Andreas: Start ins Neue Kirchenjahr

von Johanna Risse

Samstag, 30.11.2019

Platzhalterbild
SCHOTTISCHE PETTICOAT TAILS (SHORTBREAD), Foto: http://kitchenlioness.com

Damit ist das Jahr nun rum: In der Kirche jedenfalls. Vor dem 1. Adventssonntag morgen heute ein Blick auf diese Tage: Andreas, Barbara, Adolph Kolping und Nikolaus - kleine Feste und Feiern zum Einstieg in den Advent. Und die Backstube ist angeworfen ...

INFO: Der Apostel Andreas stammte aus Betsaida in Galiläa und war Fischer. Er war zuerst Jünger von Johannes dem Täufer. Er gilt als „Der Erstberufene“, weil er noch vor seinem Bruder Simon/Petrus zum ersten Apostel wurde, sich Jesus anschloss und einer der zwölf ersten Jünger wurde. (Joh 1,35-40). An mehreren Stellen ist in den Evangelien von ihm die Rede: Er gewann seinen Bruder Petrus für Jesus (Joh 1,40-42), trat bei der Speisung der Fünftausend hervor (Joh 6,8-9) und an ihn wandten sich die Griechen, die nach dem Einzug in Jerusalem mit Jesus sprechen wollten (Joh 12,23).

Frühe Überlieferungen verzeichnen ihn als Prediger in Epirus, Kappadokien, am Schwarzen Meer, in Thrakien und den Donauländern, in Makedonien und Achaia, sogar im heutigen Ostanatolien und im westlichen Georgien, in Kurdistan und Armenien. Spätere Traditionen machten den Weltreisenden zum ersten der Bischöfe und Patriarchen von Konstantinopel. Bartholomäus I., der heutige Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch, gilt als 270. Nachfolger des Apostels Andreas. Fest steht, dass Andreas um das Jahr 60 unter Kaiser Nero im griechischen Patras gekreuzigt wurde. Der 30. November ist sein Tag. Da er das Ende des Kirchenjahres und den Beginn der Adventszeit markiert, war das Datum früher von ähnlicher Bedeutung wie heute der Silvestertag, stand mit verschiedenen Jahresend- und Jahresanfangsbräuchen und Aberglauben in Verbindung.

Seine Reliquien kamen während des Vierten Kreuzzuges 1203/1204 als Raubgut in die Seerepublik Amalfi am Golf von Salerno, von dort aus erreichte eine Armreliquie über die Stiftskirche von Rees am Niederrhein 1257 die Kirche St. Andreas in Köln, wo sie 1997 ihren Platz im Apostelschrein im Chor der Kirche fand. Herzog Philipp der Guten von Burgund stiftete 1429 unter dem Andreaspatronat den „Orden vom Goldenen Vlies" und das Andreaskreuz wurde zum Feldzeichen und Emblem von Burgund. Das originale byzantinische Kopfreliquiar ließ Papst Paul VI. 1964 während der 3. Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils als Akt der Ökumene wieder nach Patras überführen.

Andreas gilt als Schutzheiliger der Fischer, der Bergleute und der Liebenden, aber auch als Nationalheiliger von Russland, Rumänien und nicht zuletzt von Schottland, wohin Reliquien bereits spätestens im 8. Jh. gekommen sein sollen und das sein Kreuz in der Fahne führt. Denn an einem X-förmigen Kreuz ist er der Überlieferung nach hingerichtet worden – ein Zeichen, das sich auch als „Andreaskreuz“ in unserem Alltag wiederfindet, in zahlreichen Verkehrszeichen wie an Bahnübergängen, als Halteverbotszeichen, auf Vorfahrtszeichen und als Gefahrensymbol.

Unsere Gesprächspartnerin: Andrea Mohr ist unsere Küchenlöwin aus Bonn. Auf ihrem Rezepteblog „Thekitchenlioness. Notes from a very small German kitchen“ gibt es kulinarische Hochgenüsse. Kontakt: N. Andrea Mohr, Seehausstr. 33, 53117 Bonn, E-Mail: andrea@thekitchenlioness.com, nclndrmhr@gmail.com, Internet: http://kitchenlioness.blogspot.de. Hier einige Anmerkungen aus ihrer Feder und ihr Rezept:

