Gefängnisseelsorge ist wichtig

von Stefan Klinkhammer

Samstag, 24.08.2019

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Bild: Reiner Rosenberg, Johann Biermann und Udo Gansweidt (von links) führten Weihbischof Rolf Lohmann durch die Klever Justizvollzugsanstalt. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)

Über 100 Jahre im Betrieb, über 40 Nationalitäten, mehr als 230 Gefangene und 140 Mitarbeiter: Die JVA Kleve hat einen anstaltseigenen Kirchenchor und die eigene Zeitschrift „Jaily News“. Der zuständige Regionalbischof Rolf Lohmann war dort zu Gast...

INFO: Weihbischof Rolf Lohmann kam im Juli auf Einladung des Gefängnisseelsorgers Reiner Rosenberg in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Kleve und feierte eine Messe mit dort einsitzenden Gefangenen und führte persönliche Gespräche. In seiner Predigt ermutigt er die Männer, sich auch in ihrer Situation, mit ihren Fragen, Problem und Sorgen an Gott zu wenden. „Jeder kann zu Gott kommen, er ist nicht nur in den schönen Momenten bei uns“, betonte der Weihbischof, „sondern in jeder Wirklichkeit und jeder Lebenssituation.“ Direkt an die Gefangenen gewandt, bekräftigt er: „Gott liebt Sie. Er liebt jeden Menschen und steht auch an Ihrer Seite.“ Im Interview mit der Kirchenredaktion erklärt der Weihbischof, sein Besuch im Gefängnis sei auch für ihn eine „Lernstunde“ und wichtige Erfahrung: „Vergebung ist das große Thema der Heiligen Schrift. Vergebung ist das große Thema von Jesus aus Nazareth. Wo er mit Menschen zusammen kam, hat er Vergebung ausgesprochen. Aber gleichzeitig auch immer gesagt: Nun geh und sündige nicht mehr.“ Dies sei Thema bei vielen Gesprächen gewesen. Sich auf einen neuen Weg machen zu wollen, spiele nicht nur an einem solchen Ort eine Rolle, sondern im gesamten zwischenmenschlichen Bereich wie in Partnerschaft und im Miteinander von Familienangehörigen.

JVA Kleve: Sie wurde im September des Jahres 1915 nach einer zweijährigen Bauzeit erstmals bezogen und bot damals Platz für die Unterbringung von 250 Gefangenen. Nach starker Beschädigung im zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau zu Beginn der fünfziger Jahre weist sie heute eine Belegungsfähigkeit von 234 Gefangenen auf, davon 162 Einzel- und 72 Gemeinschaftsplätze. Sie ist vor allem für den Vollzug der Untersuchungshaft und der Strafhaft bis zu vier Jahren für männliche Gefangene im geschlossenen Vollzug zuständig. Bedingt durch die Nähe zur deutsch-niederländischen Grenze betrage der Ausländeranteil mit bis zu 40 Nationalitäten regelmäßig zwischen 50-60 Prozent. Besonders hoch sei der Anteil der Gefangenen, die wegen Drogendelikten einsitzen, so die JVA. Beschäftigt sind dort etwa 143 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den verschiedenen Diensten eingesetzt sind. Mehr: Festschrift „100 Jahre JVA Kleve“.
Adresse: Leiter der Justizvollzugsanstalt Kleve, Udo Gansweidt, Krohnestraße 11, 47533 Kleve, Tel. 02821 / 770-0, Fax 02821 / 770-100, E-Mail der Behörde: poststelle@jva-kleve.nrw.de, Internet: http://www.jva-kleve.nrw.de/

Unser Gesprächspartner: Weihbischof Rolf Lohmann, geboren 1963 in Hamm, wuchs in Westtünnen auf und machte am Beisenkamp-Gymnasium in Hamm das Abitur. Er studierte Philosophie und Katholische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach Priesterweihe 1989 im St.-Paulus-Dom in Münster war er Kaplan in St. Laurentius Coesfeld und Vikar in St. Johannes Billerbeck. 1997 wurde er Pfarrer und Rektor der Wallfahrt in St. Ida Lippetal-Herzfeld, die zu den ältesten Wallfahrten im Bistum Münster zählt. 2003 übernahm er zudem die Pfarrei Ss. Cornelius und Cyprianus in Lippborg. 2011 wurde Lohmann zum Wallfahrtsrektor und Pfarrer an der Marienbasilika im niederrheinischen Kevelaer und 2012 zum Dechanten des Dekanats Goch berufen. Am 25. April 2017 wurde er von Papst Franziskus zum Titularbischof des untergegangenen Bistums Gor im heutigen Tunesien und zum Weihbischof in Münster ernannt und am 8. Juli 2017 geweiht. Lohmann ist als Regionalbischof für die Region Niederrhein mit Sitz in Xanten zuständig. Sein Wahlspruch lautet: „Vos estis lux mundi“ („Ihr seid das Licht der Welt“, Mt 5,14 EU). In der Deutschen Bischofskonferenz gehört er der Pastoralkommission und der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen an.
Kontakt: Bischöfliches Büro, Kapitel 3, 46509 Xanten, Tel. 02801 / 986932-0, E-Mail: fischediek@bistum-muenster.de. Internet: www.bistum-muenster.de.

Samstag, 24.08.2019