Äpfel, Eifel, Erntedank

von Johanna Risse

Montag, 08.10.2018

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Montage: KiP-NRW

Zu Erntedank waren gestern die Altäre wieder geschmückt. Im Kloster Steinfeld ist sozusagen das ganze Jahr über Erntedankfest. Das hat mit dem „Eifelheiligen“ Hermann Josef zu tun. Ihm bringen Pilger und Besucher noch heute Äpfel an sein Grab ...

INFO: Eine Rekordernte verzeichnen in diesem Jahr die deutschen Obstbaubetriebe. Grund sind die günstigen Witterungsbedingungen im Frühjahr: Die Apfelernte von 1,1 Mio. t liegt um knapp 17 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, die Birnenernte von 46.800 t könnte den Zehnjahresdurchschnitt um rund 18 Prozent übertreffen. Gegenüber dem sehr schlechten Erntejahr 2017 bedeutet dies eine Steigerung bei den Äpfeln um gut 82 Prozent und um 100 Prozent bei den Birnen.

Hl. Hermann Josef von Steinfeld: Eine besondere Apfelgeschichte gibt es im Kloster Steinfeld - dort ist sozusagen das ganze Jahr über Erntedankfest. Denn hier gibt es einen „Apfelheilgen“, an dessen Grab fast ständig Äpfel gelegt werden: Der marienfromme Mönche Hermann Josef, geboren um 1150 in Köln, schenkte der Legende nach dem Marienstandbild in der Kirche Maria im Kapitol einen Apfel – das Jesuskind soll ihn genommen und Maria sich ihm zugeneigt haben. Der „mystischen Vermählung“ verdankt er seinen Beinamen „Joseph“. Mit 12 Jahren kam er zu den Prämonstratenser-Chorherren im Kloster Steinfeld, studierte in Mariengaarde bei Hallum in Friesland, wurde zum Priester geweiht und war beliebter Seelsorger. Bekannt wurde er als Dichter von Liedern und Hymnen , auch entstand eine frühe Form des Rosenkranzes. Bis zu seinem Tod 1241 im Zisterzienserinnenkloster Hoven bei Zülpich betreute er seelsorglich vor allem Schwesternklöster in der Region. Erst nach Intervention des Kölner Erzbischofs konnten ihn die Steinfelder Mitbrüdern wieder in sein Heimatkloster überführen. Zugleich begann eine starke Verehrung, die vielfältigen künstlerischen Ausdruck fand. Erst 1958 erfolgte die offizielle Bestätigung, dass Hermann Josef als Heiliger verehrt werden kann. Der Gedenktag 21. Mai wird als großes Hermann-Josef-Fest am Sonntag vor Pfingsten unter Beteiligung der ganzen Region gefeiert. Noch heute werden bei dem Marienbild in Köln, aber auch auf seinen Sarkophag in der Basilika im Kloster Steinfeld frische Äpfel gelegt. 

Kloster Steinfeld in der Eifel: Das um 920 entstandene Kloster im Süden der Gemeinde Kall in der Eifel selbst ist bis heute so vollständig wie kaum ein anderes deutsches Kloster erhalten: Die ehemalige Prämonstratenserabtei hatte zahlreiche Tochterniederlassungen in Europa, die bis nach Prag reichten. 1142-1150 wurde hier eine der frühesten deutschen Gewölbekirchen errichtet, die dem heiligen Potentinus und seinen beiden Söhnen Felicius und Simplicius geweiht ist. Die Grablege des als Heiligen verehrten Hermann Joseph von Steinfeld machte die später als Pfarrkirche benutzte Basilika zum Wallfahrtsort. 44 Äbte leiteten das Kloster bis zur Säkularisation und Auflösung 1802: Die Klostergebäude wurden enteignet und versteigert, das Inventar in die ganze Welt verstreut. Erst 1923 wurde das Kloster durch den Salvatorianer-Orden neu besiedelt. Sie begründeten das Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld, ein Gymnasium, die private Kunstakademie Kloster Steinfeld und das Franziskus-Jordan-Gästehaus. Das Internat wurde 2012/2013 geschlossen. Die Basilika besitzt die mit 35 Registern und 1956 Pfeifen größte noch erhaltene dreimanualige historische Barockorgel des Rheinlandes.

