Friedrich Spee und der Hexenwahn heute
Dienstag, 12.08.2025

Bild: Friedrich Spee von Langenfeld, Collage KIP
Friedrich Spee von Langenfeld aus Kaiserswerth bei Düsseldorf wurde vor 400 Jahren wurde berühmt als Kritiker der Hexenprozesse. Doch der Hexenwahn ist bis heute nicht vorbei. Schwester Lorena aus Papua-Neuguinea spricht heute in Kaiserswerth ….
INFO: Zur Begegnung mit Schwester Lorena am Dienstag, 12. August, um 19 Uhr im Antoniushaus laden Beate Köster und Elisabeth Schmitz-Janßen von der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) St. Suitbertus Kaiserswerth und Pastor Oliver Dregger von der Katholischen Kirche Angerland-Kaiserwerth. Dort hatte Franziskanerschwester Lorenas Einsatz für Menschenrechte und von als „Hexen“ verfolgte Menschen bereits bei einem Vortrag im Februar großes Interesse und Spendenbereitschaft geweckt.
Kontakt: Katholische Kirche Angerland/Kaiserswerth, Pfarrer Oliver Dregger (verantwortlich), E-Mail, Suitbertus-Stiftsplatz 3, 40489 Düsseldorf, Tel. 0211 / 6558098, mehr: https://pfarreiengemeinschaft-angerland-kaiserswerth.de/event/begegnung-mit-schwester-lorena/
Papua-Neuguinea: Rund 830 ethnische Gemeinschaften mit jeweils eigener Sprache und Kultur leben in Papua-Neuguinea, dem drittgrößten Inselstaat der Welt. In dem seit 1975 von Australien unabhängigen Staat gibt es nur wenige Straßen, der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung ist schwierig, die Kriminalitätsrate hoch. Seit Jahren nimmt die Gewalt zwischen ethnischen Gruppen zu, Hexenverfolgung ist weit verbreitet. Trotz reicher Rohstoffvorkommen leben etwa 40 Prozent der gut 10,3 Millionen Einwohner in extremer Armut. Die Folgen des Klimawandels sind in Papua-Neuguinea deutlich spürbar. Ab 1884 waren Teile von Papua-Neuguinea als Kaiser-Wilhelms-Land deutsche Kolonie. Durch die Arbeit von Missionaren unter anderem aus dem deutschen Kaiserreich ist die Mehrheit der Bevölkerung christlich, gut ein Viertel katholisch.
Über das in Aachen/München ansässige Hilfswerk „missio“ werden zahlreiche Projekte in Papua-Neuguinea unterstützt. Sie bekämpfen u.a. den „Hexenwahn“, unter dem hier zahlreiche Menschen leiden. So engagiert sich die missio-Projektpartnerin Schwester Lorena Jenal seit Jahren gegen den Hexenwahn. Sie riskiert ihr Leben, wenn sie wehrlose Frauen aus den Fängen der Folterer befreit. Über 350 Überlebende konnte die Ordensfrau in den vergangenen Jahren retten und in dem von missio finanzierten Schutzzentrum betreuen. Papst Franziskus traf auf seiner Papua-Neuguinea-Reise die mutige 74jährige Ordensschwester treffen, die am 13. Oktober 2024 in Köln mit dem missio-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Nach Angaben des Historikers Dr. Werner Tschacher wurden seit 1960 weltweit mindestens 55.000 Menschen wegen angeblicher Hexerei getötet – mehr als während der Zeit der neuzeitlichen Hexenprozesse in Europa. In Papua-Neuguinea starben in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 3.000 Menschen nach solchen Vorwürfen. „Angesichts von Klimakrise, Ressourcenkämpfen, Epidemien und Hunger erwarte ich steigende Opferzahlen, da in unter Druck stehenden Gesellschaften Sündenböcke gesucht und gefunden werden“, prognostiziert der Historiker in einem Interview mit missio Aachen.
Weitere Informationen auf: www.missio-hilft.de/hexenwahn “, https://www.missio-hilft.de/informieren/presse/pressemitteilungen/aberglaube-und-gewalt-in-45-laendern/
Kontakt: missio - Internationales Katholisches Missionswerk e.V., Goethestr. 43, 52064 Aachen, Tel. 0241 / 7507-00, Fax 0241 / 7507-335, Vorstand: Pfarrer Dirk Bingener (Präsident), Dr. Gregor von Fürstenberg (Vize-Präsident), Spendenkonto: missio Aachen, IBAN DE23 3706 0193 0000 1221 22, BIC GENODED1PAX, Zustiftung: Stiftung pro missio, IBAN DE49 3706 0193 0000 1040 00, BIC GENODED1PAX, Internet: www.missio-hilft.de, www.bedraengte-christen.de.
