Öle, Salben, Chrisammesse

von Christof Beckmann

Montag, 15.04.2019

Platzhalterbild

Was bitte ist Chrisam? Und wofür braucht man es? Was bedeutet es? In dieser Woche werden sie präpariert – Mittel, die man immer braucht und die ab heute von den Domen des Landes aus verschickt werden. Pastoralreferent Mathias Albracht erklärt es...

INFO: Traditionell werden in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag die „Heiligen Öle” geweiht, die für die Taufe, Firmung, Priesterweihe und Krankensalbung gebraucht werden. In vielen Bistümern wird der Gottesdienst auf den Karmontag vorverlegt, damit neben den Priestern auch möglichst viele Gläubige teilnehmen können.
Schon in der Antike diente Öl als Nahrung, Medizin und Kosmetikum. Es gehört neben Brot, Wein und Wasser zu den Grundsubstanzen der christlichen Liturgie. Salbungen mit Öl sind bereits in biblischer Zeit bezeugt. Auch heute noch finden Salbungen bei der Spendung einiger Sakramente und Sakramentalien der Kirche statt. Die Gläubigen sollen durch die Salbung, insbesondere mit Chrisam (Myron), daran erinnert werden, dass sie zu Christus gehören, der gesalbt ist zum König und Propheten. Messias beziehungsweise Christus bedeutet der Gesalbte. Damit wird eine bereits seit dem Alten Testament geübte Praxis fortgesetzt: Die Salbung von Königen, Priestern und Propheten im Alten Testament wies bereits im voraus auf Christus, den Gesalbten Gottes. Das Öl ist Sinnbild für Gesundheit, Freude, Kraft und Glück (vgl. Psalmverse Ps 45,8 EU; 23,5 EU; 104,15 EU).

Folgende Öle werden dabei unterschieden:

  • Chrisam (ostkirchlich: Myron), wohlriechend und besonders wertvoll, wird bei der Firmung, daneben auch bei der Taufe und der Priesterweihe sowie bei der Kirch-, Altar- oder Glockenweihe verwendet. Es ist eine Mischung aus Balsam und Olivenöl.
  • Katechumenenöl zur Salbung eines Taufbewerbers (Katechumene) während seines Katechumenats bzw. eines Täuflings vor der Taufe.
  • Krankenöl, auch Oleum Infirmorum genannt. Das Öl für die Geschwächten wird zur Salbung von Kranken bei der Krankensalbung verwendet. Für das Katechumenenöl und das Krankenöl wird in der Regel reines Olivenöl als Grundsubstanz verwendet.

Das Vorrecht der Weihe der für die Spendung mehrerer Sakramente verwandten heiligen Öle liegt beim Bischof. Wie bereits in der lateinischen Liturgie weiht er das Krankenöl unmittelbar vor dem Abschluss des eucharistischen Hochgebetes, das Katechumenenöl und den Chrisam nach der Kommunion. Die Heiligen Öle werden an die Stadt- und Kreisdechanten übergeben, die sie dann in die Gemeinden bringen. In der Messe vom Letzten Abendmahl werden sie dort am Gründonnerstag feierlich in Empfang genommen.

 

Termine in NRW:

