100. Todestag: Pater Jordan – Gründer der Salvatorianer

von Christof Beckmann

Montag, 10.09.2018

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Er starb vorgestern vor genau 100 Jahren – und hatte ein spannendes Leben hinter sich: Johann Baptist Jordan. Vor 130 Jahren rief er die Salvatorianer ins Leben, kurz darauf mit Therese von Wüllenweber auch den weiblichen Ordenszweig ...

INFO: Johann Baptist Jordan, am 16. Juni 1848 im badischen Gurtweil nahe Waldshut in ärmsten Verhältnissen geboren, machte eine Ausbildung als Dekorationsmaler, ging als Geselle der Kolpingfamilie auf Wanderschaft und war zeitweise Rottenarbeiter beim Verlegen von Eisenbahngleisen. Seine dürftige Schulbildung holte er nach, hatte mit 26 Jahren das Abitur, studierte an der Universität in Freiburg Theologie und Philologie und erwarb herausragende Sprachkenntnisse. 1878 wurde er geheim zum Priester geweiht, denn im Kulturkampf in Deutschland stand die Weihe unter Strafe. Er wich nach Rom aus, studierte aramäische, syrische und koptische Sprachen am Kolleg für Weltpriester an Sant'Apollinare, reiste in den Orient und ins Heilige Land. Die Reise verstärkte seinen Wunsch, eine Gemeinschaft zu gründen, die in die Weltmission wirken, aber auch das Laienapostolat fördern sollte. Am 8. Dezember 1881 rief er mit den deutschen Priestern Bernhard Lüthen und Friedrich von Leonhardi in Rom die Apostolische Lehrgesellschaft für Männer und Frauen ins Leben, legte am 11. März 1883 die Ordensgelübde ab und nahm selbst den Ordensnamen Franziskus vom Kreuz an.
Gegen Widerstände in der päpstlichen Kurie entwickelte sich die „apostolische“ Gemeinschaft zur „Gesellschaft des Göttlichen Heilandes“ (Salvatorianer). Der Orden erhielt 1911 die päpstliche Approbation und Franziskus Maria vom Kreuze Jordan widmete sich der Stabilisierung seines Werkes, initiierte mehrere Niederlassungen in Europa, Nord- und Südamerika und Indien.

1915 zog er wegen seiner angegriffenen Gesundheit und des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs mit dem Generalat der Salvatorianer nach Fribourg in die neutrale Schweiz, zugleich trat er von der Leitungsaufgabe zurück. Als er vor 100 Jahren - am 8. September 1918 - in Tafers/Schweiz im Ruf der Heiligkeit starb, zählte die Gemeinschaft 455 Mitglieder. Sein Seligsprechungsprozess wurde 1942 eingeleitet, 1956 wurden die Gebeine von Franziskus vom Kreuz Jordan ins Generalat der Salvatorianer nach Rom überführt und am 14. Januar 2011 erkannte Papst Benedikt XVI. dem Ordensgründer den heroischen Tugendgrad zu.

Salvatorianer: Für die Ordensgemeinschaft aus Ordensmännern, Ordensfrauen und Laien hat in ihrem Einsatz für „missionarische Pastoral und Bildung“ ein Satz aus dem Johannesevangelium eine besondere Bedeutung: „Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den Du gesandt hast.“ Weltweit gibt es 1.250 Salvatorianerinnen in 30 Ländern, etwa 1.200 Salvatorianer und 1.300 Salvatorianische Laien in ganz Europa, in den USA, Südamerika und Afrika vor allem in den Bereichen Verkündigung und Kampf gegen Menschenhandel.
In der deutschen Ordensprovinz mit Sitz in München sind knapp 60 Salvatorianer tätig. In Nord- und Süddeutschland wirken Salvatorianerinnen und Salvatorianer in den Diözesen Augsburg, München, Passau, Rottenburg-Stuttgart, Würzburg, Berlin, Münster, Aachen, Köln, Paderborn, Hildesheim und Trier. Nach Beschluss des Generalkapitels der Deutschen Provinz zu Ostern 2018 in Steinfeld/Eifel werden von acht Niederlassungen des Männerordens vier dauerhaft erhalten - trotz des personellen Engpasses: München-Laim (Erzdiözese München Freising), Berlin-Schmargendorf (Erzdiözese Berlin), Steinfeld-Eifel (Diözese Aachen) und Bad Wurzach-Oberschwaben (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Aufgelöst werden Lochau/Hörbranz-Vorarlberg (Diözese Feldkirch), Münster-St. Gottfried (Diözese Münster), Maria Steinbach (Diözese Augsburg) und Stuttgart-Giebel (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Einen besonderen Status hat die Niederlassung in Gurtweil/Waldshut, dem Geburtsort von Salvatorianer-Gründer Pater Franziskus Jordan.
Das laufende Pater Franziskus Jordan-Jahr der Salvatorianischen Gemeinschaften wurde mit mehreren Veranstaltungen begangen – zuletzt am 08.09. mit einem weltweiten Gebet der salvatorianischen Familie zur Todesstunde des Gründers und einem Fest am 09.09. in seinem Geburtsort Gurtweil.

