Tag gegen Kinderarbeit

von Stefan Klinkhammer

Freitag, 12.06.2020

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Heute ist internationaler Tag gegen Kinderarbeit. Denn noch immer müssen viele Kinder zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Wie sieht es in Zeiten von Corona in einem der ärmsten Länder der Erde aus? Nachgefragt in der Dominikanischen Republik...

INFO: Weltweit wird der 12. Juni als „Internationaler Tag gegen Kinderarbeit“ gegangen – ein zentrales Arbeitsfeld des Kindermissionswerks ,Die Sternsinger‘ e.V.: Auf einer eigenen Themenseite schildert die Organisation die Schicksale der 152 Mio. Kinder weltweit, die nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) regelmäßig mehrere Stunden täglich arbeiten – mehr als die Hälfte davon sogar unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen, zum Beispiel in Steinbrüchen oder auf Plantagen. Diese Kinder müssen arbeiten, weil ihre Familien arm sind und die Eltern kein gesichertes Einkommen haben. In der Regel verhindert die Arbeit der Kinder einen regelmäßigen Schulbesuch und schädigt in vielen Fällen die gesunde Entwicklung des Kindes. Die Sternsinger bringen auch eigenes Dossier zum Thema.

Durch aktuelle Beiträge unterstreicht das in Aachen ansässige Hilfswerk die Herausforderungen für die vielen Projektpartner während der aktuellen Corona-Krise. In der Dominikanischen Republik im Ostteil der Insel Hispaniola in der Karibik (Große Antillen) herrschen große Unterschiede zwischen der armen Bevölkerung und der reichen Oberschicht. Viele Kinder arbeiten, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Trotz Bildungsmaßnahmen verlassen viele Kinder frühzeitig die Schule. Wer eine geistige Behinderung hat, wird von staatlicher Seite kaum unterstützt. Wie die Sternsinger berichten, erhalten Kinder und junge Erwachsene mit geistiger Behinderung in den Schulen der Fundación Escuelita Rayo de Sol („Sonnenstrahl“) in Santo Domingo eine individuelle Förderung, so Christel Lammers, Assistenz der Direktorin. Sie bekommen Hilfe beim Lernen, nehmen teil an kulturellen und sportlichen Aktivitäten. Zusätzlich werden sie arbeitstherapeutisch unterstützt und können mit dem Verkauf hergestellter Waren zur Versorgung der eigenen Familie beitragen. Die kleine Schule wurde 1987 von Jacinta Torres mit acht Schülern gegründet. Zwei Jahre später begann sie ebenfalls in Villa Altagracia eine Schule aufzubauen. Mittlerweile besuchen rund 430 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistigen Einschränkungen die Einrichtungen täglich.

Statement des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘ zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni: Anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni macht das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ auf das Schicksal von Millionen arbeitender Kinder weltweit aufmerksam. Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Kindermissionswerks, verurteilt jedwede Form ausbeuterischer Kinderarbeit und zeigt sich tief besorgt über die sich verschlechternde Lebenssituation vieler Mädchen und Jungen in der Corona-Krise:

