Ebenbild Gottes – Fälschung oder Original

von Margret Wand

Mittwoch, 11.09.2019

Zwei Finger berühren sich
Gott und Mensch - eine besondere Beziehung

Die Schöpfungsgeschichte ist einer der bekanntesten Texte der Bibel. Und genau wie alle anderen Geschichten, Verse und Lieder der Bibel geht dieser Text weit über das Geschriebene hinaus. Er animiert dazu, weiter zu denken und zu fragen:

Wie ist das eigentlich genau gemeint und was hat mir das heute noch zu sagen? Margret Wand hat das getan, in dem Sie die Geschichte mit einem Augenzwinkern weiterentwickelt hat und zu einem sehr aktuellen Schlussgedanken gekommen ist:

 

Es ist der 6. Tag der Schöpfung. Gott hat sich viel vorgenommen: Die Erschaffung des Menschen. Einen Entwurf hat er schon. Den scannt er jetzt ein.

 

Gott: So, jetzt geht’s an die Feinheiten.  Alles kein Problem mit Photoshop. Zuerst Adam. Mit Bart? Ohne Bart? Die Schultern müssten ein bisschen breiter sein. Kommt sicher gut an bei den Frauen. Ach ja, und noch ein paar Muskeln an die Oberarme. Nicht zu vergessen den Sixpack.

 

Fertig ist es, das Bild von einem Mann. Jetzt kommt Eva dran.

 

Gott: Lange blonde Haare? Oder doch lieber dunkle? Auf jeden Fall gute Proportionen. Alle Kurven an der richtigen Stelle. Schließlich soll die Frau ja Adam gefallen, seine Gefährtin sein.

 

Stop! In der Bibel steht das doch ganz anders. Da heißt es:

 

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bild, zum Bild Gottes schuf er ihn.

 

Wand: Der Mensch ein Abklatsch Gottes? Damit Gott sich darin immer wieder selbst sehen kann? Ein Akt der Eitelkeit? Wohl kaum. Es geht auch nicht um äußerliche Perfektion. - Der Mensch als Bild Gottes, das sind wir, wie Gott uns gemeint hat.

Mit den Möglichkeiten, uns zu entwickeln. Nicht ein für alle Mal fixiert und festgelegt zu sein. "Zu seinem Bild" meint vielleicht: Entscheidungen treffen und sie bereuen können. Meint vielleicht: die Möglichkeit und den Auftrag, sich an Gottes Handeln zu orientieren.

 

Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

Das gilt auch heute noch. Und zwar nicht nur, wenn im Leben mal wieder alles schiefläuft.

Mittwoch, 11.09.2019