Provinzial: P. Hubert Veeser SDS, Agnes-Bernauer-Str. 181, 80687 München, Tel. 089 / 546737-31, Fax 089 / 546737-32, E-Mail: provinzial@salvatorianer.de,  Internet: http://www.salvatorianer.de, Salvatorianer international: www.sds.org, Salvatorianerinnen in Deutschland: www.salvatorianerinnen.de, Gemeinschaft Salvatorianischer Laien in Deutschland: http://www.laiensalvatorianer.de, Salvatorianer Weltweit: www.salvatorianer-weltweit.org

Salvatorianerinnen: Auch der weibliche Zweig des Ordens, die „Schwestern des Göttlichen Heilandes“ (Salvatorianerinnen), feiern in diesem Jahr ein rundes Jubiläum - vor 130 Jahren, am 8. Dezember 1888,  wurden sie durch Franziskus vom Kreuz und Therese von Wüllenweber in Tivoli bei Rom gegründet. Die Freifrau aus dem niederrheinischen Korschenbroich, am 19.02.1833 auf Schloss Myllendonk geboren, erhielt eine hervorragende Bildung, war zwei Jahre in einem Pensionat von Benediktinerinnen in Lüttich und wollte von Jugend an als Ordensfrau in die Mission gehen. Sie versuchte es bei verschiedenen Kongregationen In Vaals/NL, Warendorf, Orleans, Mülheim an der Möhne, Brüssel, Lüttich und Gent, wurde aber nicht aufgenommen. Ab 1876, mit 43 Jahren, richtete sie selbst im ehemaligen Kloster Neuwerk bei Mönchengladbach mit dem Barbarastift ein Haus für Waisen ein und führte mit anderen Frauen dort ein klosterähnliches Leben. 1882 traf sie in Rom auf Pater Jordan und seine  Apostolische Lehrgesellschaft, schloss sich der Gesellschaft an und legte ihr Gelübde ab. 1888 gründeten den 2. Orden der Katholischen Lehrgesellschaft, Therese nahm 1889 als Oberin den Ordensnamen Maria von den Aposteln an. Als die Gesellschaft 1893 in Societas Divini Salvatoris (SDS / Gesellschaft des Göttlichen Heilandes) umbenannt wurde, nannte sich der weibliche Zweig Sorores Divini Salvatoris (Schwestern vom Göttlichen Heiland) - kurz Salvatorianer und Salvatorianerinnen.

Die Schwesterngemeinschaft mit ihrem Mutterhaus in Rom verbreitete sich in Italien, Indien, in der Schweiz, Österreich, Ungarn, Belgien und den USA. Von zahlreichen Krankheiten geschwächt, starb die Generaloberin am 25. Dezember 1907 in Rom an einer Hirnhautentzündung und wurde auf eigenen Wunsch auf dem Campo Santo Teutonico beigesetzt. Vier Jahre nach ihrem Tod bestätigte der Vatikan 1911 den Orden mit dem „Decretum laudis“ und erhielt 1926 die kirchliche Approbation. 1952 wurden ihre Gebeine in das Mutterhaus der Salvatorianerinnen in Mutterhaus in Rom überführt, Papst Paul VI. sprach sie am 13. Oktober 1968 selig. 2013 wurde eine neue gegründete Pfarrei in MG-Neuwerk nach ihr benannt. Heute arbeiten etwa 1200 Schwestern in 30 Ländern in Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika vor allem in caritativen und schulischen Aufgabenfeldern.

