Eisheilige und Klimawandel

von Christof Beckmann

Montag, 13.05.2019

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Richtig beliebt waren sie noch nie, die „Eisheiligen“ Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die „kalte Sophie“: Die Gedenktage dieser fünf Heiligen vom 11.-15. Mai sind die Zeit, in der es die letzten Nachtfröste geben kann. Doch bleibt es so?

INFO: Als Eisheilige werden die fünf Heiligen bezeichnet, deren Namenstage die katholische Kirche zwischen dem 11. und 15. Mai feiert. Sie bezeichnen eine Wetterlage, die in Deutschland zu den meteorologischen Singularitäten zählt - ähnlich wie die „Schafskälte“ oder der „Siebenschläfertag“ im Juni. Denn während sich die Landflächen Südeuropas durch den zunehmenden Sonnenstand bereits rasch erwärmen, wird in Nordeuropa noch von kaltem Wetter beherrscht. Dadurch ergeben sich enorme Temperaturgegensätze innerhalb Europas. Je nach Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete liegt Deutschland in einer eher nördlichen oder südlichen Strömung. Daher ergeben sich bei der Datierung der Eisheiligen regionale Unterschiede: Im Norden Deutschlands dauern sie traditionell vom 11. bis 13. Mai, im Süden vom 12. bis 15. Mai. Die Zufuhr arktischer Meeresluft und verspätete Kaltlufteinbrüche führen tagsüber zu kaltem Wetter und gehen nachts mit Frösten einher, die kritisch für die Landwirtschaft sind. In den vergangenen Jahren aber sind die stark frostgefährdeten Vegetationsperioden durchschnittlich etwas früher eingetreten, so dass sich nun die Eisheiligen nicht mehr so stark auf die Vegetation auswirken. 

Viele Volksweisheiten und Bauernregeln bezeugen den Respekt der Winzer und Gärtner vor den Eisheiligen:

11. Mai: Vor allem in Norddeutschland und den Niederlanden wird der heilige Mamertus (+ um 474) zu den Eisheiligen gezählt. Er führte als Bischof des französischen Vienne die dreitägigen Bitt-Tage vor Christi Himmelfahrt ein, die noch heute in der Kirche begangen werden. 

12. Mai: Der Festtag des heiligen Pankratius gilt einem jugendlichen Märtyrer aus dem frühen Christentum. Er kam aus dem westlichen Kleinasien nach Rom, wo er getauft wurde und im Alter von 14 Jahren unter Kaiser Diokletian um 305 hingerichtet wurde. Er zählt zu den 14 Nothelfern und gilt als Patron der jungen Saat und der Blüten.

13. Mai: Der heilige Servatius, gestorben am 13. Mai 384 in Maastricht, war Bischof von Tongern in den heutigen Niederlanden. Sein Grab in der Servatiuskirche in Maastricht wurde ein vielbesuchtes Wallfahrtsziel. 

14. Mai: Bonifatius von Tarsus, ebenfalls ein frühchristlicher Märtyrer aus Sizilien, wird oft mit dem gleichnamigen „Apostel der Deutschen“ verwechselt, dessen Gedenktag allerdings erst am 5. Juni ist. 

15. Mai: Die „kalte“ Sofie (Sophia) starb um 305 als Märtyrerin unter Diokletian in Rom. Ihre sterblichen Überreste sollen unter Papst Sergius II. (844-847) in der Kirche S. Martino ai Monti in Rom beigesetzt worden sein. 

Unsere Gesprächspartner waren die Meteorologen Andreas Friedrich, Pressesprecher / Tornadobeauftragter des DWD, und Christian Häckl, Leiter der Wetterredaktion bei RTL. 

Montag, 13.05.2019