Anna Katharina Emmerick

von Christof Beckmann

Samstag, 09.02.2019

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Bild: Anna Katharina Emmerick, Gemälde von Gabriel von Max 1885

Vor 15 Jahren wurde sie von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen: Anna Katharina Emmerick, vor 245 Jahren im Münsterland geboren. Den einen galt sie als Wunder, den anderen als Gefahr. Ihre frommen Visionen schafften es sogar bis nach Hollywood.

INFO: Die Nonne und Mystikerin Anna Katharina Emmerick, geboren um den 8. September 1774 als Kind armer Kötter in der Coesfelder Bauerschaft Flamschen, wurde am 3. Oktober 2004 von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen. Sie starb mit 49 Jahren am 9. Februar 1824 in Dülmen, ihr Gedenktag ist der 9. Februar.

Sie wuchs in einer frommen Familie auf, besuchte nur wenige Monate die Schule, wurde mit 13 Jahren Magd und Näherin. Statt einer vorteilhaften Heirat ging sie gegen den Wunsch der Eltern als Augustinerin in das Kloster Agnetenberg in Dülmen, wo sie am 13. November 1802 als Novizin eingekleidet wurde und ein Jahr später ihre feierliche Profess ablegte. Zahlreiche Krankheiten und Schmerzen fesselten sie ans Bett und Visionen ihrer Kindheit setzten sich hier fort: Sie wurde mit den Wundmalen Jesu gezeichnet und an jedem Freitag durchlitt sie die Passion Christi. Das öffentliche Aufsehen nahm zu und Untersuchungen des preußischen Staats suchten die „Mystikerin des Münsterlandes“ als Betrügerin zu entlarven.

Der Schriftsteller Clemens Brentano schrieb ihre Visionen 1819-1824 in Dülmen nieder und veröffentlichte sie als Bücher: Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi, das Leben der hl. Jungfrau Maria, das Leben Jesu sowie eine unvollendete Biographie der Anna Katharina Emmerick. Ihre Visionen vom Leiden Christi wurden mit allen Grausamkeiten in Mel Gibsons Film „Die Passion Christi“ (2004) dargestellt, der vollständig in Aramäisch, der Sprache Jesu, gedreht wurde. Ein erster Prozess zur Seligsprechung Anna Katharina Emmericks wurde 1892 eingeleitet, 1928 eingestellt, 1973 neu eröffnet und 2004 abgeschlossen.  

Die Anna-Katharina-Gedenkstätte und ihr Grab befinden sich in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen, wo auch ein Anna-Katharina-Weg als Pilgerweg zu den Lebensstationen eingerichtet ist. Er verbindet als Rad- und Wanderweg die Lebensorte in Coesfeld, Flamschen und Dülmen.

Unser Gesprächspartner und Kontakt: Katholische Kirchengemeinde Heilig Kreuz, leitender Pfarrer: Peter Nienhaus, An der Kreuzkirche 10, 48249 Dülmen, Tel. 02594 / 2126, E-Mail: hlkreuz-duelmen@bistum-muenster.de, Internet: https://www.heilig-kreuz-duelmen.de/. Der Emmerick-Bund e.V. gibt zweimal im Jahr die Emmerickblätter heraus. Kontaktadresse: Emmerick-Bund e.V., An der Kreuzkirche 10, 48249 Dülmen, E-Mail: emmerick-bund@t-online.de.
 

„Die Emmerick“ und der Film „The Passion of the Christ“

Angaben aus mehreren Filmdiensten zufolge (seit Juni 2016) arbeitet Mel Gibson an einer Fortsetzung seines Films „The Passion of the Christ“. Der nach dem Guiness-Buch der Rekorde „meistgesehene religiöse Film aller Zeiten“ spielte mit einem Budget von 30 Millionen US-Dollar mehr als 611 Millionen Dollar ein. Die nächste Folge soll den Titel „The Passion Of The Christ: Resurrection“ tragen und die biblische Wiederauferstehung des Messias zeigen. Den Angaben zufolge hat Randall Wallace, der mit Mel Gibson für „Braveheart“ (1995) zusammenarbeitete, das Drehbuch übernommen.

