75. Jahrestag: Bomben auf den Dom

von Christof Beckmann

Mittwoch, 10.10.2018

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Montage: KiP-NRW

Am 10. Oktober vor 75 Jahren wurde der Dom in Münster ein Opfer des Bombenkrieges. Wie große Teile der Innenstadt versank er an einem sonnigen Oktobersonntag 1943 in Trümmern - eine der vielen katastrophalen Konsequenzen einer Spirale von Hass und Gewalt.

INFO: Es war eine der vielen katastrophalen Konsequenzen einer Spirale von Hass und Gewalt: Am 10. Oktober vor 75 Jahren fiel der St.Paulus-Dom in Münster dem Bombenkrieg zum Opfer. Wie große Teile der Innenstadt versank er an diesem sonnigen warmen Oktobersonntag in Trümmern. Fast ohne Vorwarnung heulten kurz vor 15 Uhr die Sirenen, als amerikanische Verbände in Wellen anflogen und trotz hoher Verluste ihre todbringende Last von über 20.000 Bomben auf die Altstadt abwarfen. Zielpunkt für die Angreifer war der Dom, um die Altstadt möglichst präzise zu treffen. 473 Zivilisten und fast 200 Soldaten kamen ums Leben, unter ihnen 40 Clemensschwestern, die im Mutterhaus an der Stubengasse zu einer Oberinnen-Tagung versammelt waren. Riesige Rauchwolken standen über der Stadt, im Dom griff das Feuer nach und nach auf das ganze Dach über, Sprengbomben hatten besonders das Westquerhaus und das Hauptschiff schwer verwüstet und große Teile der Inneneinrichtung zerstört.

Der erste Bombenangriff auf Münster im Mai 1940 verursachte noch kaum Schäden, doch im Juli 1941 erhielt das südliche Seitenschiff zwei Volltreffer, durch die auch der prächtige Ludgerusbrunnen zwischen Paradies und Salvatorgiebel zerstört wurde. Die beweglichen Kirchenschätze, darunter die Astronomische Uhr und das Gestühl des Kapitelsaales, wurden ausgelagert oder überbaut. Nach dem Bombardement von 1943 hörten die Angriffe nicht auf: Im September 1944 zerstörten Sprengbomben die Westfassade mit dem Portal, im März 1945 fielen große Teile des Mauerwerks und des Gewölbes. Zahlreiche Brandbomben setzten das Innere der Kathedrale in Flammen, die auch den Südturm erfassten. Die Glocken stürzten ab und das Geläut durchschlug das Gewölbe der Turmkapelle. Als an Ostern 1945 amerikanische und britische Truppen Münster besetzten, hatte die Stadt 102 Luftangriffe hinter sich, zählte nur noch 25.000 Einwohner und war ein riesiger Trümmerhaufen. 1.300 Zivilisten und 200 Soldaten waren im Bombenkrieg ums Leben gekommen, der Dom war fast völlig vernichtet und schien schien für immer verloren.

Doch schon im Sommer 1945 begannen Schüler und Studenten damit, den Dom von dem teils sieben Meter hoch liegenden Schutt und der Asche zu befreien. Pläne zu einem völlig neuen Bau einer Kathedrale fanden keine Zustimmung, eine Notkirche wurde eingerichtet und die Dombauhütte Münster gegründet, weil ausgebildete Steinmetzen für den Neuaufbau fehlten. Ein neuer Dombau-Verein half beim Spendensammeln, eine Dombau-Lotterie verkaufte Millionen von Losen für den Wiederaufbau. Schließlich konnte die Kathedrale als das geistliche Zentrum der Kirche von Münster nach zehnjähriger Bautätigkeit wiedereröffnet werden: Vom 14.-21. Oktober 1956 feierten mehr als 100.000 Gläubige aus allen Regionen der Diözese mit einer Domfestwoche die Wiedererrichtung, einige Wochen waren zehn neue Glocken geweiht worden. Am 13. Oktober 1956 weihte Bischof Michael Keller drei Altäre des Doms und am folgenden Tag zelebrierte der Kölner Kardinal Joseph Frings ein feierliches Pontifikalamt, das vom Rundfunk übertragen wurde. Nach aufwändigen, anderthalbjährigen Renovierungsarbeiten wurde der St.-Paulus-Dom im März 2013 wieder eröffnet. Seitdem ist nun auch die Grablege der Bischöfe von Münster zugänglich. Quellen: https://www.domjubilaeum.de/alt-aktuelles/im-weltkrieg-erlitt-er-die-schwersten-schaeden-seiner-geschichte/, mehr: https://www.paulusdom.de.

  • Aus Anlass des 75. Jahrestages der Bombardierung der Stadt Münster findet am Mittwoch, 10. Oktober, um 18 Uhr ein ökumenisches Friedensgebet im Dom statt. Den Gottesdienst leiten der evangelische Superintendent Ulf Schlien, Stadtdechant Jörg Hagemann und Dompropst Kurt Schulte.

 

Unsere Gesprächspartner:
Weihbischof em. Friedrich Ostermann,
geboren am 21.06.1932 in Münster, war Kaplan in Hamm (Bockum-Hövel) Herz Jesu, Emsdetten St. Marien, in Senden St. Laurentius und Telgte an der Propsteikirche St. Clemens. Als Pfarrer und Dechant wirkte er in Rheine Herz Jesu und im Dekanat Rheine. Im Juni 1981 wurde er durch Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof im Bistum Münster ernannt und war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 war Ostermann für die Kreisdekanate Münster und Warendorf zuständig und Domdechant an der Hohen Domkirche in Münster. Von 2001 bis 2006 war er Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und somit Deutschlands „Medienbischof". Seit 2007 ist er emeritierter Weihbischof.
Prof. Dr. Thomas Flammer, geboren 1975 in Salzgitter-Bad, Wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle „Institut für die Geschichte des Bistums Münster“, studierte Katholische Theologie in Münster und Würzburg. Nach Tätigkeiten am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte (Prof. DDr. Arnold Angenendt, Prof. Dr. Hubert Wolf), ist er seit 2005 Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte  an der Universität Kassel, seit 2007 Geschäftsführer des Instituts für religiöse Volkskunde und seit 2016 Honorarprofessor am Fachbereich für Geistes- und Kulturwissenschaften der Universität Kassel. Kontakt: Forschungsstelle “Institut für die Geschichte des Bistums Münster", Wegesende 4, 48143 Münster, Tel. 0251 / 8326920, E-Mail: bistumsgeschichte@uni-muenster.de.

 

Mittwoch, 10.10.2018