Tom hat Angst, etwas zu verpassen

von Margret Wand

Montag, 25.01.2016

Fomo
Und immer dabei - das Smartphone

Morgens in der S-Bahn: Kaum einer schaut den anderen an. Einige begrüßen sich kurz, fahren den Weg wohl regelmäßig gemeinsam. Fast alle halten ihr Smartphone in Händen: Nacken leicht gekrümmt, Blick starr aufs Display, große Aktivität in den Fingern.

Das könnten Anzeichen von FOMO sein, meint Margret Wand. FOMO ("Fear Of Missing Out") ist die Angst etwas zu verpassen. Besonders im Zusammenhang mit sozialen Medien empfinden viele Menschen das FOMO-Gefühl und checken deshalb ständig den Facebookstatus der Freunde und den Maileingang. Dr. Bert te Wildt, Oberarzt an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum und Experte für Internet- und Medienabhängigkeit, geht davon aus, dass die Angst, etwas im Cyberspace zu verpassen, ein Faktor bei einer Abhängigkeitsentwicklung vom Internet sein kann. Er erklärt:

"Meine Hypothese ist, dass es durchaus so etwas wie eine Abhängigkeit von sozialen Netzwerken gibt. Das ist die eher weibliche Form der Internetabhängigkeit im Gegensatz zu der eher männlichen Form: der Computerspiel-Abhängigkeit. Allerdings ähneln diese sehr komplexen Online-Rollenspiele den sozialen Netzwerken und soziale Netzwerke funktionieren umgekehrt auch ein bisschen wie Gesellschaftsspiele." (Bert te Wildt)

Als eine Art Gegenbewegung zu FOMO entstand JOMO: "Joy Of Missing Out" - die Freude am Verpassen. Dieser Trend hat durchaus etwas mit der christlichen Freiheit zu tun. Man besinnt sich auf sich selbst und seine analogen Freunde und lässt das Smartphone ruhen. Dazu Dr. te Wildt:

"Wenn man so will, ist das Gegenteil von Abhängigkeit Freiheit. Ich glaube, viele Menschen möchten sich von diesem Druck, immer überall im Internet dabei zu sein, nichts zu verpassen und sein ganzes Leben online auszubreiten, befreien. Das ist eine Frage des Rhythmus und der Ausgewogenheit, zu der wir finden werden, ohne dass soziale Netzwerke notwendigerweise irgendwann ganz verschwinden."

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Montag, 25.01.2016