  • Montag, 15. April, Paulusdom Münster: Bei der Missa Chrismatis um 10.30 Uhr wird Bischof Dr. Felix Genn im St.-Paulus-Dom die liturgischen Öle weihen und mit den Priestern des Bistums das Weiheversprechen erneuern. Die Liturgie wird auf den Internetseiten www.bistum-muenster.de, www.paulusdom.de, www.kirche-und-leben.de, www.katholisch.de und www.bibeltv.de/livestreams live übertragen. Die folgenden Gottesdienste im Paulusdom: Donnerstag, 18. April 2019, 18.30 Uhr: Gründonnerstag - Hl. Messe vom letzten Abendmahl, Freitag, 19. April 2019, 15.00 Uhr: Karfreitag - Die Feier vom Leiden und Sterben Christi. Kontakt Domverwaltung: Domplatz 28, 48143 Münster, Tel. 0251 / 495-6700, Fax 0251 / 495-6704, E-Mail: dom@bistum-muenster.de, Internet: https://www.paulusdom.de
  • Montag, 15. April, Kölner Dom:In Köln lädt Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki um 16.30 Uhr zur Chrisammesse in den Kölner Dom. Zuvor trifft er Priester, Diakone, Seminaristen und Priesteramtskandidaten des Erzbistums Köln zu einem Oasentag. Den Auftakt bildet um 15 Uhr eine „Geistliche Stunde" in der Minoritenkirche mit einem Impuls von Offizial Dr. Günter Assenmacher über das Thema „,Man muss …sein wie ein Baum‘ (Hilde Domin) – Wo finden wir Halt in Zeiten des Umbruchs?“ In der anschließenden Chrisam-Messe um 16.30 Uhr im Kölner Dom gedenken die Geistlichen ihrer Priesterweihe und erklären ihre Bereitschaft weiterhin treu ihren Dienst als Priester zu tun. Hintergrund ist, dass nach dem Glauben der Kirche, Christus im Rahmen der Abendmahlsfeier am Gründonnerstag die Kirche und die Eucharistie stiftete und damit auch das Priestertum einsetzte. Die Chrisam-Messe, normalerweise am Gründonnerstag gefeiert, wird im Erzbistum Köln seit mehreren Jahren auf den Karmontag vorverlegt, damit neben den Geistlichen auch viele Gläubige daran teilnehmen können. Die von Kardinal Woelki in der Chrisam-Messe geweihten Öle werden nach dem Gottesdienst an Vertreter aus den Gemeinden und Dekanaten übergeben und dort am Gründonnerstag in der Messe vom Letzten Abendmahl feierlich in Empfang genommen.
  • Montag, 15.04.2019, Hoher Dom zu Paderborn: Die Chrisammesse wird ab 16 Uhr mit der Mädchenkantorei gefeiert. Die musikalische Gestaltung übernimmt Christian Matthias Heiß mit der „Missa fidem cantemus“ und Klaus Wallrath: Herr du bist mein Leben, sowie Wechselgesängen aus dem Gotteslob
  • Dienstag, 16. April, Aachener Mariendom: Der Aachener Bischof Helmut Dieser feiert die Chrisam-Messe um 10.00 Uhr im Aachener Dom mit acht Priestern, die jeweils eine Region des Bistums vertreten. Mit dabei sind auch mehr als 300 Ministranten aus dem gesamten Bistum Aachen. Nach der Messe gibt es auch diesmal nach dem gemeinsamen Mittagessen eine Aktion für Ministranten: In Anlehnung an die in diesem Jahr stattfindende 72-Stunden-Aktion werden die Mädchen und Jungen die Chance haben, „72 Minuten Gutes zu tun“. Kooperationspartner für die 72-Stunden-Aktion sind die Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus (Schervier-Schwestern). 12.30-13.30 Uhr Mittagessen im Schervier-Kloster
  • Gründonnerstag, 18. April, Essener Dom: Mit hunderten Messdienern aus dem gesamten Ruhrbistum feiert Bischof Overbeck am Gründonnerstag ab 9 Uhr die Chrisammesse im Essener Dom. Der Gottesdienst an Gründonnerstag ist traditioneller Treffpunkt der Messdiener im Bistum Essen. Im Anschluss werden die heiligen Öle für diese Anlässe an die Gemeinden verteilt. Die Solisten des Mädchenchors am Essener Dom mit ihrer Band begleiten den Gottesdienst mit Neuen Geistlichen Liedern. Anschließend treffen sich die Messdiener und Bischof Overbeck auf dem Burgplatz für das traditionelle Gruppenfoto.