Jim Caviezel, Hauptdarsteller des ersten Teils, wird offensichtlich wieder in der Rolle von Jesus zu sehen sein. An seiner Seite spielen u.a. Maia Morgenstern (Maria), Christo Jivkov (Johannes), Francesco De Vito (Petrus). Caviezel versprach nicht weniger als „den größten Film aller Zeiten“: „Es gibt Dinge, die ich nicht verraten kann, die das Publikum schocken werden, es ist großartig“, schwärmte er USA Today vor: „Der Film, den Mel Gibson macht, wird der größte Film der Geschichte.“ Für das Mammutprojekt sollen die Aufnahmen im Frühjahr 2019 beginnen, für den Frühling 2020 ist die Premiere geplant.

Gibson, der bei der Passion die Regie selbst übernahm, wird den Film produzieren und ließ durchblicken, dass im Plot unter anderem auch die drei Tage, die zwischen dem Tod und der Auferstehung Jesu vergingen, inszeniert werden. Damit dürften hier die von Clemens Brentano herausgegebenen Betrachtungen der Anna Katharina Emmerick (1774-1824) wieder eine wichtige Rolle spielen. Der Schriftsteller Brentano, geboren am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein und einer der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik, zeichnete im westfälischen Dülmen ab 1818 sechs Jahre lang die Visionen der stigmatisierten Augustiner-Nonne an ihrem Krankenlager auf. Die Notizen in vierzig Foliobänden vermischten allerdings ihre Aussagen mit eigenen Anmerkungen und dichterischen Passagen – eine Erkenntnis, die zum Abbruch des ersten Seligsprechungsprozesses führten. Nach dem Tod der Emmerick (1824) lebte Brentano an wechselnden Orten, ab 1829 in Frankfurt, ab 1832 in Regensburg und ab 1833 in München. Er starb am 28. Juli 1842 in Aschaffenburg.

Der aus den Aufzeichnungen entstandene rund 400-seitige Band „Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus“ beschreibt die Vorbereitung und Durchführung des Begräbnisses, die Rückkehr vom Grab in die Stadt, die Gefangennahme von Joseph von Arimatäa, die Lage der Jünger und Marias, aber auch die sogenannte „Höllenfahrt“ Jesu, der als Lichtgestalt in die Vorhölle fährt. Sie wird von Emmerick als grüner Raum beschrieben, der von einer grauen, nebligen Sphäre umgeben und in verschiedene Kreise geteilt ist. Hier trifft Jesus, von Engeln geführt, auf die Seelen von Adam und Eva, Abraham und Moses über die der Patriarchen bis zu Johannes den Täufer, die von ihm erlöst werden. Die Hölle wird als graue, finstere Welt einem großen schwarzen und metallglänzenden Felsenbau geschildert. Die bösen Geister werden gefesselt, Luzifer ebenso - er soll „50 oder 60 Jahre vor dem Jahr 2000 nach Christus auf eine Zeitlang freigelassen werden“, schreibt Brentano: „Die Erzählende sprach in ekstatischem Zustande so viel als das: das erste Absteigen Jesu zur Vorhölle ist die Erfüllung früherer Vorbilder, und selbst wieder ein Vorbild, dessen Erfüllen das heutige Erlösen ist.“ Das Buch beschreibt weiterhin den Vorabend von der Auferstehung, die Befreiung des Joseph von Arimatäa, die Nacht vor der Auferstehung, die Auferstehung selbst, die Frauen am Grab und das Erscheinen Jesu und die Berichte der Grabwache. Schon jetzt dürfte klar sein: Die filmische Umsetzung wird zweifellos erneut für heftige Reaktionen sorgen.

CB

 

Samstag, 09.02.2019