den Loreto-Schwestern im irischen Dublin ein, die sie als Lehrerin nach Kalkutta sandten und vor 90 Jahren begann sie ihr Noviziat in der Stadt Darjeeling. In Kalkutta legte sie die Profess ab und war dort siebzehn Jahre zuerst als Lehrerin, später als Schulleiterin in der St. Mary’s School tätig. 1948 verließ sie die Gemeinschaft, um in einem der schlimmsten Elendsviertel der Stadt das Leben der Armen zu teilen. Schon ein Jahr später gründete sie mit einheimischen jungen Frauen die Gemeinschaft der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ (Missionaries of Charity, MC), die 1950 vom Vatikan als Einrichtung diözesanen Rechts die offizielle Anerkennung erhielt. Ordenstracht ist der weiße Sari mit dem blauen Band. Neben den drei klassischen Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams verpflichten sich die Schwestern auch zum Dienst an den Ärmsten der Armen.

Für ihr Werk wurden Mutter Teresa mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt: Sie erhielt unter anderem 1973 den Templeton-Preis, 1975 den Albert-Schweitzer-Preis, 1978 den Balzan-Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern, 1979 den Friedensnobelpreis und 1996 die Ehrenstaatsbürgerschaft der USA. Im März 1997 gab Mutter Teresa beim Generalkapitel die Ordensleitung an Schwester Nirmala Joschi ab. Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa 87-jährig in Kalkutta. Bereits im Juni 1999 begann mit besonderer Erlaubnis von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) der Prozess für ihre Seligsprechung. Das bis dahin kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit endete mit der Seligsprechung Mutter Teresas vor rund 300.000 Menschen am 19. Oktober 2003 in Rom. Die Heiligsprechung wurde am Vortag ihres liturgischen Gedenktages von Papst Franziskus am 4. September 2016 auf dem Petersplatz in Rom proklamiert und galt als einer der Höhepunkte des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“. Ihr Gedenktag in der Liturgie der römisch-katholischen Kirche ist ihr Todestag am 5. September.

Die Gemeinschaft „Missionarinnen der Nächstenliebe“ gilt als eine der erfolgreichsten Ordensgründungen des 20. Jahrhunderts. Inzwischen ist der Orden nahezu auf der ganzen Welt verbreitet – auch in Deutschland: Hier gründeten Schwestern Mutter Teresas 1979 die erste deutsche Niederlassung in Essen. Weitere Häuser entstanden in Berlin-Kreuzberg, Chemnitz, Mannheim, Hamburg, München und Frankfurt am Main. Heute gehören den Missionaren der Nächstenliebe über 5.000 Ordensschwestern in 135 Ländern der Erde an. Seit dem 24. März 2009 wird der Orden von Schwester Mary Prema Pierick geleitet, die aus dem münsterländischen Groß Reken stammt.

Kontakt: Missionarinnen der Nächstenliebe, Elisenstraße 15, 45139 Essen, Tel. 0201 / 23 56 41.

Werke: Der einfache Weg, Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, 1997; Leben, um zu lieben, Herder, Freiburg, 1999; Was zählt, ist das Herz. Gebete, Gedanken Meditationen, Benno-Verl., Leipzig, 2004. Thomas T. Mundakel: Der Engel der Armen. Mutter Teresa, die Biographie, Pattloch Verl., München, 2003.

 

Das Gebet, das Mutter Teresa bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 in der Universitätsaula in Oslo vorlegte, war das Friedensgebet des Hl. Franziskus:

 

Friedensgebet, dem Hl. Franziskus zugeschrieben

Herr,

mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr,

lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde,

sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde,

sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde,

sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird vergeben;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Donnerstag, 05.09.2019