Unser Gesprächspartner: Pastoralreferent Mathias Albracht, im Sauerland aufgewachsen, ist im Bistum Münster für Verkündigung in Rundfunk, TV und sozialen Medien zuständig. Er studierte 2008-2014 Theologie in Paderborn und verbrachte ein Auslandssemester im schwedischen Uppsala. Nach einem Praktikum im Bistum Hildesheim – u.a. für das ökumenische Projekt "Kirche²" - begann er im Bistum Münster die Ausbildung als Pastoralassistent in St. Josef in Oldenburg im niedersächsischen Bistumsteil. Kontakt: Tel. 0251 / 495-1199, E-Mail: albracht@bistum-muenster.de.

Der Ablauf der Kar- und Ostertage: Am Palmsonntag beginnt eine Woche vor Ostern die „Karwoche“ (Große Woche/Heilige Woche/Karwoche). Das Wort „Kar” stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Trauer”, „Klage” oder „Kummer”. Der Palmsonntag vollzieht den in allen vier Evangelien beschriebenen triumphalen Einzug Jesu Christi nach Jerusalem nach. An sein dortiges Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung wird im Lauf der nun beginnenden Woche erinnert. Seit dem 4./5. Jahrhundert werden die biblischen Berichte über Leiden, Tod und Auferstehung Jesu immer mehr chronologisch nachvollzogen. Seit dem Beginn des 7. Jahrhunderts setzte sich in Spanien, Gallien und im deutschen Sprachraum seit dem 8. Jahrhundert der Brauch durch, das Einzugsgeschehen dramaturgisch-liturgisch nachzuahmen. Statt Palmen oder Ölbaumzweige führten die Gläubigen andere grüne Zweige mit. Im 11./12. Jahrhundert war die Palmsonntags-Prozession in vielen Teilen des Abendlandes Tradition. Im Mittelalter ritt ein Christus-Darsteller auf einem hölzernen Esel (Palmesel) in der Prozession mit. Die heutige Palmsonntagsliturgie am Eingang der Karwoche beginnt mit der Palmweihe außerhalb der Kirche: Im Wortgottesdienst der heiligen Messe wird dort erstmals der Bericht vom Leiden und Sterben Jesu („Passion”) gelesen. Es ist Brauch, die Palm-, Oliven- oder Buchsbaumzweige zuhause als segenbringende Zeichen am Kreuz zu befestigen.

Am Gründonnerstag (von althochdeutsch „greinen” = weinen) gedenkt die Kirche des letzten Abendmahles, das Jesus mit seinen Jüngern hielt, und damit der Einsetzung der Eucharistie. Nach dem Gloria-Gesang im Gottesdienst verstummten Orgel und Glocken. Das mit der Fußwaschung gesetzte Zeichen Jesu wird in vielen Gemeinden mit jungen und älteren Gemeindemitgliedern nachempfunden. Nach der letzten Messfeier vor Ostern werden Blumenschmuck und Kerzen abgeräumt. In besonders gestalteten Betstunden oder im stillen Gebet gedenken die Gläubigen des Ölberggeschehens mit der Gefangennahme Jesu und dem beginnenden Leiden. Papst Franziskus wird die Messe um 17 Uhr am Gründonnerstagabend im Gefängnis von Velletri südöstlich von Rom feiern. Während der Liturgie im Theatersaal des Gefängnisses erfolgt die Fußwaschung, die Papst Franziskus wieder an Gefangenen vornehmen wird. 

Der Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung. Er wird als Fasttag und als Zeichen der Trauer in Stille begangen. Am Nachmittag – meist zur „6.Stunde“ um 15 Uhr - versammeln sich die Christen zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte und zur Kreuzverehrung: Das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird nach und nach enthüllt und durch Kniebeugen verehrt. Anschließend folgt eine Kommunionfeier. In vielen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitags Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen statt.

