Fans sind anders als Du denkst!

von Arnd Prüßmann

Donnerstag, 16.06.2016

Wenn die Südtribühne im Angesicht des Todes leise wird ...
Wenn die Südtribühne im Angesicht des Todes leise wird ...

Heute Abend spielt bei der EM Deutschland gegen Polen. Arnd Prüßmann meint: Ob nun Fußball begeistert oder nicht, gut zu wissen, dass der Fußball mehr zu bieten hat als Tore, Punkte, Meisterschaften.

Der Beitrag erinnert an das Verhalten der Stadionbesucher am 13. März 2016 in Dortmund, als ein Fan während des Spiels an einem Herzinfarkt stirbt. Von kirchlicher Seite war hinterher im Evangelischen Pressedienst zu lesen:

Als "religiösen Moment" wertet der westfälische Sportpfarrer Albrecht Thiel die Reaktion der Fußballfans auf den Tod eines Stadionbesuchers am Sonntag in Dortmund. Zehntausende Fans hätten mit dem Singen der Stadion-Hymne "You'll never walk alone" den Verstorbenen wie ein Familienmitglied betrauert, sagte Thiel. "Insbesondere die Anhänger auf der Dortmunder Südtribüne haben das Bewusstsein, untrennbar miteinander und mit dem Verein zusammenzugehören." Als sich der Tod des Mannes im Stadion herumsprach, stellten die Anhänger ihre Anfeuerung ein, wurden still und sangen kurz vor Spielschluss das Lied "You'll never walk alone". Mit der traurigen, aber zugleich optimistischen Fußball-Hymne hätten die Fans sich zugleich gegenseitig getröstet und versichert, dass es "irgendwie weiter geht", sagte Thiel, der Sportbeauftragter der Evangelischen Kirche von Westfalen ist. Das weltliche Lied habe in dieser Situation eine ähnliche Funktion wie ein christlicher Choral erfüllt und der Trauerbewältigung gedient. Auch das Schweigen, das Leisewerden angesichts des plötzlichen Todes sei eine "spontan richtige Reaktion" gewesen, sagte Thiel - wie ein stilles Gebet. "Wenn jemand stirbt, wird das normale Leben für eine Weile unterbrochen", sagte der Dortmunder Pfarrer. "Hier war es die lautstarke Unterstützung für die Fußball-Mannschaften."

Die Stadionbesucher in Dortmund hätten fast instinktiv einen eigenen Mechanismus entwickelt, um mit dem Tod eines der ihren umzugehen. "Das schaffen Menschen vielfach auch ohne einen Pfarrer, wenn sie gemeinsam trauern", sagte Thiel.

Donnerstag, 16.06.2016