Vor 80 Jahren: Reichspogromnacht

von Christof Beckmann

Freitag, 09.11.2018

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Bild: Montage KiP-NRW

Gestern haben die beiden großen Kirchen und der Zentralrat der Juden in Deutschland eines Datums gedacht, das vor 80 Jahren eine brennende Spur in die deutsche Geschichte zog: die „Reichspogromnacht“. Auch in Düsseldorf wird heute eingeladen.

INFO: Der 9. November markiert mit dem Waffenstillstands von Compiègne das Ende des 1. Weltkriegs 1918, die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann vor 100 Jahren und den Fall der Mauer 1989. Doch schaut man mit dem Datum von heute auch in einen der Abgründe der deutschen Geschichte: Von einer „ungeheuren Empörung der Düsseldorfer Volksgenossen“ berichtete die Rheinische Landeszeitung einen Tag später, am 10. November vor 80 Jahren. In den Abendstunden sei es „zu spontanen Demonstrationen gegen die Juden“ gekommen. Mit „berechtigter Wut des Volkes“, hieß es, und in den Geschäften sei „radikal aufgeräumt worden“. In der heutigen Landeshauptstadt wurde die Synagoge gestürmt, die Inneneinrichtung zerstört. Und dann sei „durch einen Kurzschluss ein Brand entstanden“, log die Parteizeitung der Nationalsozialisten. Sie hatten die Gewaltakte wie im gesamten Deutschen Reich organisiert. Das jüdische Gebetshaus brannte – wie über 1.400 andere in ganz Deutschland vollständig aus. Jüdische Deutsche wurden geprügelt, verhaftet und ermordet, Zehntausende wurden deportiert und seit dieser Nacht vor 80 Jahren systematisch verfolgt und ermordet.

Zentralrat und Kirchenspitzen erinnern an Novemberpogrome: Bereits am 8. November gedachte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, gemeinsam mit den Repräsentanten der beiden großen Kirchen der Novemberpogrome. In seiner Heimatstadt Würzburg diskutierte er mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und dem Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, über die Herausforderungen einer modernen Gedenkkultur. Zuvor nahmen Marx und Bedford-Strohm am Standort der früheren Würzburger Hauptsynagoge an der offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt Würzburg und der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken teil.

Gedenken in Düsseldorf: Um an den Tag und die Folgen zu erinnern, kooperieren in Düsseldorf seit vielen Jahren die Mahn- und Gedenkstätte mit der Evangelischen und der Katholischen Kirche Düsseldorf sowie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.. Seit Dienstag gab es Gespräche und eine Filmpräsentation mit Jessica Jacoby in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, einen Gedenkgang auf den Spuren der jüdischen Familie Jacoby, einen Ökumenischen Gottesdienst in Sankt Rochus, Bagelstraße/ Ecke Prinz-Georg-Straße und mehrere Begegnungen und Schülerinnen und Schülern des Humboldt-, St. Ursula- und Max-Planck-Gymnasiums. Heute, Freitag, 9. November 2018, findet um 11.00 Uhr eine Kranzniederlegung mit Gebet am Standort der ehemaligen Synagoge (Kasernenstraße/Ecke Siegfried-Klein-Straße) statt. Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Es ist eine Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die mit rund 7.000 Mitgliedern die drittgrößte in Deutschland ist.

Gedenken im NRW-Landtag: Eine offizielle Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Pogromnacht vor 80 Jahren veranstalten der LANDTAG NRW und die Landeshauptstadt Düsseldorf am Freitag, 9. November 2018,12.00 Uhr, im Plenarsaal des Landtags, Platz des Landtags 1, 40221 Düsseldorf.

Gedenken in Köln: Die Katholiken im Erzbistum Köln gedenken am 18. November der Novemberpogrome mit einem Konzert. Die Sängerin Agnes Erkens und der Pianist Wilfried Kaets führen in der Kölner Kirche Sankt Aposteln jiddische, hebräische und chassidische Lieder auf. Zudem werden Augenzeugenberichte und Auszüge aus der Begründung der Pogrome von Joseph Goebbels gelesen. Das Konzert ab 18.30 Uhr steht unter dem Motto „nicht Wegschauen und verdrängen“. Der Diözesanrat will mit der Veranstaltung jeder Form von Antisemitismus, Rassismus und Verfolgung entgegentreten. Die Schirmherrschaft übernehmen die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Abraham Lehrer. Von geistlicher Seite wird das Konzert von Stadtdechant Robert Kleine und Pfarrer Rolf Domming begleitet.

Freitag, 09.11.2018