Am Karsamstag, dem Gedächtnistag der Grabesruhe des Herrn, finden keine Gottesdienste statt; die Altäre in den Kirchen sind ohne Kerzen und Blumen. Da der nächste Tag nach der Überlieferung immer schon am Vorabend beginnt, beginnt die feierliche Liturgie der „Feier der hochheiligen Osternacht“ am Abend nach Sonnenuntergang (Vigil / Nachtwache) oder vor der Morgendämmerung am frühen Ostermorgen zwischen 4 und 6 Uhr. Sie gliedert sich in die Lichtfeier (Segnung des Osterfeuers, Verzieren und Entzündung der Osterkerze (geschmückt mit Kreuz, fünf Weihrauchkörner als Zeichen der Wundmale und Jahreszahl), Einzug in die dunkle Kirche unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ oder „Christus, das Licht“, Exsultet/Osterlob), in den anschließenden Wortgottesdienst mit den Lesungen (drei bis sieben Texte aus dem Alten Testament), Antwortgesängen und Gloria, bei dem alle Glocken läuten und die Orgel wieder erklingt, zwei Lesungen aus dem Neuen Testament, Osterevangelium und Predigt, Allerheiligenlitanei, Taufe und Taufgedächtnis und die Feier der Eucharistie mit Kommunion in beiden Gestalten von Brot und Wein. Die Messe vollzieht so den Durchgang durch den Tod zum Leben sakramental nach. Vielfach schließt sich nach dem Segen eine Agape als gemeinsames Ostermahl an.

Den Ostersonntag feiert Papst Franziskus im Petersdom ab 10.15 Uhr mit der Ostermesse und erteilt anschließend um 12 Uhr auf der Loggia den traditionellen Segen „Urbi et orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“). Am Ostermontag erinnern die liturgischen Texte an das Zusammentreffen der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Christus.

Ostergottesdienste per Mausklick: Wo und wann wird eine Heilige Messe, ein Gottesdienst oder eine Andacht in der Karwoche oder an den Ostertagen gefeiert? Für alle, die in diesem Jahr nach Gottesdiensten in der Osterwoche suchen, bieten die evangelische und die katholische Kirche wieder den ökumenischen Gottesdienstservice. Ab sofort unter www.ostergottesdienste.de.

Karwoche und Ostern: Volles Programm für Papst Franziskus
Ostern in Rom: Pilger und Besucher aus der ganzen Welt kommen auch in diesem Jahr wieder nach Rom, um mit Papst Franziskus Ostern zu feiern. Viele Termine stehen in der Heiligen Woche an. Es ist für Papst Franziskus das siebte Osterfest, das er als Oberhaupt der katholischen Kirche feiert. Vatican News überträgt die Feiern und Gedenkmomente live und mit deutschem Kommentar.

Hier ein Überblick der weiteren Übertragungen:

  • Gründonnerstag, 18. April 2019: Fußwaschung, ab 17 Uhr.
  • Karfreitag, 19. April 2019: Passion des Herrn, ab 16.55 Uhr.
  • Karfreitag, 19. April 2019: Kreuzweg am Kolosseum, ab 21.05 Uhr.
  • Karsamstag, 20. April 2019: Ostervigil, ab 20.25 Uhr.
  • Ostern, 21. April 2019: Heilige Messe, ab 10.05 Uhr.
  • Ostern, 21. April 2019: Urbi et Orbi, ab 12 Uhr.
  • Ostermontag, 22. April 2019: Regina Coeli, ab 11.57 Uhr.
  • 2. Sonntag der Osterzeit, 28. April 2019: Regina Coeli, ab 11.55 Uhr.

Die Übertragungen sind live auf der Homepage sowie auf dem Youtube-Kanal und den Partnersendern zu sehen, die schönsten Bilder der Feiern auf der Facebook-Seite und die aktuellsten Nachrichten dazu auf dem Twitter-Kanal.

Montag, 15.04.2019