„In Ghana schuften Kinder in sengender Hitze auf freiem Feld, um winzige Goldkörnchen aus der staubigen Erde zu sieben. Im Senegal müssen Mädchen viele Stunden als Straßenverkäuferinnen oder Hausmädchen arbeiten. In Indien ackern Mädchen und Jungen in Steinbrüchen oder sitzen den ganzen Tag hinter einem Knüpfstuhl, um Teppiche herzustellen. Und in der Elfenbeinküste arbeiten Kinder stundenlang auf Kakaoplantagen.
Wenn Millionen Mädchen und Jungen weltweit unter diesen unmenschlichen, gesundheitsschädigenden Bedingungen arbeiten, sind das untragbare Zustände. Als Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ verurteilen wir jedwede Form ausbeuterischer Kinderarbeit. Ausbeuterische Kinderarbeit ist ein Verbrechen und raubt den Mädchen und Jungen ihre Zukunft, ihre Lebensträume. Kinder sollen spielen, lernen und unbeschwert aufwachsen. Darauf haben sie ein Anrecht. Ausbeuterische Kinderarbeit ist verboten und verletzt fundamentale Kinderrechte.
Die Corona-Krise verschärft die Situation vieler Kinder in den Entwicklungsländern. In den Familien wächst der ökonomische Druck durch den Wegfall des Einkommens, noch dazu sind die Schulen geschlossen. Dies führt dazu, dass noch mehr Mädchen und Jungen arbeiten müssen, damit die Familie überleben kann. Aufgrund dieser Notlage vieler armer Familien erhöht sich auch die Gefahr der sexuellen Ausbeutung von Kindern.
Die Sternsinger engagieren sich seit vielen Jahren gemeinsam mit ihren Partnern in aller Welt gegen die Ausbeutung von Kindern. Allein im Jahr 2019 hat das Kindermissionswerk 42 Projekte gegen ausbeuterische Kinderarbeit mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert. Zu den vielfältigen Maßnahmen zählt zum Beispiel die Bekämpfung von Armut. Denn es sind vor allem Töchter und Söhne armer Eltern, die ihre Kindheit gegen einen Arbeitsplatz eintauschen müssen. Wir sorgen dafür, dass Kinder eine Schule besuchen können. Denn Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft. Und wir lassen die arbeitenden Kinder selbst zu Wort kommen, zum Beispiel durch Kinderrechteclubs oder Kinderparlamente. Aber auch wir als Verbraucher in Deutschland können etwas im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit tun, indem wir unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen. Denn viele Produkte, die wir aus dem täglichen Gebrauch kennen, wie Kleidung, Schokolade oder Kaffee, werden – zumindest teilweise – mithilfe von Kinderarbeit billig hergestellt.
Um Kinderarbeit abzuschaffen, müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Löhne und Preise gezahlt werden, die Familien ein existenzsicherndes Einkommen gewährleisten. Nur wenn Lieferanten im Ausland soziale und ökologische Mindeststandards einhalten, können Missstände wie Hungerlöhne und Kinderarbeit erfolgreich bekämpft werden. Daher unterstützt das Kindermissionswerk weiterhin die Forderung nach einem Lieferkettengesetz. Wir brauchen verbindliche Regeln für Unternehmen, damit diese die Menschenrechte achten und die Zerstörung der Umwelt vermeiden. So schützen wir letztlich auch die Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeitenden Kinder in aller Welt.“
Weitere Informationen zum Thema Kinderarbeit unter https://kinderarbeitstoppen.de und www.sternsinger.de/projekte/kinderarbeit/themenseite-kinderarbeit/, mehr zur Initiative Lieferkettengesetzhttps://lieferkettengesetz.de

Sternsinger: Träger der deutschen Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als Dachverband vieler katholischer Jugendorganisationen. Seit 1959 hat sich das Sternsingen zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Seitdem wurden rund 1,14 Milliarden Euro gesammelt für mehr als 74.000 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. Bei der vergangenen Aktion konnte mit einem Spendenaufkommen von 50,2 Millionen Euro ein Rekordergebnis und erstmals die 50-Millionen-Marke überschritten werden. Auch in Nordrhein-Westfalen steigerten die als Heilige Drei Könige verkleideten Jungen und Mädchen das Sammelergebnis. In den fünf NRW-Bistümern Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn kamen nach den Angaben rund 12 Millionen Euro zusammen, etwa 437.000 Euro mehr als im Jahr davor. Insgesamt beteiligten sich hier 1.874 Gemeinden und Gruppen, 11 mehr als 2018.
Kontakt: Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘ e.V., Stephanstraße 35, 52064 Aachen, Tel. 0241 / 44 61-0, E-Mail: kontakt@sternsinger.de. Mehr: http://www.kindermissionswerk.de. Spendenkonto: Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX.

Freitag, 12.06.2020