Die König-Orgel von Steinfeld: Die Kirche – seit 1960 Päpstliche Basilica minor – besitzt die bekannte König-Orgel. Sie geht auf eine um 1600 entstandene erste große Orgel zurück, die vermutlich durch Floris Hoque aus Brabant gebaut und 1727 durch Balthasar König aus Bad Münstereifel vollendet wurde. Die alten Pfeifenbestände mit 17 Registern wurden dabei auf 29 Register erweitert. 1934 schuf die Firma Klais (Bonn) ein dem Zeitgeist entsprechendes romantisches Orgelwerk mit 46 Registern und Elektrifizierung der Spiel- und Registertraktur. Eine letzte Restaurierung im ursprünglich barocken Stil erfolgte nach umfangreichen Forschungsarbeiten 1981 durch die Orgelbaufirma Weimbs aus Hellenthal. Das Pfeifenwerk mit 1956 Pfeifen, 35 klingende Registern sowie mechanischer Spiel- und Registertraktur ist größtenteils original erhalten und sorgt für einen einzigartigen Klang. Organisten aus aller Welt bemühen sich darum, hier Konzerte zu geben. Mehrere CDs, die an der Orgel eingespielt worden sind, sind im Klosterladen Steinfeld oder im Anschluss an Gottesdienste/Konzerte beim Basilika-Organisten in der Basilika Andreas Warler zu erhalten.

Kommende musikalische Veranstaltungen in der Basilika Steinfeld:
18.10., Do, 20 Uhr: Kleines Orgelkonzert, Andreas Warler, Steinfeld
21.10., So, 16 Uhr: Orgelvesper, Prof. Thierry Mechler, Köln
04.11., So, 16 Uhr: Vesperkonzert, Bachverein Düsseldorf, Ltg. Thorsten Pech
18.11., So, 16 Uhr: Orgelvesper zu vier Händen, Margareta Hürholz / Roland Dopfner
02.12., So, 16 Uhr: Vespermusik zum Advent, Solisten, Chor u. Orchester an der Basilika Steinfeld, Ltg. Mathias Staut
13.12., Do, 20 Uhr: Kleines Orgelkonzert, Andreas Warler, Steinfeld
23.12., So, 16 Uhr: Vorweihnachtliches Konzert, Kammerchor Euskirchen, Markus Goecke, mit Kostenbeitrag!
25.12., Di, 16 Uhr: Weihnachtsandacht mit Orgelmusik, Andreas Warler, Steinfeld
31.12., Mo, 24 Uhr: Mitternächtliches Orgelkonzert zum Neujahrsbeginn, Andreas Warler
Mehr: Salvatorianer Kloster Steinfeld, Hermann-Josef-Str. 4, 53925 Kall-Steinfeld, Tel. 02441 / 889-0, Fax 02441 / 889-128, E-Mail: info@kloster-steinfeld.de, Internet: kloster-steinfeld.de, www.salvatorianer.de; GÄSTEHAUS: Kloster Steinfeld GmbH & Co. KG, Hermann-Josef-Straße 4, 53925 Kall-Steinfeld, Tel. 02441 / 889-131, Fax 02441 889-296, E-Mail: gaeste@kloster-steinfeld.de, Internet: www.kloster-steinfeld.de; Pfarrgemeinde: Gemeinschaft der Gemeinden hl. Hermann Josef Steinfeld: Pater Wieslaw Kaczor SDS, Pfarrer, Hermann-Josef-Str. 2, 53925 Kall-Steinfeld, Tel. 02441 / 779212, Fax 02441 / 1250, E-Mail: steinfeld-gdg@t-online.de, www.gdg-steinfeld.de

Salvatorianer: Das Kloster ist eine Niederlassung der durch Johann Baptist Jordan (Franziskus vom Kreuz) 1881 ins Leben gerufenen „Gesellschaft des Göttlichen Heilandes“ (Salvatorianer). Für die 1911 päpstlich approbierte Ordensgemeinschaft aus Ordensmännern, Ordensfrauen und Laien hat in ihrem Einsatz für „missionarische Pastoral und Bildung“ ein Satz aus dem Johannesevangelium eine besondere Bedeutung: „Das ist das ewige Leben: Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den Du gesandt hast.“ Weltweit gibt es 1.250 Salvatorianerinnen in 30 Ländern, etwa 1.200 Salvatorianer und 1.300 Salvatorianische Laien in ganz Europa, in den USA, Südamerika und Afrika vor allem in den Bereichen Verkündigung und Kampf gegen Menschenhandel.
In der deutschen Ordensprovinz mit Sitz in München sind knapp 60 Salvatorianer tätig. In Nord- und Süddeutschland wirken Salvatorianerinnen und Salvatorianer in den Diözesen Augsburg, München, Passau, Rottenburg-Stuttgart, Würzburg, Berlin, Münster, Aachen, Köln, Paderborn, Hildesheim und Trier. Nach Beschluss des Generalkapitels der Deutschen Provinz zu Ostern 2018 in Steinfeld/Eifel werden von acht Niederlassungen des Männerordens vier dauerhaft erhalten - trotz des personellen Engpasses: München-Laim (Erzdiözese München Freising), Berlin-Schmargendorf (Erzdiözese Berlin), Steinfeld-Eifel (Diözese Aachen) und Bad Wurzach-Oberschwaben (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Aufgelöst werden Lochau/Hörbranz-Vorarlberg (Diözese Feldkirch), Münster-St. Gottfried (Diözese Münster), Maria Steinbach (Diözese Augsburg) und Stuttgart-Giebel (Diözese Rottenburg-Stuttgart). Einen besonderen Status hat die Niederlassung in Gurtweil/Waldshut, dem Geburtsort von Salvatorianer-Gründer Pater Franziskus Jordan. Das laufende Pater Franziskus Jordan-Jahr der Salvatorianischen Gemeinschaften wurde mit mehreren Veranstaltungen begangen.
Provinzial: P. Hubert Veeser SDS, Agnes-Bernauer-Str. 181, 80687 München, Tel. 089 / 546737-31, Fax 089 / 546737-32, E-Mail: provinzial@salvatorianer.de,  Internet: http://www.salvatorianer.de, Salvatorianer international: www.sds.org, Salvatorianerinnen in Deutschland: www.salvatorianerinnen.de, Gemeinschaft Salvatorianischer Laien in Deutschland: http://www.laiensalvatorianer.de, Salvatorianer weltweit: www.salvatorianer-weltweit.org.

