Komm mit ans Grab!

von Arnd Prüßmann

Montag, 03.11.2014

Grab
Nicht jeder Verstorbene hat Angehörige, die ihn vermissen.

Es steigt die Zahl der Menschen, deren Grab niemand besucht. Schon bei ihrer Beerdigung gab es niemanden, der um sie trauerte. Deshalb ist es gut, dass es Initiativen wie die von Waltraud Leymann gibt.

Sie wollte nicht mitansehen, dass immer mehr Menschen ohne Trauerfeier in einer Urne anonym bestattet werden. Das ist häufig der Fall bei einer "Ordnungsamtsbeerdigung". Betroffen sind Wohnungslose, Verarmte oder Alleinstehende ohne Verwandtschaft und ohne finanzielle Rücklagen. Waltraud Leymann fand Gleichgesinnte, die mit ihr solchen Verstorbenen einen würdevollen Abschied bereiten. "Für mich sind das meine Nächsten, die da sterben." meint Waltraud Leymann. Sie macht sich auch sonst stark für die Menschen am Rande der Gesellschaft. So engagiert sie sich in einer Sozialsprechstunde und einer Notschlafstelle.

Die Zahl derjenigen, die sich bei Sozialbeerdigungen engagieren, steigt. In Gelsenkirchen beispielsweise engagiert sich die Pfarrerin und Gerontologin Dr. Zuzanna Hanussek. „Wir haben den Verein „Ruhe-Steine“ gegründet, damit mittellose und einsame Menschen nicht einfach verscharrt werden.“ In der guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Referat Ordnung der Stadt ist ihr zunächst einmal aufgefallen, dass einige, die sie gemeinsam mit dem katholischen Pfarrer i.R. Hermann Zimmermann beisetzt, nicht nur einen festen Wohnsitz hatten, sondern auch ein Einkommen und Ersparnisse. Das einzige, was ihnen fehlte, war ein Mensch, der sich um ihre Beerdigung kümmerte. Dabei ist es gar nicht schwer, zu Lebzeiten Vorsorge zu treffen. „Man kann das mit einem Freund oder Nachbarn verabreden. Man kann auch direkt mit einem Bestatter einen regelrechten Vertrag schließen und genau festlegen, wie die letzte Ruhe und das Geleit dorthin gestaltet werden sollen.“

In Dortmund gibt es vierteljährlich zentrale Ökumenische Gedenkgottesdienste für durch das Ordnungsamt bestattete Menschen. In der Zeitung erscheint für diese eine Anzeige, unterschrieben vom Oberbürgermeister und den leitenden Geistlichen der Stadt. In der Anzeige vom 1. November 2014 werden 77 Verstorbene namentlich genannt.

Montag, 03.11.2014