Marion und das Trümmerfeld

von Christa A. Thiel

Donnerstag, 26.03.2015

Trümmerhaufen
Trümmerhaufen meines Lebens?

Warum sind Millionen von Menschen so betroffen von dem Flugzeugunglück? Vielleicht geht es ihnen ähnlich wie Marion:

Marion kann es nicht lassen: Immer wieder nimmt sie die Zeitung zur Hand. Immer wieder schaut sie auf das Bild: Ein Trümmerfeld – mittendrin ein Wrackteil mit drei kleinen Fenstern – davor ein Mann vom Suchtrupp.

"Warum fesselt mich dieses Bild so?" fragt sich Marion. "Ich kannte nicht einen einzigen Menschen, der da starb, und trotzdem fühle ich mich schockiert. Sehe ich da vielleicht das Trümmerfeld meines eigenen Lebens? Meinen Mann, der mich plötzlich und unerwartet wegen einer anderen verließ?"

Marion überlegt und kommt zu dem Schluss: Dann wäre sie nicht traurig sondern eher wütend.

Oder kommt der Unfalltod ihres Bruders wieder hoch? Damals war sie tagelang wie gelähmt. Sie konnte sich kaum überwinden, duschen zu gehen. Immer wieder ging ihr durch den Kopf, was sie ihm noch alles sagen wollte, dass sie sich gestritten hatten wegen einer Lapalie. Irgendwann schrieb sie alles auf einen großen Zettel, rollte ihn zusammen und steckte ihn in die Blumenvase auf seinem Grab. Das half ein bisschen.

Marion schaut wieder auf das Trümmerfeld und seufzt. "Ja, so zerbrechlich kann Leben sein, kann auch mein Leben sein."

Plötzlich begreift sie: Das Bild erinnert sie daran, dankbar zu sein. Es ist nicht selbstverständlich am Leben zu sein. Und – Marion schmunzelt – wie sagte noch ihre Oma immer, wenn sie sich gerade mal wieder so richtig mit ihrem Bruder gezofft hatte: "Kind, lass die Sonne nicht über Deinem Zorn untergehen!"

Übrigens: Die Oma war eine fromme Frau. Ihre Lebensweisheit steht in der Bibel, im Brief an die Gemeinde in Ephesus. Da heißt es:

Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Donnerstag, 26.03.2015