Salvatorianerinnen: Der weibliche Zweig des Ordens, die „Schwestern des Göttlichen Heilandes“ (Salvatorianerinnen), wurde am 8. Dezember 1888 durch Franziskus vom Kreuz und Therese von Wüllenweber in Tivoli bei Rom gegründet. Die Freifrau aus dem niederrheinischen Korschenbroich, am 19.02.1833 auf Schloss Myllendonk geboren, wollte von Jugend an als Ordensfrau in die Mission gehen. Sie versuchte es bei verschiedenen Kongregationen In Vaals/NL, Warendorf, Orleans, Mülheim an der Möhne, Brüssel, Lüttich und Gent und richtete ab 1876 im ehemaligen Kloster Neuwerk bei Mönchengladbach mit dem Barbarastift ein Haus für Waisen ein und führte mit anderen Frauen dort ein klosterähnliches Leben. 1882 traf sie in Rom auf Pater Jordan und seine Apostolische Lehrgesellschaft, schloss sich der Gesellschaft an und legte ihr Gelübde ab. 1888 gründeten den 2. Orden der Katholischen Lehrgesellschaft, Therese nahm 1889 als Oberin den Ordensnamen Maria von den Aposteln an. Als die Gesellschaft 1893 in Societas Divini Salvatoris (SDS / Gesellschaft des Göttlichen Heilandes) umbenannt wurde, nannte sich der weibliche Zweig Sorores Divini Salvatoris (Schwestern vom Göttlichen Heiland) - kurz Salvatorianer und Salvatorianerinnen. Die Schwesterngemeinschaft mit ihrem Mutterhaus in Rom verbreitete sich in Italien, Indien, in der Schweiz, Österreich, Ungarn, Belgien und den USA. Heute arbeiten etwa 1200 Schwestern in 30 Ländern in Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika vor allem in caritativen und schulischen Aufgabenfeldern.
Salvatorianerinnen in Deutschland: Niederlassungen der Salvatorianerinnen der deutschen Provinz bestehen in Kerpen-Horrem mit 36 Schwestern (Provinzhaus, Mitleben in der Gemeinschaft auf Anfrage möglich, Exerzitien- und Tagungshaus, Mädchenrealschule, Gästehäuser mit 44 Einzelzimmern), Bad Wurzach, Berlin-Waidmannslust, Börwang, Grevenbroich, Mönchengladbach-Neuwerk (Krankenhaus „Maria von den Aposteln”, Klosterkirche Neuwerk, Passau, Kall-Steinfeld, Stralsund, Warburg: Seniorenzentrum „St. Johannes” mit Wohnanlage. Neben dem Kursprogramm in den Tagungshäusern sind ein besonderes Angebot „Tage der Stille“ im Kloster Neuwerk in Mönchengladbach (www.klosterkirche-neuwerk.de), Pilger- und Gästehäuser der Salvatorianerinnen bestehen in Rom www.villamaria.pcn.net und in Meran www.sds-meran.org - dort kann man auch das Angebot 'Kloster auf Zeit' nutzen. Provinzialat der Salvatorianerinnen: Höhenweg 51, 50169 Kerpen-Horrem, Tel. 02273 / 602-0 (Zentrale), Fax 02273 / 602-110, E-Mail: prov.horrem@salvatorianerinnen.de, Provinzleiterin: Sr. Klara-Maria Breher, Hausleiterin: Sr. Margret Rolf, Salvatorianerinnen in Deutschland: www.salvatorianerinnen.de. 

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