Als Frau bei den Kölner Domschweizern

von Stefan Klinkhammer

Samstag, 02.11.2019

Platzhalterbild
Kölner Dom (r.) und Groß St. Martin, Bild: pixabay

Seit einem halben Jahr beschäftigt der Kölner Dom Frauen als Domschweizer. Vier Frauen begannen damals ihren neuen Dienst. Was sie bislang alles erlebt hat, erzählt Claudia Drolshagen.

INFO: Es war eine der Nachrichten, über die nicht nur aus Köln berichtet wurde: Der Kölner Dom beschäftigt seit Mitte April auch vier Frauen als Domschweizer. „Wir möchten, dass der Dom als ein Ort des Willkommens und der Zuwendung wahrgenommen wird“, erklärte damals Dompropst Gerd Bachner. „Die Domschweizer bereiten dafür das Entrée: Sie gelten als Visitenkarten und zentrale Wegweiser in unserer Kathedrale. Dass in diesem Amt nun auch Frauen im Einsatz sind, bereichert und erfrischt unseren Dom ungemein.“ Claudia Drolshagen, seit dem 15. April dabei, ist examinierte Altenpflegerin und war in den vergangenen 25 Jahren als kaufmännische Angestellte im Ingenieurbüro ihres Mannes tätig. Rund 70 Stunden monatlich ist sie nun am Dom im Einsatz und freut sich, wie offen sie das Team der 26 männlichen Domschweizer aufgenommen hat. „Der Dom hat mich schon als Kind fasziniert“, sagt sie. „Über all die Jahre ist er für mich Fixpunkt und Ruheoase geblieben. Wenn vor Konzerten auf dem Roncalliplatz die Domglocken läuten, war das für mich immer ein Gänsehautmoment. Ich freue mich, dass es mir meine neue Aufgabe ermöglicht, Teil des Domes zu sein und Menschen aus aller Welt darin zu begrüßen.“ Ihr Dienst am Dom unterscheidet sich in keiner Weise vom Dienst ihrer männlichen Kollegen, auch die Dienstkleidung der Domschweizerinnen entspricht jener der Domschweizer: Sie tragen – am heutigen Tag erstmals – rote, mit schwarzem Samt besetzte Talare. Zu ihren Aufgaben gehört es, für Ordnung und Ruhe im Dom zu sorgen und den Besuchern als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Sie schließen den Dom auf und ab, läuten die Glocken, füllen die Schriftenstände auf und entsorgen abgebrannte Kerzen. Ihr Beruf und der Begriff „Kirchenschweizer“ geht auf das Alpenland zurück, aus dem sich oft ehemalige Soldaten auch im Ausland als Soldaten oder als Wachpersonal Geld verdienten. Ihr Name hat sich für das heutige Aufsichtspersonal in Kathedralen erhalten. Domschweizer gibt es zum Beispiel an den Domen in Tier, Bamberg, Mainz und Salzburg.

Hohe Domkirche Sankt Peter und Sancta Maria“: Bereits an der Nordostecke der römischen Legionsstadt Colonia Agrippina gab es eine Vielzahl an Tempeln, Heiligtümern, Weihe- und Kultstätten. Um 300 n.Chr. baute dort der Kölner Bischof Maternus die erste christliche Kirchenanlage. Sein späterer Nachfolger Rainald von Dassel brachte 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln und die Stadt entwickelte sich zu einem der großen abendländischen Wallfahrtsorte. Die für die Reliquien gebaute Kathedrale - Erzbischof Konrad von Hochstaden legte am 15. August 1248 den Grundstein - sollte das größte Bauwerk nördlich der Alpen werden. Gebaut wurde bis 1560, als der Bau aus Mangel an Kapital und Interesse der Bürger beendet wurde. Mit neuer Begeisterung nahm man 1842 den Bau wieder auf. 1863 war das Innere fertiggestellt, die beiden 1880 vollendeten Türme waren das höchste Bauwerk der Erde.

Der Domschatz in den unterirdischen Gewölberäumen des 13. Jahrhunderts an der Nordseite des Domes zeigt kostbare Reliquiare, liturgische Geräte und Gewänder, Insignien der Erzbischöfe und Domgeistlichen vom 4. bis zum 20. Jahrhundert, mittelalterliche Skulpturen und fränkische Grabfunde. Die wechselvolle Geschichte der Kölner Kathedrale präsentiert sich in dieser einzigartigen Kombination von historischen Gewölberäumen mit Resten der römischen Stadtmauer, Säulen vom Vorgängerbau des Domes, moderner Architektur und der neuartigen Präsentation des Domschatzes.

Das Fest zur 700-Jahr-Feier der Grundsteinlegung 1948 fand kurz nach dem Krieg weltweite Beachtung und galt für Köln als eine Art Wiederauferstehung aus den Trümmern. Der gesamte Innenraum wurde nach Behebung der Kriegsschäden 1956 wiedereröffnet. Zur 750-Jahr-Feier wurde der Dom offiziell in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die größte Kirche Deutschlands ist mit ihren 157,38 Metern Höhe nach der Moschee von Casablanca in Marokko mit 172 Metern und dem Ulmer Münster mit 162 Metern das dritthöchste Gotteshaus der Welt. Links: www.koelnerdom.de, www.dombau-koeln.de.

Domführungen (Gruppen): KölnTourismus GmbH, Unter Fettenhennen 19, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22123332, Fax 0221 / 221 24848, E-Mail: koelntourismus@stadt-koeln.de, www.stadt-koeln.de. Domforum – Besucherzentrum des Doms, Domkloster 3, 50667 Köln, Tel. 0221 / 925847-30, Fax -31, Internet: www.domforum.de. Schwerpunkte: Kirchliche Gruppen, Kinder- sowie Jugendgruppen- und Schulklassen, Führungen für Einzelpersonen und tägliche Multivision über den Kölner Dom (gegenüber Hauptportal). Öffentliche Führungen: Mo.-Sa. 11.00, 12.30, Mo.-So. 14.00, 15.30, Treffpunkt: Hauptportal innen Erwachsene: € 4,00, Schüler/Studenten: € 2,00, Gebühr für geführte Gruppen: € 13,00. Öffnungszeiten: Der Kölner Dom ist täglich durchgehend von 6.00-19.30 h geöffnet. Während der Gottesdienste ist eine Besichtigung des Domes nicht möglich. Im Kölner Dom sind nur Gruppenführungen zugelassen, die im Auftrag von KölnTourismus GmbH und Domforum stattfinden. Gottesdienste: sonn- und feiertags: 7.00, 8.00, 9.00, 10.00; (Kapitelsamt), 12.00, 17.00, 18.30. Vesper oder Andacht 18.00. Mo-Sa 6.30, 7.15, 8.00, 9.00, 18.30. Mittagsgebet: 12. Andacht: 18.00. Information: Tel. 0221 / 179 40-200; Fax 0221 / 179 40-299.

Samstag, 02.11.2019