„St. Andrew’s Day in Schottland: In Schottland wird am 30. November der sogenannte ‚St. Andrew’s Day‘ gefeiert. Im Gegensatz zu Deutschland kommt dem Apostel hier eine besondere Stellung zu. Mit keinem anderen wird die Unabhängigkeit des Landes so in Verbindung gebracht wie mit dem Heiligen Andreas, der als schottischer Nationalheiliger verehrt wird. Im Jahr 2006 erklärte das schottische Parlament den 30. November zum Nationalfeiertag. Dieser Verehrung liegt eine Legende zugrunde: Im Jahr 832 soll das schottische Reich unter dem christlichen König Angus angegriffen worden sein. Angesichts der aussichtslosen Lage, betete er zu Gott um Erlösung. In der Nacht soll ihm der Heilige Andreas erschienen sein, der ihm versicherte, sein Heer werde über das angelsächsische siegen. Am Himmel soll daraufhin ein sich aus weißen Wolken formendes diagonales Kreuz sichtbar geworden sein, das Zeichen des Apostels. Durch dieses himmlische Omen bestärkt, griff die schottische Armee unter der Führung von Angus an und triumphierte über den Feind. Seit dieser Schlacht ist das weiße Andreaskreuz auf blauem Grund, welcher den Himmel symbolisiert, die Nationalflagge des Landes.

Feierlichkeiten in Schottland: Die Festlichkeiten rund um den St. Andrew’s Day stehen insbesondere in Verbindung mit der schottischen Kultur. Traditionelles Essen, Festivals und Konzerte, Volkstänze und Dudelsackparaden bilden den Dreh- und Angelpunkt der Feierlichkeiten. Die Hauptstadt Edinburgh und die Küstenstadt St. Andrews, benannt nach dem Nationalheiligen, widmen dem Apostel sogar eine komplette Woche Festivität.

Shortbread: Es gehört neben Haggis wohl zu den bekanntesten Speisen aus Schottland und ist eines der beliebtesten Mitbringsel von der Insel. Shortbread wird aus einem Mürbeteig hergestellt, also einem Teig, der keine Eier, aber viel Butter enthält. Shortbread wird bei geringen Temperaturen gebacken, um die goldgelbe Farbe des Gebäcks zu erhalten. Da Shortbread nach dem Erkalten fest wird und sich lange hält, wurde Shortbread schon früh zu einem beliebten Reiseproviant. Die typischen Shortbread-Formen sind die länglichen SHORTBREAD FINGERS, die kreisförmigen ROUNDS, und die kuchenstückförmigen PETTICOAT TAILS. Man kann zur Weihnachtszeit auch weihnachtliche Gewürze wie Kardamom, Zimt oder Muskat in dem Teig verwenden. Man sagt das der Name des Gebäcks daher kommt, das es aussieht wie ein Petticoat den man ausgebreitet hat, eine andere Theorie besagt, dass der Name vom einem frz. Gebäck („PETITS COTÉS“) stammt. Wo auch immer die Bezeichnung herkommt, Shortbread ist ein sehr beliebtes Gebäck mit langer Tradition und auch Maria Stuart (schottische Königin) soll es zu ihren Lieblingsgebäcken gezählt haben.

SCHOTTISCHE PETTICOAT TAILS (SHORTBREAD)

Zutaten

300g Weizenmehl Type 405, plus ein bisschen mehr zum Ausrollen
50g Reismehl (alternativ feines Maismehl)
225g gesalzene Butter, Zimmertemperatur
100g feinster Zucker
8g Bourbon VanillezuckerPuderzucker zum Dekorieren

Zubereitung

1. Mehl und Reismehl zusammen in eine Schüssel sieben. Butter, Zucker und Vanillezucker zugeben und mit den Knethaken des Handrührers kurz zu einem glatten Teig kneten. Zu einer flachen Kugel formen und abgedeckt 1 Stunde kalt stellen.

2. Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche rund (25cm) ausrollen, um einen gleichmäßigen Rand zu erhalten, z. Bsp. mit Hilfe eines Tellers eine runde Teigplatte ausschneiden und diese auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen.

3. Mit den Fingern den Rand des Teiges ‚wellig‘ zusammendrücken, dann mit einem Messer 8 gleichmäßige ‚Tortenstücke‘ markieren und zum Schluss mit einem Holzspieß Löcher in das Shortbread stechen und weitere 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.

4. Den Ofen auf 160°C vorheizen und auf der 2. Schiene von unten in 25 bis 35 Minuten hellbraun backen.

5. Auf einem Ofengitter auskühlen lassen.

6. Zum Dekorieren ein Spitzendeckchen über das Shortbread legen und mit einer großzügigen Schicht Puderzucker bestäuben, das Deckchen vorsichtig wegziehen, um das schöne Spitzenmuster zu erkennen. Das Shortbread ist bis zu 5 Tage in einer luftdichten Dose haltbar.

 

Tipps: den Teig sollte man zweimal kalt stellen, so wenig wie möglich bearbeiten und bei niedriger Temperatur backen.“

Samstag, 30.11.2019