Mehr zum Thema Hexenprozesse: Ausstellung Deutsches Historisches Museum 2002, Katalog in der Edition Minerva Hermann Farnung, Herausgeber Rosmarie Beier-de Haan, Rita Voltmer und Franz Irsigler im Auftrag des Deutschen Historischen Museums, 2002 Deutsches Historisches Museum, Berlin Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg, 336 Seiten, 200 Abbildungen, € 22.- ISBN 3-932353-61-7, Internet:https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/hexenwahn/ausstellung.htm, Grundsätzliches: Herbert Eiden: Vom Ketzer- zum Hexenprozess. Die Entwicklung geistlicher und weltlicher Rechtsvorstellungen bis zum 17. Jahrhundert, mehr zu allen Aufsätzen: https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/hexenwahn/katalog.htm.
Friedrich Spee von Langenfeld: Im Hexenwahn der frühen Neuzeit genügte eine anonyme Denunzierung, um ins Räderwerk der Justiz zu geraten. Motive waren häufig persönlicher Streit, Habgier, aber auch echte Überzeugung in einer Zeit, die bei Unheil schnell Teufel, Dämonen und ihre menschlichen Helfershelfer am Werk sah. Prominenter Kritiker der Praxis der Hexenprozesse war der deutsche Jesuit, Theologe und Dichter Friedrich Spee von Langenfeld, geboren 1591 als Sohn eines kurkölnischen Amtmanns und Burgvogts in Kaiserswerth (Düsseldorf). Nach dem Gymnasium (1603-1606) studierte er in Köln und trat 1610 gegen den Willen seiner Eltern mit 19 Jahren in das Noviziat der Gesellschaft Jesu in Trier ein. Nach Ausbruch der Pest wechselte er nach Fulda, legte 1612 die ersten Ordensgelübde ab, studierte nach seinem Noviziat Philosophie in Würzburg, war 1615-1618 Lehrer in Speyer und Worms, setzte sein Studium bis 1623 in Mainz fort und war nach der Priesterweihe von 1623–1626 Dozent für Philosophie an der Jesuiten-Universität und Domprediger in Paderborn. Nach dem Tertiat in Speyer (1626/27) lehrte Spee an den Kollegs in Wesel und Köln und ging im Auftrag seines Ordens 1627 nach Franken, um zum Tod verurteilte vermeintliche Hexen und Zauberer auf dem letzten Gang zu begleiten. Ab 1628 war er in Peine, wurde dort bei einem Attentat schwer verletzt und kehrte bis 1631 für einen Lehrauftrag für Moraltheologie nach Paderborn zurück. 1632-1635 wirkte er als Professor für Moraltheologie und Exegese sowie Beichtvater der Gefängnisse und Krankenhäuser in Trier. Dort starb er nach der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Sein Leichnam liegt in einer nach ihm benannten Gruft unter der Kirche des ehemaligen Trierer Jesuitenkollegs, dem Trierer Priesterseminar, begraben.
Zu Lebzeiten bereits erschienen zahlreiche Bände mit Andachtsliteratur und mit Liedern, die heute noch aus den modernen Gesangbüchern der Kirchen gesungen werden. Nicht wenige Schwierigkeiten in seiner beruflichen Tätigkeit brachte aber die seit 1631 in Rinteln anonym erschienenen Auflagen der lateinisch verfassten „Cautio Criminalis" gegen Folter und Hexenglauben. Im selben Jahr war im heutigen Landkreis Neuwied eine Schwägerin von Friedrich Spee als „Hexenkönigin von Bruchhausen“ hingerichtet worden, nachdem sie als Witwe eine nicht standesgemäße Ehe mit ihrem Pferdeknecht geschlossen hatte. Nach neueren Forschungsergebnissen wurde die zweite Auflage der Cautio Criminalis (1632) mit Billigung der Provinzialleitung der Jesuiten veröffentlicht, sie erschien erstmals 1649 in Frankfurt in vollständiger deutscher Übersetzung (Cautio criminalis oder rechtlicher Vorbehalt über die Prozesse gegen Hexen).
Die „Gesellschaft Jesu“: Der Jesuitenorden ist die größte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Kontakt: Zentraleuropäische Provinz der Jesuiten e.V., P. Martin Stark SJ, Kaulbachstraße 29a, D-80539 München, Tel. 089 / 38185-230, Fax 089 / 38185-200, E-Mail: info(at)jesuiten.org, Internet: https://www.jesuiten.org, Facebook: https://www.facebook.com/jesuiten, Twitter: https://twitter.com/jesuiten, Instagram: https://www.instagram.com/jesuiten_/