Salvatorianerinnen in Deutschland: Niederlassungen der Salvatorianerinnen der deutschen Provinz bestehen in Kerpen-Horrem mit 36 Schwestern (Provinzhaus, Mitleben in der Gemeinschaft auf Anfrage möglich, Exerzitien- und Tagungshaus, Mädchenrealschule, Gästehäuser mit 44 Einzelzimmern), Bad Wurzach, Berlin-Waidmannslust, Börwang, Grevenbroich, Mönchengladbach-Neuwerk (Krankenhaus „Maria von den Aposteln”, Klosterkirche Neuwerk, Passau, Kall-Steinfeld, Stralsund, Warburg: Seniorenzentrum „St. Johannes” mit Wohnanlage. Neben dem Kursprogramm in den Tagungshäusern sind ein besonderes Angebot „Tage der Stille“ im Kloster Neuwerk in Mönchengladbach (www.klosterkirche-neuwerk.de), Pilger- und Gästehäuser der Salvatorianerinnen bestehen in Rom www.villamaria.pcn.net und in Meran www.sds-meran.org - dort kann man auch das Angebot 'Kloster auf Zeit' nutzen.

Provinzialat der Salvatorianerinnen: Höhenweg 51, 50169 Kerpen-Horrem, Tel. 02273 / 602-0 (Zentrale), Fax 02273 / 602-110, E-Mail: prov.horrem@salvatorianerinnen.de, Provinzleiterin: Sr. Klara-Maria Breher, Hausleiterin: Sr. Margret Rolf, Salvatorianerinnen in Deutschland: www.salvatorianerinnen.de.

Unsere Gesprächspartnerinnen: Schwester Marianne Stracke ist vor 51 Jahren in den Orden eingetreten und von Beruf Lehrerin. Sie leitet unter anderem das Provinz-Archiv und lebt seit 1994 mit ihren Mitschwestern im Kloster Neuwerk. Kontakt: Sr. Marianne Stracke SDS, Mönchengladbach-Neuwerk und Kerpen-Horrem Tel. 02161/6684401; Schwester Uta ist Anfang der 1960ger Jahre in den Orden eingetreten und hat Heim-Erziehung, Jugend-Arbeit und Pflege gelernt. Zudem noch Gemeinde-Referentin gelernt und eine Theologie-Ausbildung absolviert. Sie war unter anderem 23 Jahre in Berlin und lebt zehn Jahren im Kloster Neuwerk. Schwester Uta kümmert sich um die Patienten im benachbarten Krankenhaus Neuwerk.

Missionsärztliches Institut Würzburg: Eine eigenständige Entwicklung ist der 1922 gegründete „Verein für Ärztlichen Dienst in Übersee – Missionsärztliches Institut Würzburg“. Ziel ist die Verbesserung von Gesundheitsbedingungen für benachteiligte Menschen und Bevölkerungsgruppen in Ländern des Südens mit Schwerpunkt Afrika. Dazu kooperiert das Institut mit Organisationen kirchlicher Entwicklungszusammenarbeit, kirchlich getragenen Gesundheitsdiensten in Ländern des Südens, anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Institutionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Gegründet wurde das Institut durch den Salvatorianer Pater Dr. Christoph Becker, zuvor Apostolischer Präfekt von Assam in Indien, um Missionsärzte und Schwestern auszubilden. Der Trägerverband des Missionsärztlichen Instituts wurde 1971 in „Verein für ärztliche Dienste in Übersee“ umbenannt. Das Institut ist Hauptgesellschafter der „Missionsärztlichen Klinik“ in Würzburg, das als akademischen Lehr- und Ausbildungskrankenhaus der Universität Würzburg vor allem in der Tropenmedizin arbeitet. Fachkräfte des Instituts beraten und lehren in Afrika, Asien, Lateinamerika, Europa und Ozeanien. Internet: www.medmissio.de.

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